Kunst und Kampf
Kunst und Kampf entsteht Mitte der achtziger Jahre aus der autonomen Bewegung als konzeptionelle Idee für eine kulturpolitische Initiative. Grundlage für das Projekt KuK ist das Aneignen des Begriffes der Widerstandskultur als bewußtes Instrument im politischen Kampf. KuK arbeitet an einer neuen revolutionären Kunst und Kulturinterpretation. Das bedingt eine inhaltliche Differenz zu den beiden Begriffen "Subkultur" und "Gegenkultur". Eine Identifikation mit subkulturellen Entwürfen lehnt KuK ab, da sie sich als Alternativen oder Anhängsel zur herrschenden Kultur definieren. Allein der Begriff der Subkultur, von der herrschenden Kultur geprägt, impliziert, daß es eine "hohe" - eben die herrschende - Kultur gibt, in deren Nischen und Freiräumen entsprechende "niedere" kulturelle Ansätze und Ausformungen existent sind beziehungsweise sich entwickeln können. Subkultur ist ein Begriff der bürgerlichen Kulturhegemonie, der im Kern auf die Entpolitisierung kultureller Ansätze zielt, da jedwede kulturelle Entwicklung nur als Abwandlung aus der herrschenden Kultur abgeleitet werden kann. Ein antagonistisches Verhältnis, wie es von KuK propagiert wird, ist mit dem Wort Subkultur nicht zu erfassen. Auch der Begriff der Gegenkultur ist für KuK nicht zutreffend. Zwar beinhaltet der Terminus Gegenkultur eine bewußte Gegnerschaft beziehungsweise Stellungnahme, bleibt jedoch auf die inhaltliche Position der Antithese beschränkt. Der Begriff der antagonistischen Kultur beinhaltet jedoch mehr als einen bloßen Gegenentwurf zur herrschenden Kultur, er geht über Anti-Kultur hinaus. KuK vertritt die These des eigenkulturellen Impulses, der im dialektischen Verhältnis zur Kulturfähigkeit steht. Kulrurfähigkeit heißt, Kultur als gesamtgesellschaftliche Orientierung zu verstehen, die es fundamental zu verändern gilt. Diese Veränderung ergibt sich nicht aus einer Protest- oder Alternativ-, einer Nischen- oder Freiraumkultur beziehungsweise -bewegung. Sie zielt vielmehr auf die Überwindung reaktionärer gesellschaftlicher Orientierung durch das Schöpfen und Propagieren konstruktiver, emanzipatorischer Impulse, die im Zusammenhang mit der politischen Bewegung ihre Wirkung entwickeln und multiplizieren. KuK ist daher subversiv, schöpft kulturelle Identität aus dem subversiven Verhältnis. Der eigenkulturelle Impuls entsteht aus der Bewegung und wird somit zum Ausdruck einer Bewegung, die neue soziale und politische Verhältnisse, Umgangsformen, Vorstellungen und Traditionen schafft beziehungsweise schaffen will. Zum Selbstverständnis und zur Geschichte von KuK gehören auch die Jahre vor der unmittelbaren Entstehung, in denen sich das theoretische und praktische Fundament entwickelt. Die Entstehungsphase 1982 bis 1985 Für Demonstrationen und Veranstaltungen wirbt die autonome Bewegung vor allem mit Flugblättern und Plakaten. Die Gestaltung ist zumeist nicht durchdacht und mangelhaft umgesetzt. Dennoch kommen eigene ästhetische Elemente zum Tragen. Hintergrund sind Neuerungen, die den gesamten Bereich der Druck- und Gestaltungstechnik verändern. Was vormals mit komplizierten Verfahren in Blei- oder Fotosatz hergestellt wurde, erfährt seine Ablösung durch den Papierumbruch. Zeitungsseiten und auch Plakate werden nun als Papiervorlage zusammengestellt, die als direkte Druckvorlagen dienen. Größeres Vorwissen und umfangreiche technische Voraus- |