Source: Die
Zeit, march 2002, author: Bartholomaus Grill
Der
Giftmischer der Apartheid
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Wouter Basson nannte sich
selbst Dr. Death. Zur Bekämpfung der Schwarzen entwickelte er einst Giftstoffe
und Killerkeime. Der Prozess gegen ihn ist der aufwändigste, der dem weißen
Regime in Südafrika je gemacht wurde
Die zwei
jungen schwarzen Frauen hatten sich zunächst nicht getraut, den High Court zu
betreten. Aus diesem klotzigen, abweisenden Klinkerbau im Herzen Pretorias
kommt nichts Gutes. Er beherbergt ein "weißes" Gericht, immer noch.
Aber die Neugierde war dann doch stärker als die Scheu. Die beiden Frauen
wollten die Bestie einfach mal sehen.
Nun sitzen sie
im Strafhof G.C. 0.64, ganz hinten, auf dem äußersten Rand der letzten
Holzbank, und schauen gebannt auf den Angeklagten. Eine gepflegte Erscheinung,
dunkle Krawatte, anthrazitgrauer Anzug, gestutzter Vollbart, Halbglatze, unter
den buschigen Brauen eng stehende, wachsame Augen. Sieht so ein Scheusal aus?
Soll das der Mann sein, der geplant hatte, dass schwarze Mädchen, wie sie es
sind, erst gar nicht geboren werden?
Der Mann heißt
Wouter Basson, ist 52 Jahre alt und von Beruf Arzt. Er wird zu den kaltblütigsten
Killern der Apartheid gezählt. Die Anklage beschuldigt ihn, zum Mord
angestiftet zu haben, letale Substanzen für die Liquidierung von politischen
Gefangenen verteilt und selber Todesspritzen gegeben zu haben. Zeugenaussagen
und sichergestellten Akten zufolge hat ein Forscherteam auf seine Anweisung hin
Seuchenerreger gezüchtet, um Teile der schwarzen Bevölkerung zu sterilisieren
oder auszurotten. Nelson Mandela, der unbeugsamste aller Widerstandskämpfer,
sollte an Krebs sterben - verursacht durch Karzinogene aus Bassons Labors. Der
Deckname seiner Mission lautete "Project Coast", "Projekt Küste",
Aufbruch zu neuen Ufern. Gemordet wurde im alten Stil. In Südafrika vergleicht
man den Doktor und seine Handlanger mit Naziwissenschaftlern.
Handbuch
der Grausamkeiten
Die Geschichte
beginnt in den frühen achtziger Jahren, in der Hochphase des Kalten Krieges,
als das weiße Regime weltweit isoliert war und sich von Feinden umgeben sah:
von der roten Gefahr des Weltkommunismus und von der swart gevaar aus
Afrika. In Namibia, Angola und Mosambik erstarkten die Befreiungsbewegungen. Es
war eine Zeit des kollektiven Verfolgungswahns, in der die Burenrepublik alle
Regeln eines zivilisierten Staates aufhob. Damals beschloss der Generalstab der
südafrikanischen Streitkräfte das Project Coast, die Aufrüstung mit chemischen
und biologischen Kampfstoffen. Das streng geheime Militärprogramm der Apartheid
war ursprünglich defensiv angelegt, aber bald schon kam die Produktion
offensiver B- und C-Waffen hinzu. Mit der Umsetzung dieser Pläne wurde
Oberstleutnant Wouter Basson betraut, ein junger, ebenso ehrgeiziger wie
scharfsinniger Kardiologe und Militärmediziner. Er leistete ganze Arbeit: Am
Ende besaßen die Südafrikaner eines der umfassendsten Arsenale an Biokillern,
die seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden.
Sieben Jahre
ermitteln die Strafverfolgungsbehörden in Sachen Basson und Project Coast. Die
Anklageschrift, 400 Seiten dick, liest sich wie ein Handbuch der Grausamkeiten.
Wouter Basson ist in 63 Punkten angeklagt, unter anderem wegen vielfachen
Mordes, wegen Beihilfe zum Mord, wegen schweren Betrugs und Drogenhandels. Am
Montag, dem 4. Oktober 1999, eröffnet das Oberste Gericht in Pretoria die
Verhandlung. Es beginnt der aufwändigste Prozess, der der Apartheid je gemacht
wurde - und vermutlich der letzte.
August 2000.
Alle, die im Gerichtssaal Platz genommen haben, sind weiß und männlich,
ausgenommen die beiden schwarzen Zuhörerinnen. Die Männer sind Buren. Da ist
Jaap Cilliers, der Chef des Verteidigerstabes, der sich einen Namen gemacht hat
als Rechtsbeistand für rassistische Totschläger und Armeegenerale, die eines
Massakers an Zivilisten beschuldigt wurden. Da sind die Staatsanwälte Anton
Ackermann und Torie Pretorius, die früher schwarze Oppositionelle ins Gefängnis
brachten. Und da ist der grauhaarige Richter in der karminroten Robe, Willie
Hartzenberg. Auch er war ein treuer Mandarin des untergegangenen Regimes. Er
wird demnächst das Urteil fällen, ganz allein, es gibt keine neutralen
Geschworenen. Verhandelt wird in Afrikaans, der Sprache der Täter. Der kahle, düstere
Saal, das traditionelle Procedere, die Akteure - alles wirkt so, als wäre man
in die siebziger Jahre zurückversetzt. Hier, im Strafhof G.C. 0.64, richtet die
Apartheid über sich selbst. Die Kosten des Mammutverfahrens, Verteidigung
inklusive, trägt die neue, demokratische Regierung. Sie hat nicht einmal einen
Beobachter in den Prozess entsandt.
Wouter Basson
unterhält sich flüsternd mit seinem Hauptverteidiger. Gerade wird ein Belgier
zu diversen Immobiliengeschäften vernommen, ein mühseliges
Frage-und-Antwort-Spiel, das den Angeklagten sichtlich amüsiert. Was kann ihm
dieser halbseidene Geschäftsmann - er ist einer von 200 Zeugen - schon anhaben?
Wer könnte je sein Imperium durchschauen? Dieses Geflecht aus hundert
Niederlassungen und Scheinfirmen auf drei Kontinenten, bestehend aus Golfplätzen,
Jagdfarmen, Luxusvillen, Reisebüros, Bürohäusern und Pharmaunternehmen. In Brüssel,
Windsor und Basel, in Florida und in Transvaal, in den Ardennen und auf den
Kaimaninseln. Das globale Netzwerk des Dr. Basson diente der Verschleierung
eines kriminellen Großprojekts und der persönlichen Bereicherung. Man schätzt,
der Angeklagte habe umgerechnet rund 24 Millionen Mark auf seine Privatkonten
abgezweigt.
Die Hintermänner
hatten den Spezialagenten Basson mit einer Carte blanche ausgestattet. Er
konnte reisen, wohin er wollte, reden, mit wem er wollte, Geld ausgeben, so
viel und wofür er wollte. Einzige Dienstauflage: "Ich sollte darauf achten,
stets mehr zu nehmen als zu geben." Basson wechselte seine Identitäten wie
die Anzüge, benutzte vier Pässe, seinen südafrikanischen und drei weitere, die
er sich durch Scheinehen mit Frauen aus Bulgarien, Belgien und Russland
beschafft hatte. Gestern Banker, heute Internist, morgen Unternehmer, ein
globetrottender Verwandlungskünstler, der wie E.T.A. Hoffmanns Dottore
Dapperdutto an mehreren Orten gleichzeitig aufzutauchen schien.
Seine Reisen führten
in den Iran, nach Nordkorea, Syrien, Pakistan, auf die Philippinen. Libysche Wüstennester
gehören dazu, die Chefetagen amerikanischer Pharmakonzerne, deutsche
Chemielabors, irakische Giftgasfabriken, sowjetische Waffenschmieden,
medizinische Forschungsstationen irgendwo im Dschungel des Kongobeckens. Basson
pflegte Verbindungen zu britischen Agenten und Drogenbaronen aus Kolumbien und
auch zu Offizieren der Nato.
Seine
Recherchen begann Basson, heißt es, 1981 in Washington, an den Computern der
Library of Congress. Im Laufe der Jahre wurde ihm allerorten mit Informationen,
Technologie und Material geholfen. Zum Beispiel in Atlanta, beim Center for
Desease Control. Dort habe er achtmal eine Auswahl von Viren bestellt - und
problemlos erhalten. Wie Spielzeug aus einem Versandhaus. Basson brüstet sich,
sogar die Bio- und Chemiewaffenprogramme des Westens geknackt zu haben und ins
Innere der militärischen Forschungszitadellen von Fort Detrick, USA, und Porton
Down, England, vorgedrungen zu sein.
Dem Gericht
wird schwindlig, in hundert Masken, hundert Rollen jagt er es durch seine
Labyrinthe, und man fragt sich, ob er selber noch Schein und Sein, Fakten und
Fiktionen auseinander halten kann. Existiert Abdul Razak, der Topspion aus
Tripolis? Haben ihm die Chinesen Aufträge für Experimente mit Schimpansen
erteilt? Wenn Basson das Gefühl hat, dass Zweifel an seinen Darstellungen
aufkommen, schiebt er schnell real existierende Personen auf die Bühne,
dienstbare Kontaktleute wie Peter Regli, den abgesetzten Chef des Schweizer
Geheimdienstes. Bitte schön, in Bern läuft eine Untersuchung, um die
Connections des eidgenössischen Spionagechefs nach Südafrika zu durchleuchten ...
Verhandlungspause.
"Wenn Sie bei diesem Prozess nicht mehr durchblicken, dann geht es Ihnen
wie mir", sagt Wouter Basson auf dem Gerichtsflur. Er wirkt charmant,
gewitzt, schlagfertig. Sein Händedruck ist sanft, wie der eines Arztes, dem man
Vertrauen schenken will. Ein feiner, ein sympathischer Mensch. Dies sagt auch
die Studentin, die ihn in Mickey's Steakhouse bediente, und die
Krankenschwester, die ihm assistierte. Auch der Kommissar, der ihn vernahm,
redet so. Man stellt sich vor, wie Basson Herzkatheter legt. Oder wie er seinem
zehnjährigen Sohn beim Cricket zuschaut. Es fällt schwer, diesen Zeitgenossen
mit den ungeheuren Anschuldigungen in Verbindung zu bringen, die gegen ihn
erhoben werden.
Vielleicht wäre
ein ganz Großer aus Wouter Basson geworden, wenn sein Vater, ein
Polizeibrigadier, nicht 1967 aus dem freisinnigen Kapstadt nach Pretoria
versetzt worden wäre, in die Hauptstadt der Apartheid. Vielleicht wären die Träume
des schmächtigen Jungen wahr geworden, der vom Blaubergstrand über die
Tafelbucht hinüber nach Kapstadt sah, zu den alabasterweißen Hochhäusern, zur
Universität, zum berühmten Groote Schuur Hospital. Er, der Hochbegabte unter
den Mittelmäßigen, die in der Arbeitervorstadt Milnerton die Schulbank drückten,
wollte diese Welt erobern. Wollte Gynäkologe werden. Oder eine Koryphäe wie
Christiaan Barnard, der Herzverpflanzer. Oder ein mächtiger Politiker.
"Ich könnte heute Gesundheitsminister sein, wenn es anders gelaufen wäre",
meint Basson.
Er studierte
Medizin in der Wagenburg Pretoria, erwarb Zusatzdiplome in Physiologie und
Chemie und machte Karriere beim Militär. Das markanteste Zeichen, das der tagträumende
Junge in seinem Geburtsort Kapstadt setzen sollte, ist die Wandinschrift in
einem Café. "Die Wahrheit über alles", steht da zu lesen. Gezeichnet:
"Dr. Death" - Doktor Tod.
Käfige
hinter Stacheldraht
Staubige Straßen,
dürres, karges Hochfeld, von Buschfeuern geschwärzte Erde. Das nördliche
Hinterland von Pretoria, dreißig Autominuten vom Gericht entfernt, ist eine
Gegend, in der die Farmer misstrauisch schweigen und Schwarze zur Seite treten,
wenn ein Weißer des Weges kommt. Dr. Basson und sein Labor? Kennt keiner. Es
gibt nur das Navorsingsinstituut vir Plantbeskerming, das Institut für
Pflanzenschutz, unten am Stausee. Der Wachmann am Haupttor dort ist irritiert.
Ja, sagt er, dies sei der gesuchte Ort, aber es gäbe nichts mehr zu sehen.
Hinter
Stacheldraht und Schirmakazien sind einfache Klinkerbauten mit blauen Blechdächern
und Regentraufen zu erkennen. Irgendwo darunter müssen sich die Eiweißzentrifugen
befunden haben, die Schlangenkühler und Primatenkäfige, der provisorische OP,
die 40 Quadratmeter große Isolationskammer, die Sektionen für Mikrobiologie,
Toxikologie, Biochemie, Molekularbiologie: die unterirdischen Roodeplaat
Research Laboratories. Hier begann im Jahre 1982 unter strengster Geheimhaltung
das Project Coast. Die Operation war so geheim, dass viele der 110 Mitarbeiter
gar nicht wussten, woran sie da mitwirkten.
Dr. Daan
Goosen wusste es. Goosen ist Veterinärmediziner, ein wohlbeleibter, leutseliger
Mann mit Schnauzbart und hellen Augen, der genau so aussieht, wie man sich
einen Tierarzt im Busch vorstellt. Wir treffen ihn im Einkaufszentrum von
Centurion, der umgetauften Vorstadt Pretorias, die früher einmal Verwoerdburg
hieß zu Ehren von Hendrik Verwoerd, dem Architekten der Apartheid. Fünf Jahre
lang, von 1983 bis 1988, war Goosen Manager von Roodeplaat. "Schon bald
hatten wir alles, was wir brauchten, insgesamt 600 Mikroorganismen." Er zählt
wahllos einige Killerkeime und Giftstoffe auf, Krankheiten, die sich erzeugen
ließen: Pest, Gelbfieber, Cholera, Pocken, Hepatitis A, Botulinum, Tularämie,
Staphylococcus-Enterotoxin, E. coli, Ebola, Marburg, Rift Valley, HI-Viren,
Ricin, Nekrotisierende Fasciitis, Organophosphate, hoch konzentrierte Gifte von
Mambas und Skorpionen, dazu Nervengase, Sarin, VX und so weiter. "Und natürlich
Milzbrand. Wir hatten einen der potentesten Stränge der Welt." Fachleute
vermuten, dass es sich dabei um Erreger des Ames-Stranges handelte, die in der
fraglichen Zeit aus Fort Detrick in Maryland gestohlen wurden - jenen
Hochsicherheitslabors der U. S. Army, zu denen sich Basson Zugang verschafft
haben will.
Goosen nimmt
ein Zuckertütchen aus dem Kaffeegedeck. "Es ist einfach, das mit
Salmonellen zu infizieren, Kinderkram." Das Forscherteam habe vielerlei
"toxische Spezialitäten" fabriziert. Schokoriegel, Zigarettenfilter
und Klebeflächen von Briefcouverts, die mit Anthraxsporen bestäubt wurden;
Thallium, verborgen unter Kronkorken; Paratyphusbazillen in Deodorants und
Zyanid in Lippenstiften; Regenschirme, Schraubenzieher und Spazierstöcke mit tödlichen
Substanzen. Die speziell für Nelson Mandela entwickelten Karzinogene sollten in
seine Gefängniskost gemixt werden. Nebenbei erprobte man neue Techniken der
psychologischen Kriegsführung. An einen Baum im Garten des Erzbischofs Desmond
Tutu wurde der Fötus eines Pavians drapiert; er sei aus Roodeplaat geliefert
worden, behauptet der Geheimpolizist, der die Aktion ausführte.
"Wir
waren im Krieg, seinerzeit", erklärt Goosen und steckt das Zuckertütchen
zurück ins Tischset. "We had to take these guys out" -
"Wir mussten diese Kerle auslöschen." Kerle wie den prominenten
Kirchenmann Frank Chikane. "Als alles vorbei war, sagte ich zu ihm:
,Frank, du hast Schwein gehabt. Eigentlich solltest du längst tot sein.' Wir
lachten." Chikane überlebte vier Attentate; bei einem Anschlag war seine
Unterwäsche mit einem Hautkontaktgift durchtränkt worden.
Und was ist
mit den so genannten rassespezifischen Erregern? "Man erklärte uns",
sagt Goosen, "dass die hohe Geburtenrate der Kaffern die Ressourcen
unseres Landes aufzehre. Doc Wouter beauftragte mich, ein Bakterium zu
entwickeln, das schwarze Frauen unfruchtbar macht. Das ist durchaus möglich, in
Amerika war damals zum Beispiel ein Serum zur Sterilisierung von Katzen im
Handel." Es habe auch sehr konkrete Überlegungen gegeben, die Mikroben über
das getrennte Trinkwassersystem der Townships und in Grundnahrungsmittel der
schwarzen Bevölkerung zu applizieren. Einmal wurde erörtert, eine Seuche am
Eastern Cape auszulösen, einer Hochburg des Widerstands. Jedenfalls will das
Mitglied einer Todesschwadron gehört haben, wie Dr. Basson anregte, die Aufständischen
zu erledigen - mittels einer Cholera-Epidemie. Außerdem gab es Gedankenspiele
zu einer Art "ethnischen Bombe", wie es Goosen ausdrückt. "1983
war uns aus London ein Bakterium angeboten worden, das nur Menschen mit
spezifischen Hautpigmenten befallen würde. Es stammte angeblich aus einem
deutschen Labor." Von Krankheitserregern als ethnischen Waffen waren die Forscher
der Apartheid offenbar besonders fasziniert. 1996 musste sich hier, ebenfalls
vor der Strafkammer G.C. 0.64, bereits Eugene de Kock verantworten, ein
bekennender und zu lebenslanger Haft verurteilter Serienmörder im Solde der
Polizei. Er berichtete von Experimenten mit einer Mixtur, die weiße Agenten in
Schwarze verwandeln sollte, um inkognito ANC-Zellen zu infiltrieren. Oder
umgekehrt. "Warum wird nicht eine Pille erfunden, die Schwarze weiß
macht?", fragte de Kock. "Dann wären wir die ganze Scheiße in unserem
Land los."
Experten
halten die Forscher von Roodeplaat für infantile Alchemisten mit eher
unbedeutenden Erkenntnissen. Auch Basson sei kein herausragender
Wissenschaftler gewesen, sondern ein gemeiner Krimineller, sagt Daan Goosen.
"Manchmal schäme ich mich. Der ganze Wahnsinn, die grausamen Tierversuche ..."
Und die Menschen? "Ja, natürlich. Es war schrecklich und unmoralisch, was
wir taten."
Eine kurze
Teepause lang war der Gerichtssaal verwaist und der Sicherheitsbeamte offenbar
wieder einmal eingenickt. Als die Prozessbeteiligten zurückkehren, ist ein
Laptop der Verteidigung spurlos verschwunden. Prozessprotokolle, Randnotizen,
entlastende Dokumente - alles weg. Die Advokaten sind perplex. Nur ihr Mandant
reagiert sofort. Wouter Basson alarmiert den Wachdienst, hastet durch die Gänge,
durchsucht die Toiletten. Vergeblich. Der Laptop ist nicht zu finden. "Der
dritte seit Prozessbeginn", bilanziert der Verteidiger - als seien solche
Diebstähle ganz normal.
Aber was heißt
schon normal in einem Prozess, der die Hintergründe eines potenziellen
Massenmordes erhellen will? Bei dem Armeegeneralen Beweismittel zugespielt
werden, ehe die Staatsanwälte sie erhalten? Der mehrfach wegen Bombendrohungen
unterbrochen werden musste? Der ein Lehrstück inszenieren wollte und zur großen
Schaubühne des Angeklagten wurde?
Experimente
am lebenden Objekt
Wouter Basson überfliegt
die Pretoria News. Das macht er jeden Tag, und in fast jeder Ausgabe
findet er einen Artikel über Wouter Basson. "Was muss das für ein schlechter
Mensch sein", sagt er und blättert weiter zum Sportteil. Er liest die
Geschichten über sich, als würde dort ein ganz anderer beschrieben, ein Unhold,
ein Erzbösewicht, ein Monstrum, das zufällig so heißt wie er.
Szenenwechsel:
Tygerberg bei Kapstadt, ein kleiner verlotterter Privatzoo, den Basson einst
angemietet hatte. Ein junger Tiger springt in den Felsenpool in der Mitte des
Geheges, um seinen wasserscheuen Verfolgern, zwei Löwen, zu entwischen. Rein
und raus, hin und her, drei Raubkatzen, wie Pawlowsche Hunde auf ein
Verfolgungsritual konditioniert - man könnte fast glauben, hier sei eine
Versuchsanordnung des Project Coast stehen geblieben. Für seine mutmaßlichen
Auftraggeber aus Libyen, Russland und der DDR experimentierte Basson hier am
lebenden Objekt. Hier testete er nach eigenen Angaben die Wirkung von
Schwermetallen auf Geparden, ein Experiment in Zusammenarbeit mit der
benachbarten Universität Stellenbosch. Er habe auch Pheromone extrahiert, überwiegend
von Grysböcken. Den Zweck verschweigt Basson. Ein Mitarbeiter berichtet von Plänen,
Tierherden mit angsterzeugenden Pheromonen zu traktieren, um daraus Schlüsse
auf das Panikverhalten von Menschenmassen abzuleiten.
"Lauter
Dreck! Zeitungsdreck!", ereifert sich Lothar Neethling und droht sogleich:
"Wir kriegen dich, wenn du auch so ein Zeug schreibst!" Der
Polizeigeneral i. R. ist ein verbitterter Pensionär; er stolperte über ein
Mordkomplott, in das er verwickelt gewesen sein soll. Neethling hat auf dem Feld
chemischer Waffen eng mit Basson zusammengearbeitet. "Ein harmloses
Nervengas, ein bisschen schärfer als CS, sollte entwickelt werden, zugegeben.
Wir wollten, dass sich die Schwarzen in die Hosen scheißen und aufhören, zu
demonstrieren. Ha! Ha! Ha!" Dröhnendes Gelächter, neugierige Blicke aus
dem Halbdunkel einer Bierkneipe in Pretoria. "Aber Wouter hat nichts
Unrechtes getan. Warum wohl haben ihn die Kaffern weiterbeschäftigt?"
Neethling erinnert daran, dass Basson von Frederik de Klerk, dem letzten weißen
Präsidenten, Weihnachten 1992, also kurz vor dem Machtwechsel, vom Militärdienst
suspendiert worden war, aber von Nelson Mandela, dem ersten schwarzen Präsidenten,
1995 wieder eingestellt wurde. Es heißt, die CIA und der britische Geheimdienst
MI6 hätten Mandela dazu gedrängt. Mutmaßliche Begründung: Dieser Geheimnisträger
mit besten Verbindungen sowohl zu Giftküchen von Schurkenstaaten als auch zu
Forschungszentren des Westens müsse irgendwie weiterbeschäftigt und auf diese
Weise neutralisiert werden.
Beim dritten
Glas Whiskey erzählt Neethling von gemeinsamen Recherchen in Europa, "wo
ich Wouter manche Tür geöffnet habe". Es fällt der Name einer Schweizer
Firma: Huber & Suhner aus Pfäffikon, der Hersteller von Gasmasken für die
eidgenössische Armee. Personen werden genannt: Nikolaus Schleiffer, Beschaffer
von ABC-Schutzkleidung; Dr. David Chu, Pharmakologe, Mitglied der
Falun-Gong-Sekte, intimer Kenner der Basler Chemiebranche; Jürg Jacomet, Spion
und Kontaktstifter aus Zürich. Sie knüpften alle am Nebennetzwerk, das Basson
in der Schweiz auswarf, um Know-how und Rohstoffe für sein Projekt zu
beschaffen und eigene Produkte aus Roodeplaat zu vermarkten. Oder sie halfen,
andernorts Fuß zu fassen. "Jacomet hat uns nach Russland geführt",
verrät Neethling. Aber, keine falschen Schlüsse! Das seien alles ganz normale
Dienstreisen gewesen, bei denen Basson stets absolut seriös aufgetreten sei.
Anruf des
Chefanklägers Anton Ackermann, Juli 2001. "Kennen Sie einen Blucher oder
Blücher? Nie gehört? Er soll Chef der deutschen Biowaffen-Mafia sein, behauptet
Basson. Können Sie darüber irgendetwas in Ihren Archiven herausfinden? Am
Montag nehme ich Basson ins Kreuzverhör." Der Staatsanwalt bittet die
Presse um Amtshilfe. Warum tut er das? Um den Berichterstatter vom oftmals
bezweifelten Aufklärungswillen der Anklage zu überzeugen?
Ein
Killeragent als Zeuge
Im Gericht ist
die Atmosphäre noch familiärer geworden. Die Verhandlung wurde nach 8.D
verlegt, in einen kleinen, fensterlosen Saal im achten Stock. Man braucht den
Strafhof G.C. 0.64 für andere Prozesse; zu Basson kommt niemand mehr, kaum
Journalisten, keine Zuschauer, nicht mal Freunde. Das Neonlicht, die dunklen
Lattenrostwände, die zur Stirnseite abfallende gipsgraue Plastikgussdecke
verleihen dem Raum die Aura eines Bunkers. Diesmal geht es um einen
Mandrax-Deal in Kroatien, um gefälschte Vatikanbonds und um 1040
Ecstasy-Kapseln, die bei seiner Festnahme im Januar 1997 konfisziert wurden.
Der
Beschuldigte lächelt sardonisch vom Zeugenstand auf die Staatsanwälte herunter,
die ihn aus einem Wald von Akten heraus attackieren. "Nee"
wird sein meistgebrauchtes Wort in den nächsten Tagen sein, "nein"
auf Afrikaans. Er soll Mordaufträge erteilt haben? Soll, wie ein Hauptmann der
Armee gesehen haben will, selber Giftspritzen verabreicht haben? Soll
Killerkommandos mit tödlichen Cocktails versorgt haben, wie Johan Theron
aussagt, ein Agent, der, nach eigenem Eingeständnis, mindestens 200 Gefangene
der namibischen Befreiungsbewegung Swapo umgebracht hat? Die Leichen der Opfer
seien in Kleinflugzeuge verladen und aus 4000 Meter Höhe in den Atlantik
geworfen worden. Nein und nochmals nein! Mit derlei Gräueltaten hat ein Dr.
Basson nichts zu tun. Er habe gelegentlich Beruhigungsmittel ausgeteilt,
entgegnet er, Valium zum Beispiel, mehr nicht.
Mitunter aber
gibt Basson Händel preis, die nicht in dieses Unschuldsgemälde passen wollen.
So erzählt er einmal stolz, wie er in der Sowjetunion Wachstumshormone erworben
habe, 250 Gramm, extrahiert aus "etwa 30 000 toten Menschenkörpern".
Gezielte Ungereimtheiten, fein dosierte Widersprüche, irreführende Andeutungen
gehören zu seinem Versteckspiel. Die Advokaten folgen ihm dabei - so wie sie
ihm nachgerannt sind, als er nach dem Laptop fahndete. Auch sie verirren sich
immer wieder in den Hinterzimmern und Geheimgängen seines Lügengebäudes.
Um keine
Antwort, keine Ausflucht ist Basson im Kreuzverhör verlegen, er passt seinen
Gesichtsausdruck der jeweiligen Frage an. Wechselt vom Unschuldsblick zur
Angriffsmiene. Mimt den arroganten Wissenschaftler, den harten Elitesoldaten,
den feinsinnigen Herzchirurgen. Wenn er seine Nase hoch schiebt und die
Augenbrauen wölbt, blitzt etwas Komödiantisches aus seinen Zügen. Seine
Meisterrolle aber ist die des loyalen Staatsdieners, der seine Aussagen durch
Reinlichkeitsgebärden untermalt: Er klopft auf seine Manschettenknöpfe, als
wolle er sie vom Staub befreien. Oder er führt das Wasserglas so rituell zum
Mund wie ein Priester den Messkelch.
Dieser rätselhafte
Mann wurde oft als "Mengele vom Kap" bezeichnet. Er wurde zu einer
Projektionsfigur, die alle Perversionen der Apartheid verkörpert. Doch die
Taten des weißen Regimes mit denen der Naziverbrecher auf eine Stufe zu
stellen, das wies Expräsident de Klerk vor Jahren schon gegenüber der ZEIT
zornig zurück: "Vergessen Sie nicht, wir haben keinen Völkermord
verschuldet und nicht Millionen umgebracht." Aber wie viele Opfer waren es
dann?
Niemand kennt
die Zahl der Toten; sie geht vermutlich in die Tausende und Abertausende.
"Wir haben uns immer gewundert, wenn ein kerngesunder Genosse von 35
Jahren aus unerfindlichen Gründen an Herzversagen starb", sagt Indres
Naidoo. Der ANC-Aktivist schaut von seinem Balkon im Kapstädter Viertel
Vredehoek auf die Tafelbucht hinunter. Im Abenddunst ist die Kerkerinsel Robben
Island zu erkennen, auf der er zehn Jahre lang eingesperrt war. Vor drei Jahren
meldete sich ein Unbekannter, der ihn einst töten sollte. "Er erzählte vom
brillanten Doktor Basson und von den Mordinstrumenten, die seine Leute
bastelten." Bierdosen zum Beispiel, deren Blechlaschen mit Gift präpariert
wurden - ein tödlicher Trank für einige von Naidoos Mitstreitern. Er selber hat
überlebt, aber Fragen quälen ihn bis heute: "Wer und wie viele wurden mit
diesen Methoden umgebracht? Und wer sollte noch sterben? Wir werden es nie
erfahren." Naidoo glaubt nicht, dass der Basson-Prozess viel Licht ins
Dunkel bringt. Das Gros der Beweismittel wurde vernichtet, die Auftraggeber
waschen ihre Hände in Unschuld, die Mörder beschuldigen sich gegenseitig.
Auf dem Hügel
gegenüber dem Vortrekker-Monument, dem nationalen Heiligtum der burischen
Siedler, erhebt sich der graue Komplex des One Military Hospital. Davor eine
Bronzestatue: ein verwundeter Soldat, gestützt von einem Feldscher.
"Curamus" steht darunter. Wir heilen. Dies ist die letzte Wirkungsstätte
des Herzspezialisten Dr. Basson. "Er fehlt uns sehr", klagt die
Oberschwester in der Kardiologie. "Er ist ein brillanter Mediziner. Unsere
Patienten haben ihn angebetet." Dr. Jekyll wird vermisst. Von einem Mr.
Hyde, der den hippokratischen Eid gebrochen hat, will man hier nichts wissen.
Basson
praktizierte bis 1993 im One Military Hospital. Er war zugleich Kommandeur des
Seventh Medical Battalion, das die insgeheim in Angola, Namibia und Mosambik kämpfende
Truppe sowie verbündete Rebellen versorgte. Basson kehrte noch einmal in die
Kardiologie zurück, ehe er endgültig gefeuert wurde. Im Juli 2001 verlor er
seine Approbation als Arzt. Im Jahr zuvor assistierte er noch bei der
Bypassoperation, der sich ein gewisser Niels Knobel unterziehen musste. Knobel
war als Oberster Stabsarzt der Streitkräfte Bassons unmittelbarer Vorgesetzter;
er sollte kurz nach der Eingriff nicht zugunsten seines Kriegskameraden
aussagen.
Basson
erwartet nichts von seinen Auftraggebern. Er nennt sie zwar Feiglinge oder Hühnerschädel,
aber namhaft gemacht und belastet hat er bislang keinen einzigen. Er bleibt
rabentreu, weil er sich seinerseits auf das Stillschweigen der weißen Militärs
verlassen kann. Seine Umtriebe wurden gedeckt von höchsten Regierungsleuten bis
hinauf zum damaligen Präsidenten Pieter Botha, dessen Leibarzt Basson war. Aber
was er im Einzelnen alles tat, wissen sie nicht. Die Mehrzweckwaffe ist ihren
Erfindern irgendwann entglitten.
"Ein Ring
aus Stahl umgibt diese Person", berichtet Wendy Orr, ein Mitglied der
Wahrheitskommission, die die Verbrechen der Apartheid außergerichtlich aufklärt.
Auf massiven Druck der schwarzen Regierung und der weißen Militärs durfte die
Anhörung Bassons nur in camera stattfinden; den Kommissaren wurde
untersagt, ausländische Verwicklungen genauer zu ergründen. "Es lag auf
der Hand, dass die CIA und der britische Geheimdienst MI6 involviert waren, und
es gab Verbindungen zu Westdeutschland, Israel, Taiwan ... Man wollte die
Beziehungen zu diesen Staaten nicht belasten."
Basson trat im
Juli 1997 vor die Kommission, verkleidet als "neuer Südafrikaner", in
einem jener bunten Ethnohemden, wie sie auch Mandela gerne trägt. "Er war
aufgeräumt und kooperativ, seine Aussagen wirkten plausibel", erinnert
sich Wendy Orr. Der Vorgeladene hatte wenig zu befürchten. Belastende Akten
waren auf Druck Washingtons und Londons schon vor der Wende im Jahre 1994 vernichtet
worden - um zu verhindern, dass sie Mandela und der ANC-Regierung in die Hände
fallen, wie Basson zu Protokoll gab. Die restlichen Geheimdokumente wurden auf
CD-ROMs gespeichert. Der Experte, der die Datenkonversion überwachte, hieß
Wouter Basson.
Aber da waren
noch die vier blauen Stahltruhen, die Basson bei seinem Bankmanager
untergestellt und offenbar vergessen hatte. Sie enthielten Fachliteratur über
Sarin, Soman, Tabun und VX, die vier gefährlichsten Nervengase, sowie jede
Menge Material über das Project Coast. Er habe die Truhen nie gesehen,
insistierte Basson. Wie aber private Fotos und Unterlagen dort hineingerieten,
konnte er nicht erklären.
Kein
Gedanke an ein Geständnis
Zwölf Stunden
dauerte die nichtöffentliche Vernehmung vor der Wahrheitskommission. "Es
entstand das Bild einer nepotistischen, sich selbst bereichernden Gruppe von
Leuten", heißt es im Abschlussbericht. Der Zweck ihres Projekts sei
gewesen, "Individuen zu ermorden und ganze Bevölkerungsgruppen
gesundheitlich zu schädigen, ja auszurotten." Basson hätte womöglich
seinen Kopf aus der Schlinge ziehen können, wenn er vor der Kommission ein
volles Geständnis abgelegt und Antrag auf Amnestie gestellt hätte. Doch er hält
sich nicht nur für unschuldig, sondern auch für unantastbar.
Man kann sich
vorstellen, dass es Leute gibt, die wenig Interesse daran haben, die wahre
Geschichte des Project Coast öffentlich zu machen. Und es mehren sich die
Zweifel, ob der Richter die Wahrheit überhaupt herausfinden will. Willie
Hartzenberg ließ bereits 15 Anklagepunkte fallen; einen Antrag, wegen
Befangenheit ausgetauscht zu werden, wehrte er erfolgreich ab. Wie die
Karikatur eines Richters sitzt er auf seinem Sessel, man sieht nur den Kopf mit
der schweren braunen Hornbrille, die Schulterpartie, die belehrende Hand, steif
und hölzern. Wochen, Monate, Jahre hat er den Angeklagten beobachtet, und
manche seiner Anmerkungen deuten darauf hin, dass er ihm allzu viel Verständnis
entgegenbringt. Hat Basson nicht an vorderster Front für die gleichen Ziele gekämpft?
Für die Bewahrung einer Enklave der europäischen Zivilisation im barbarischen
Afrika?
Die
Verteidiger zeigen ihre Verachtung für dieses Gerichtsverfahren ganz
unverhohlen - und ebenso für den neuen Staat, der sie bezahlt. Die Staatsanwälte
scheinen in der opaken Welt des Doktor Basson ohnehin die Orientierung verloren
zu haben; allein das Protokoll seiner Vernehmung umfasst 6000 Seiten. Hinter
dem Chefankläger Ackermann liegen Aktenordner in wildem Durcheinander. Er stöhnt:
"Ich kann Ihnen sagen, dieser Prozess ist eine langweilige Hölle."
"Lügen! Lügen!
Lügen!", fährt Marlene Burger hoch. Das Centre for Conflict Resolutions,
ein unabhängiges Institut der Universität Kapstadt, hat sie als
Prozessbeobachterin nach Pretoria entsandt. "Ich bin völlig erschöpft. Man
muss aufpassen, dass man hier nicht selber wahnsinnig wird." Wer ist
dieser Wouter Basson? Die Frage hat sie sich tausendmal gestellt, aber sie fand
keine Antwort. Ist er ein politischer Fanatiker? Auf keinen Fall. Haben ihn,
wie die Mehrzahl der weißen Täter, rassistische Obsessionen getrieben, der
lodernde Hass gegen die Schwarzen? Es deutet wenig darauf hin. Ist er ein vom
Allmachtswahn besessener Mephistopheles? Auch das ist möglich. Aber es erklärt
nicht seinen Hang zur Grausamkeit. "Basson ist ein gefährlicher
Psychopath", befindet Marlene Burger. "Ich zweifle daran", fährt
sie fort, "ob uns dieser Prozess der Wahrheit näher gebracht hat."
Im
März wird voraussichtlich das Urteil gesprochen, aber niemand wagt eine
Prognose. Immerhin hat der Prozess veranschaulicht, zu welchen Perversionen das
weiße Regime fähig war und wie leicht es die internationalen Sanktionen
unterlaufen konnte. Und in Wouter Basson spiegelt sich die Perfidie der
Apartheid, des verstaatlichten Rassenwahns. Er wird stellvertretend für dieses
System bestraft werden. Seine Vorgesetzten aber erfreuen sich fetter Pensionen
und dürfen einem ruhigen Lebensabend entgegensehen.
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