Übergänge fließend. Insbesondere mit dem Deutsch-Punk, Punk-Musik mit deutschen Texten, kommt es zu einer neuen politischen Musikbewegung in der Bundesrepublik.

Widerstands-Ästhetik

Gestaltung von Plakaten ist zumeist Zufallsprodukt. Inhaltliche Überlegungen zu Kunst und Widerstand gibt es in der autonomen Szene nicht. Nur auf dem Gebiet der Literatur kommt es zu wenigen Ansätzen. Die Initiative KuK betritt Neuland und bleibt eine Ausnahme.

Erste Überlegungen beginnen mit der Auseinandersetzung über auffällige inhaltliche Unzulänglichkeiten vieler Plakate. Oft zeigen die Motive, wogegen sich die Aktion richtet. Zu antifaschistischen Demonstrationen wird zum Beispiel geworben, indem ein Nazi-Aufmarsch abgebildet ist. Das Bild zeigt einen starken Gegner. Ein fundamentaler Fehler, denn für ein Plakat ist das Motiv von ausschlaggebender Bedeutung, es muß auch ohne Text den Inhalt der Aktion ausdrücken. Gerade bei einer Anti-Aktion muß der Widerstand abgebildet werden, um für ihn mobilisieren zu können. Einen starken oder übermächtigen Gegner zu zeigen, steht dem entgegen.

Im besonderen geht das Bemühen von KuK darum, den Ausdruck des Widerstandes bildlich umzusetzen. Vieles, was sich in der Gestaltung von Druckerzeugnissen der autonomen Szene findet, sind übernommene Abbildungen, die teilweise ein wenig anders arrangiert sind. Versuche, bewußt einen eigenen Ausdruck zu schaffen, sind äußerst selten.

Konkretes Beispiel

Einige Grundprinzipien der späteren Initiative KuK lassen sich anhand der Diskussionen und Erfahrungen in einem kleinen lokalen Zusammenschluß, der von 1978 bis 1985 besteht, verdeutlichen: Am 23. Oktober 1982 mobilisiert die Gruppe "Antifaschistischer Arbeitskreis Bad Lauterberg" zu einer Demonstration gegen das alljährlich in Bad Lauterberg stattfindende Treffen des "Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen/Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e. V.". Grund für das Treffen in der Harzstadt ist ein dort befindliches Denkmal des deutschen Kolonialschlächters und späteren Gouverneurs von "Deutsch-Ostafrika", Herrmann von Wißmann. Das im Handsiebdruck hergestellte Plakat (Abbildung Seite 66) zeigt als Motiv das Kolonialdenkmal, mit dem Unterschied, daß die circa zwei Meter hohe Bronzeplastik im Original auf einem Felsen und nicht auf einem ermordeten Afrikaner steht.

Den Hintergrund bilden die Fahnen des Reichskriegerbundes und des Reichskolonialbundes aus der Zeit des Nationalsozialismus. Beide NS-Verbände sind Vorläuferorganisarionen des heutigen Kolonialrruppenverbandes.

Abgesehen von den formalen Unzulänglichkeiten der Zeichnung widerspricht die Gestaltung des Plakatmotives insgesamt den späteren KuK-Prinzipien.

Die Zeichnung kopiert lediglich die Formsprache des Gegners. In einen anderen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhänge setzt, könnte das Motiv für den entgegengesetzten Zweck genutzt werden. Widerstand tritt überhaupt nicht in Erscheinung, gezeigt ist der übermächtige weiße Herrenmensch.

Doch ist das Plakat Bestandteil der Aktion, und deshalb die Intention eindeutig. Selbst das Fehlen des Demonstrationsaufrufes fällt nicht ins Gewicht. Die Aktion ist in aller Munde, da die Stadt Bad Lauterberg die Demonstration verbieten will und sie erst juristisch durchgefochten werden muß. Behörden und Polizei überlegen sich alle möglichen Scherereien.

Im Zusammenhang mit dem Plakat gibt es Anzeigen und Ermittlungen wegen ,wilden Plakatierens und Sachbeschädigung", begleitet von Hetzartikeln gegen Antifaschist/innen im Bad Lauterberger Tageblatt. Die Demonstration wird dementsprechend von Pöbeleien aus der Bevölkerung begleitet und fällt mir einhundert Teil nehmer/innen klein aus. Trotzdem verursacht sie einigen Wirbel.

In den folgenden Jahren die Aktivitäten gegen das Treffen des Kolonialrruppenverbandes fortgesetzt. Neben Öffentlichkeitsarbeit mit Flugblättern und Veranstaltungen führen Unbekannte vor allem direkte Aktionen gegen die Versammlung durch. Besonderes Aufsehen erregt eine Bombenattrappe, die 1985 zu einer erheblichen Störung des Kolonialtruppentreffens führt.