VorwortVor nunmehr über zehn Jahren wird unter der Parole: "Es lebe die antifaschistische, antagonistische Kultur!" die Initiative Kunst und Kampf gegründet. KuK vertritt ein neues politisch-künstlerisches Konzept und begreift sich als Bestandteil der autonomen Bewegung. Es sind hauptsächlich Plakate, mit denen KuK seine Ansprüche in die Realität umsetzt und propagiert. Der Widerstand wird offensiv abgebildet, eine neue, allgemeinverständliche Formästhetik entwickelt. Die klare politische Aussage der Arbeiten hat eine ständige Kriminalisierung zur Folge. Nur der halbverdeckten Struktur von KuK und anderen Vorsichtsmaßnahmen ist es zu verdanken, daß es bei der langen Liste von kriminalisierten Plakaten bislang in keinem einzigen Fall zu einer Verurteilung gekommen ist. Der politische und künstlerische Ansatz bleibt eine Ausnahme in der autonomen Szene. Eine vergleichbare Initiative findet sich nicht. Im Laufe der Zeit beteiligen sich die unterschiedlichsten Kunstschaffenden an KuK. Es entstehen zwei Wanderausstellungen, in denen Plakate aus dem Widerstand, linke Kulturtheorien und die Kriminalisierung von politischer Kunst in der BRD themarisiert werden. Bei der Konzeption der ersten Ausstellung entsteht die Idee, einen Katalog zu erstellen. Da die Umsetzung des Projektes nicht gelingt, erscheinen im Laufe der Jahre lediglich einige Broschüren. Nachdem 1996 der Kriminalisierungsversuch gegen die Autonome Antifa (M) und KuK abgewendet ist, wird das KuK Buchprojekt wieder in Angriff genommen. Der Autor ist Jahrgang 1960 und seit 1977 in der autonomen Bewegung aktiv. Ein großer Teil der in diesem Buch beschriebenen Vorgänge beruhen auf persönlichen Erfahrungen. Als Problem bei der Arbeit an dem Buch erweist sich die Darstellung des politischen Kontextes, in dem KuK agiert. Eine Beschreibung der autonomen Bewegung der achtziger Jahre bleibt im wesentlichen unverständlich, wenn nicht die vorausgegangenen Entwicklungen des politischen Widerstandes mit einbezogen werden. Das führt zu der Entscheidung, einen Abriß der Geschichte des Widerstandes von 1945 bis heute in das Buch aufzunehmen. Es entsteht eine Geschichtsaufarbeitung, die deutlich macht, auf welchem Hintergrund die autonome Bewegung entsteht. Große Probleme gibt es mit belegbaren statistischen Informationen. So gibt es keine Angaben von kommunistischen Organisationen über ihren Mitgliederbestand. Sämtliche zur Verfügung stehende Literatur nennt entweder keine Zahlen oder verwendet statistisches Material aus Verfassungsschutzberichten. Daher basieren die Zahlen in diesem Buch, wenn nicht anders angegeben, auf Berichten des Verfassungsschurzes des jeweiligen Jahres. Bei der Größe von Demonstrationen werden Zeitungsberichte und Angaben der Initiator/innen berücksichtigt. Verwendbare Literatur über die autonome Bewegung ist nur spärlich vorhanden, insbesondere trifft das auf den autonomen Antifaschismus zu. In diesem Buch werden ausschließlich Papiere aus der Bewegung zitiert. Die Texte sind oft nur als Diskussionspapier, Flugblatt oder als Bestandteil von Broschüren veröffentlicht. Zumeist gibt es keine oder falsche oder nur unvollständige Impressen. Eine umfangreiche Lirerarurliste findet sich daher nicht. Den Zitaten ist die Quelle im laufenden Text angefügt. Dieses Buch entsteht aus der Praxis für die Praxis. Das findet seinen Niederschlag auch in der Art des Textes, in dem zahlreiche Begriffe und Redewendungen aus dem Sprachgebrauch der autonomen Szene verwendet werden. Zwei dieser Begriffe sollen im voraus erwähnt werden: Der Begriff "Trikont", der in den achtziger Jahren für die unterentwickelt gehaltenen Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika verwendet wird. Desweiteren wird "Widerstand" statt "Linke" gebraucht. "Linke" bezeichnet eine Geisteshaltung, die von Sozialdemokrat/innen bis zu Autonomen reicht. "Widerstand" dagegen ist ein Kampfbegriff, der nur die militante Bewegung umfaßt. Das Gesamtwerk von KuK ist mittlerweile so umfangreich, daß nicht alle Plakate und sonstigen Arbeiten abgebildet und beschrieben werden können. Ein Gesamtverzeichnis, in dem auch viele der nicht abgebildeten Arbeiten aufgeführt sind, ist im Buch enthalten. Mit einhundertfünf Farb- und elf Schwarzweißabbildungen ist jedoch der wesentliche Teil dokumentiert. Im Buch befinden sich einige Anschlagserklärungen zu Themen, zu denen auch KuK-Plakate erschienen sind. Was natürlich nicht bedeutet, daß KuK hinter diesen Anschlägen steckt. Die Dokumente sind aufgenommen worden, weil solche Anschläge vor allem in den achtziger Jahren ein Charakteristikum der autonomen Bewegung darstellen. Es handelt sich ausschließlich um Erklärungen, die schon einmal an anderer Stelle veröffentlicht sind. Dieses Buch stellt die Summe von über zehn Jahren Auseinandersetzung mit der Kriminalisierung politischer Kunst aus dem Widerstand in der Bundesrepublik und dem Kampf gegen Repression dar. Es versteht sich als Dokument und Aufforderung zum Handeln — nicht als Schwanengesang. Bernd Langer Göttingen, August 1997 |