Uran ??? Uran Kampagne Carl Amery über Uran

Uranhexafluorid - was ist denn das?

UF6 ist die chemische Abkürzung für Uranhexafluorid und ist nicht das erste, aber ein wichtiges Glied in der Kette der atomaren Brennstoffversorgung. Die Uranerzgewinnung der Wismut AG in der ehemaligen DDR war Grundlage für das zivile und militärische Atomprogramm Rußlands. Seit der Wiedervereinigung ist der Uran-Abbau durch die Bundesregierung per Dekret beendet worden, da die damit verbundenen Risiken zu groß sind. Die zahlreichen Leukämiefälle sowie die strahlenden Abraumhalden der Wismut und deren milliardenteure Beseitigung bezeugen eindrücklich die Gefahr für Mensch und Umwelt. Das Uranerz für die Industrieländer stammt deshalb zu 70% aus Ländern mit indigener Bevölkerung. Das Strahlenrisiko in den Hauptabbaugebieten tragen z. B. die Mirrar, Aborigines in Australien, die kanadischen Indianer der Cree und Dene in Saskatchewan oder die Tuareg in Nigeria.

Das chemisch versetzte Abfallgestein aus dem Uranabbau, das vor Ort verbleibt, enthält noch 85% der ursprünglichen Radioaktivität. Für ein AKW werden ca. 33 Tonnen Uran jährlich benötigt. Die 13000-fache Menge an radioaktivem Gestein bleibt im Abbaugebiet zurück und verseucht durch Wind und Wasser die gesamte Region über Jahrtausende. Strahlenerkrankungen in diesen Gebieten liegen teilweise bis zum 8-fachen über dem Landesdurchschnitt. Deshalb hat schon der Beginn der atomaren Kette den Entzug der Lebensgrundlagen und Zerstörung indigener Kultur zur Folge.

Diesen atomaren Rassismus und Kolonialismus gegenüber indigenen Völkern beschreibt Daniel Zapata von der Navaho-Widerstandsgruppe Pebody Watch so: "Indigene Völker waren, sind und werden immer die Vorhut der Anti-Atom-Bewegung sein. Wir müssen alle unsere Aufmerksamkeit auf den Anfang und das Ende des atomaren Ungeheuers richten - auf indigenes Land genauso wie den eigenen Hinterhof. Die Indigenen schaffen es nicht allein. Wir brauchen uns alle zusammen, Seite an Seite, jede/r Einzelne/n, Gruppe/n, politische Parteien und Länder um eine nuklearfreie Welt Realität werden zu lassen ­ Nicht so sehr zu unserem heutigen Vergnügen, aber für die zukünftigen Großväter und Großmütter".

Im Folgenden dokumentieren wir auszugsweise einen Brief des australischen Umweltschützers David Sweeney, Mitglied der 'Australian Anti Uranium Coalition' (Kontakt: P.diehl@sik.de), der den Kreis zum Thema UF6 wieder schließt:

 

Global denken - lokal handeln...
Was haben australische Aborigines mit den Salzstöcken im Wendland zu tun?

Der entschlossene Widerstand gegen die Castortransporte hat weltweit große Aufmerksamkeit gefunden. Mit der "Zwischen“-lagerung atomarer Abfälle schließt sich der Kreis der Ignoranz, die die internationale Atomindustrie gegenüber den Interessen der betroffenen Bevölkerungen an den Tag legt.
Die Wahrscheinlichkeit, daß aus Australien exportiertes Uran der Grundstoff des Atommülls ist, der in die Satzstöcke bei Gorleben eingelagert werden soll, ist sehr groß. Deutsche Unternehmen (Urangesellschaft, Braunkohlewerke, Saarberg Interplan GmbH) sind mit knapp 15 % nicht nur bedeutende Anteilseigner an der Energy Resources of Australia Ltd. (ERA), die den Uranabbau in der Ranger Mine im Kakadu National Park (Northern Territories) betreibt Deutschland ist mit aber 40% der größte Abnehmer des dort zwischen 1982 und 1996 geförderten Urans.
Die australische Regierung hat die Vergabe von 5 weiteren Abbaukonzessionen für Uran genehmigt. Die bedeutendste ist die Konzession für die Jabiluka
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Mine, die ebenfalls unter deutscher Beteiligung von der Energy Resources of Australia Ltd. (ERA) ausgebeutet werden soll, Sie liegt wie die Ranger Mine im Kakadu National Park, der von den Vereinten Nationen zum Weltkulturerbe erklärt worden ist Der Kakadu National Park ist Aboriginal-Land. Die traditionellen Eigner der Region von Jabiluka haben ihr Land für begrenzte Zeit dem australischen Staat als National Park überlassen. Sie müssen nun für die Einstellung des Uranabbaus auf ihrem Land kämpfen.
Bisher haben die Betreibergesellschaft Energy Resources of Australia Ltd.
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und damit auch die beteiligten bundesdeutschen Unternehmen - im Einverständnis mit der australischen Bundesregierung - die Bedenken der rechtmäßigen Eigentümer gegen den Uranabbau ignoriert. Der Kampf der Aborgines von Jabiluka für die selbstbestimmte Nutzung ihres Landes wird durch die aggressive Politik der australischen Regierung, den Uranabbau und die Steigerung der Uranexporte rücksichtslos zu fordern, massiv bekämpft. Im September 1998 wurden drei Mirrarfrauen zu Knast verurteilt, weil sie sich geweigert hatten Geldstrafen zu bezahlen, die wegen ihres Widerstandes gegen die Eröffnung der Jabiluka Uranmine verhängt worden waren.
Bitte helft den weiteren Uranabbau und
-export von Australien nach Deutschland zu stoppen. Eure Erfahrungen mit dem Problem der Endlagerung von Atommüll sind wichtig für die Schärfung des Bewußtseins über die mit dem Uranabbau verbundene Verantwortung.

Das aus den Abbauländern stammende Uranerz wird in sogenannten Konversionsanlagen, z. B. in Frankreich, in UF6 verwandelt, bevor es in die einzige deutsche Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau (weltweit gibt es 14 UAA zur Versorgung von ca. 430 AKW) transportiert wird. Dort wird es angereichert, bevor es u.a. in der Brennelementfabrik Lingen durch Advanced Nuclear Fuels (ANF), eine 100%-ige Siemenstochter, zu Brennstäben verarbeitet wird. Neben den deutschen AKW zählen Frankreich und Schweden zu den Hauptabnehmern, beliefert werden außerdem AKW in Ländern wie Belgien, Niederlande, Spanien und der Schweiz. Im Schatten der Castortransporte konnte dieser Unternehmensbereich der Atomwirtschaft in den letzten Jahren ungestört und kontinuierlich ausgebaut werden. Das Geschäft hat sich so gut entwickelt, daß jetzt eine Vervierfachung des Outputs realisiert werden soll. Die Verdoppelung der Kapazität wurde unter RotGrün bereits genehmigt.

In Zukunft soll also der Export von deutschem Atombrennstoff in alle Welt massiv zunehmen. Die Erweiterung bedeutet auch eine Vervierfachung der bisher rund 50 LKW-Transporte pro Jahr. Transportiert wird nicht nur UF6, sondern auch das bei der Anreicherung in großen Mengen anfallende abgereicherte Uran, ebenfalls UF6 genannt. Dieses abgereicherte UF6 ist Atommüll und wird in Gronau unter freiem Himmel gelagert, bis es zum weiteren Verbleib u.a. nach Rußland, z.B. Jekatharinenburg transportiert wird. Diese UF6 Transporte wären ein guter Anknüpfungspunkt für Widerstandsaktionen, ähnlich den Castortransporten.