Das
folgende Papier gegen die Stillegung materialisierte sich vor, während und nach
der ultimativen Urankonferenz, die
am 12.2. stattfand. Mensch könnte es als
Strategiepapier für eine Urankampagne bezeichnen.
Frühjahr
2000
-
seit anderthalb Jahren verhandelt die rotgrüne Regierung mit der Atomindustrie
über die Abschaltung der AKWs. Sie hat es geschafft, einen zentralen Konflikt
im
gesellschaftlichen Gefüge der BRD
auf zivilgesellschaftliches Format zurechtzustutzen. Übrig blieb nur, was unter
realpolitischen Maßgaben und juristischen „Sachzwängen“ mit der Atomlobby
auszukungeln war. Befriedung gesellschaftlicher Konflikte wird zur
Verhandlungsmasse" wie die Bereitstellung von dezentralen Zwischenlagern,
der Transportbereitstellungslagerung (TBL) und Zusatzgestellen für
Abklingbecken zeigt Dinge, die mit dem Atomausstieg soviel zu tun haben wie
Sockenhäkeln. Sie dienen nur einem Zweck, der Stillegung der AntiAtomBewegung.
sofort!!!
Nicht
am sofortigen Ausstieg festzuhalten, heißt, das Risiko
schwerer Störfälle
billigend in Kauf zu nehmen. Heißt, die tagtäglich Betroffenen von Uranabbau,
"Normalbetrieb" der AKWs und WAAs zur Verhandlungsmasse zu machen.
Diejenigen, die den Preis dafür zahlen müssen, existieren für die
KonsensverhandlerInnen nicht. Wir bekämpfen diese menschenverachtende Haltung,
die nichts damit zu tun hat, wie wir uns eine erstrebenswerte Gesellschaft
vorstellen. Wir wollen es nicht hinnehmen, daß Menschen nur als Faktoren in
Kosten-Nutzenrechnungen
auftauchen, was heißt, daß sie verheizt werden, wenn es sich nur rechnet. Der
Ausstieg kann nur Ausstieg genannt werden, wenn sofort erfolgt -
jegliches Verhandeln und Verzögern bedeutet letztendlich nur die Modernisierung
der Atomindustrie.
alle!!!
Die
Urananreicherungsanlage Gronau ist durchaus eine Atomanlage. Auch deshalb ist es
schlichtweg gelogen, wenn die grüne Partei mit Herz oder sonst wer behauptet,
das gesamte (nationale) Atomprogramm würde -
wann auch immer -
hopsgehen. Selbst wenn alle AKWs von Netz wären, in Gronau würde weiter Uran
angereichert. Zudem stimmt ein nationaler Atomausstieg -
wenn es ihn gäbe -
wohl auch am ehesten NationalistInnen fröhlich. Unser Ziel ist die politische
Intervention gegen die global HERRschenden Verhältnisse im Rahmen unserer
Mittel. Im Rahmen unserer Mittel bedeutet z.B., da, wo wir können,
Urantransporte, Uranhandel und
Uranverarbeitung zu verhindern.
atomanlagen!!!
Atomtechnik ist (k)eine Technologie unter vielen. Hochgeschwindigkeitszüge,
Transatlantikflüge, Atomanlagen: vermeintlich gibt es viele mögliche Risiken
vor die uns die "Risikogesellschaft" stellt -
"no
risk no fun" liefert das dazu passende Lebensgefühl. Wie andere
Technologien auch sind Atomanlagen konsequenter Ausdruck patriarchalen
Machbarkeitswahns im entfesselten Kapitalismus. Sie sind ein Symbol für den
unbedingten Herrschaftswillen der "Götter im weißen Kittel" über
die Welt. Mit der um sich greifenden Einebnung dieser besonderen Qualität der
Atomtechnologie wird der ideologische Boden bereitet, auf dem sich bereits heute
Gen-
und Reproduktionstechnologien ausbreiten, als hätte es eine Kritik der
Technikgläubigkeit nie gegeben
stillegen!!!
Die
Konzentration auf den Müllsektor droht zur Erstarrung der Bewegung zu führen -
die Eingleisigkeit der AntiCastorBewegung hat den BetreiberInnen den Weg
aufgezeigt, auch wenn es ein Bündel Grünes gebraucht hat, diesen Weg auch zu
beschreiten.
Aus dieser Paralyse führt uns nur eine
inhaltliche Erweiterung - in den Versorgungsbereich der AKW. Genau da wollen wir
ansetzen, am Anfang der Brennstoffspirale, beim Abbau und Verarbeitung von Uran.
Die
Vorstellung, die Betreiber von AKWs an ihrem eigenen Müll ersticken zu sehen,
ist zwar janz nett, aber diese von vielen propagierte Verstopfungsstrategie
erscheint uns nur sinnvoll, wenn auch praktisch versucht wird, die Entstehung
des Mülls von Anfang an zu verhindern. Darüber hinaus bietet Uran die Möglichkeit,
deutlich zu machen, dass die AntiAtomBewegung das Wort "weltweit" tatsächlich
ernst nimmt. Das heißt, daß diese Bewegung zukünftig nicht mehr bei Appellen
stehen bleibt, sondern mit den geeigneten Mitteln bereits den Abbau und Handel
mit dem Rohstoff für AKWs und Bomben zu verhindern sucht.
geeignete
mittel?!
hmm...
Uns spuken
dabei ein paar Ideen im Kopf herum, die wir hiermit mal vorstellen wollen. Möglich
(und nötig) wären z.B. Hafenblockaden mit schwarzroten Schlauchbooten, ein
Regierungssturz, Agitation und Propaganda ohne Ende, Transparente von Autobahnbrücken,
Plakate kleben hier und da, Mobilisierungstheater und andere entschlossene
Aktionen. Das könnte von einer journalistischen und juristischen Zusammenarbeit
mit zu dem Thema arbeitenden Gruppen bis hin zu einer internationalen
Blockadeaktion gegen Urantransporte gehen. Ein solcher könnte auf seinem Weg
van dem Ursprungsland bis seiner Anreicherung nach Gronau begleitet bzw.
blockiert werden Eine solche Blockade würde die internationalen Verflechtungen
im Bereich Uranhandel aufzeigen und die FreundInnen des nationalen Atomausstiegs
vielleicht ein wenig nachdenklich stimmen.
Der
ökologisch modernisierte Standort Deutschland kann nicht Ziel unserer Politik
sein. Solidarität in Theorie und Praxis mit den sich global gegen Ausbeutung,
Unterdrückung und Herrschaft wehrenden Menschen dagegen auf jeden Fall.
krieg
dem krieg
Die
Verzwirbelung von militärischer und
sogenannter ziviler Nutzung der Atomtechnik
hat u.a. auch der Kosovokrieg gezeigt. Seitens
der NATO wurde mit Uran versetzte Munition eingesetzt.
Kollateralschäden durch Blockaden etc.
in Produktionsstätten von Uranmunition
in der BRD und anderen Ländern bzw.
in Firmen, die mit dieser Munition handeln, sollten also von der
AntiAtomBewegung durchaus angestrebt werden. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit
antimilitaristischen Gruppen möglich. Allgemein wird ja die Zusammenarbeit mit
anderen Teilbereichsbewegungen (zumindest auf dem Papier) oft eingefordert,
zumindest dann, wenn mensch die AntiAtomBewegung als Teil einer
emanzipatorischen Bewegung begreift. Wir tun dies.
uranabbau
und
-verarbeitung
Uranabbaufirmen
ein wenig Sand ins Getriebe zu streuen, wäre die nächste Möglichkeit. Die
beiden deutschen Firmen, Urangesellschaft mbH und Uranerzbergbau GmbH
(Bonn-Wesseling), bauen weiterhin weltweit Uran ab, so daß der nuklearer
Kolonialismus auch in der BRD bekämpft werden kann. Zudem gibt es ja noch die
angesprochene Urananreicherungsanlage in Gronau (eine der weltweit 14 UAAs, die
z.B. alle weltweit laufenden AKWs versorgen). Ein größerer Widerstand gegen
diese Anlagen ist dringend nötig und symbolisch bei weiten spannender als die
Aussage: "Wir wollen hier bei uns keinen Atommüll haben!!!" Auch hier
wäre der Bezug zum globalen Kapitalismus hergestellt.
urantransporte
In
der Regel werden wir trotz aller guten Vorsätze hauptsächlich dort agieren können,
wo die ganze Geschichte in unsere Reichweite gerät, ob mit dem Schiff aus
Kanada oder Australien oder mit der Bahn oder LKW z.B. aus Frankreich. Ein
Hauptangriffspunkt sind daher weiterhin Atom-,
in diesem Fall Urantransporte. Wie mensch die stoppen kann, hat sich hoffentlich
rumgesprochen. Ein Schwerpunkt könnten Transporte mit Uranhexafluorid (UF-6)
aus Frankreich sein. Diese werden sehr regelmäßig in die UAA Gronau gefahren
und wurden z.T. auch schon erfolgreich gestört. Außerdem ist es bei diesen
Transporten nicht unrealistisch, daß der Transporttermin rechtzeitig bekannt
wird. Interessant und phantasieanregend dürfte dabei sein, daß der LKW-Transport
vom Bahnhof in Nordhorn (Niedersachsen, Kreis Grafschaft Bentheim -
25km nördlich von Gronau) zur UAA in der Vergangenheit in mehreren Etappen
stattfand. Für entschlossene Blockaden und andere schöne Dinge gibt es.
Dementsprechend 2,3 oder gar 4 Versuche! Wenn das nix ist... Zudem ist ein
Gleisanschluß zur UAA Gronau geplant. Es wird damit gerechnet, daß mit dem Bau
im März begonnen wird und diese innerhalb eines Tages ab geschlossen sein
werden.
wanderblockade
Im
Rahmen der vorgeschlagenen Wanderblockade soll Uran nicht nur in Gronau (als
Blockadepunkt), sondern während der gesamten Zeit (an allen Standorten)
thematisiert werden. AnsprechpartnerInnen für diese Idee findet ihr beim
AntiAtomNetzwerk Sachsen, Bernhard-Göring-Str.
152, 04277 Leipzig, Telefon 03425-817765,
www.anti-atom-sachsen.de
wenn
ahaus, dann gronau
Den
nächsten Castortransport nach Ahaus betreffend wird ja die Idee diskutiert,
sich direkt im Anschluß an diesen Transport (d.h., nachdem die Castoren in die
süddeutschen AKWs zurückgeschickt wurden) auf den Weg ins 30km entfernte
Gronau zu machen, um die dortige UAA zu
dekonstruieren. Wir finden: eine hervorragende Idee, zumal hier die oben
genannten Zweifel an der Verstopfungsstrategie nicht auftauchen. Innerhalb ein
und derselben Mobilisierung wären Ende und Anfang der Brennstoffspirale
thematisiert. Ein Bezug wäre hergestellt zum globalen Schweinesystem, d.h. zur
global stattfindenden Ausbeutung und Unterdrückung. Toll, wenn dies klappt. Dafür
muß jedoch massiv eingefordert werden, daß diese Idee nicht nur Anhängsel der
Kein-Castor-nach-Ahaus-Kampagne
wird, sondern von Beginn an ein von der gesamten Bewegung getragener Teil der
Mobilisierung. Was die Praxis betrifft, können wir uns einen großen bunten
Konvoi mit Sack, Pack, Schaufel, Schraubenschlüssel und Vokü von Ahaus zur
Blockade nach Gronau gut vorstellen. Dort sind dann -
wer das riiiesige Gelände der UAA mit dem hübschen Maschendrahtzaun kennt, -
weiß das -
verschiedenste Sachen denkbar (Spiele ohne Grenzen ... ).
Soweit
erstmal zu den spukenden Ideen. Wenn es bei Euch auch manchmal spukt, sagt uns
unbedingt Bescheid. Bleibt in Bewegung!
sofortige
stillegung aller atomanlagen weltweit!!!
alles andere is' quark das uran bleibt in
der erde!!! freiheit und kuchen - für
alle!!!
Kontakt
über: uran ag, c/o AntiAtomPlenum-Berlin,
Kurfürstenstr. 14, 10785, Berlin, Tel.:030/2616252, Fax.:030/2619812