Solidarität mit Michal Patera!
Michal Patera drohen 25 Jahre Haft!
Am 27. November 1998 wurden zwei tschechische Anarcho-Syndikalisten von einer Gruppe von Neonazis mit klarer Tötungsabsicht angegriffen.
Nachdem Michal Patera daraufhin einen Nazi mit drei Schüssen in Notwehr
niederstreckte, drohen ihm jetzt 25 Jahre Haft wegen "ideologisch
motivierten versuchten Mordes". Gegen die angreifenden braunen Killer wird nicht ermittelt.
Die Genossen brauchen unsere Unterstützung.
Dem Aktivist der FSA-IAA Michal Patera drohen 25 Jahre Haft! Am Freitag,
dem 27. November 1998 wurde er und ein anderes Mitglied der Föderation der Sozialen AnarchistInnen (FSA-IAA) im Prager Klub "Camp-ton" von mindestens fünf tschechischen Neonazis tätlich angegriffen. Den FSA-Genossen waren die Angreifer als überzeugte Faschisten bekannt.
Die meisten von ihnen gehören dem harten Kern der Prager Neonaziszene und betreiben u. a. asiatische Kampfsportarten. Die Genossen der FSA-IAA
wurden in der Kneipe von der Gruppe Neonazis überrascht, die von einem
Sympathisanten informiert worden waren, daß sich Michal dort aufhielt.
Schüsse in Notwehr
In der anschliessenden Schlägerei wurde der Genosse S. V. bald bewusstlos geschlagen, so daß Michal Patera dem konzertierten Angriff
der fünf Neonazis allein gegenüberstand. Nachdem er ein paar schwere
Schläge einstecken musste, durch die er verletzt wurde und anschliessend
einen Schock erlitt, wurde ihm klar, dass ihm die Nazis diesmal den Garaus
machen wollten. Einen Fluchtweg gab es nicht. Verzweifelt griff er nach
seiner automatischen Pistole, für die er ganz legal einen Waffenschein
besitzt. Den aggressivsten Faschist traf er dreimal, die anderen zogen sich
kurzzeitig zurück. So hatte Michal die Chanche zu entkommen, aber bald
darauf
wurde er von der Polizei verhaftet, die vom Wirt alarmiert wurde.
Sechs Monate früher war Michal zusammen mit einigen Genossinnen und
Genossen schon einmal von der gleichen Neonazi-Kapmfgruppe angenriffen
worden. Damals gelang es ihnen, den Faschisten zu entkommen.
Michal Patera wird verhaftet - gegen die Angreifer wird nicht ermittelt
Nach kurzer polizeilicher Überprüfung und Rücksprache mit der
"Spezialabteilung zur Bekämpfung des politischen Extremismus" wurde Michal
des "ideologisch motivierten versuchten Mordes"(§ 8/1 - § 219 des
Strafgesetzbuchs) angeklagt. Am nächsten Morgen wurde vom Bezirksrichter
zur Untersuchungshaft bis zum Prozessbeginn verhängt. Im Durchschnitt sitzt
ein Angeklagter ein Jahr lang in solchem Gewahrsam. Die Polizei stufte den
Fall klar als "ideologisch motivierten" versuchten Mord ein, begangen durch einen bekannten "Linksextremisten" gegen eine Gruppe unschuldiger unauffälliger "junger Maenner". Michal droht deshalb eine Haftstrafe von 25 Jahren in einem der härtesten Gefängnisse. Keiner der neonazistischen Angreifer wird auch nur wegen des geringsten Deliktes angeklagt.
Neo-Nazis in der Tschechischen Republik
Um die Stärke der tschechischen neonazistischen Bewegung zu begreifen, ist es wissenswert, dass sie am Tag des Angriffs eine Kundgebung und ein "Festival der weissen Musik bei Plzen durchführten.
Mehr als zehn neonazistische Musikgruppen traten auf, 300 FaschistInnen
besuchten das Konzert. Einheiten der Bereitschaftspolizei griffen nicht ein,
obwohl antisemitische und faschistische Losungen in aller Öffentlichkeit
skandiert wurden und von FaschistInnen der Hitlergruss gezeigt wurde, was
unter dem tschechischen Strafrecht streng geahndet wird.
Im September 1998 nahm zum ersten Mal seit den 30er Jahren eine
faschistische Organisation an Gemeindewahlen teil. Die Kandidaten der "Patriotischen Front" erhielten ueber 1% der Stimmen, dass entspricht etwa 50.000 Waehlerstimmen.
Nach Informationen der Polizei gibt es in der Tschechischen Republik ueber
30.000 organisierte Neonazis und AktivistInnen, davon allein 3000 in Prag.
Die Prager Ortsgruppe der FSA-IAA dagegen hat ganze zehn Mitglieder.
Nach offiziellen Angaben des Innenministeriums sind ueber ein Drittel der
PolizistInnen Mitglieder oder aktive SympathisantInnen neofaschistischer,
rassistischer oder extrem nationalistischer Organisationen. Die Sympathie
und Zusammenarbeit zahlreicher Polizeibeamter mit Neonazis, die in manchen
Fällen bis hin zu direkter Mittaeterschaft reicht,ist eine bekannte Tatsache.
Michal Patera ist einer der aktivsten und engagiertesten
klassenkaempferischen AnarchistInnen in Tschechien, er ist auch aktiver revolutionärer Antifaschist.
Mehrmals hat er sich bei direkten Aktionen gegen Neonazis und zum Schutz von
AnarchistInnen in Gefahr begeben. Er ist Herausgeber der FSA-Zeitung "Hlas
prime akce" ("Die Stimme der direkten Aktion") und beteiligt sich aktiv an
der internationalen Zusammenarbeit, vor allem mit den oestlichen Laendern.
Solidaritaet und Unterstuetzung werden dringend benoetigt!
Die finanziellen Moeglichkeiten der tschechisch-slowakischen anarchistischen
Bewegung sind nach der Kampagne zur Unterstuetzung von Vaclav Jez
erschöpft.
Vaclav Jez ist ein aktiver revolutionaerer Anarchist, der nach einem fast
identischen Vorfall seit Juli 1997 in Haft sitzt. Die Initiatoren der
Kampagne konnten über 70.000 CZK (tschechische Kronen) sammeln, das sind umgerechnet ca. 2300 US-Dollar), aber die Kosten für Vaclavs Verteidigung belaufen sich auf insgesamt über 130.000 CZK (4300 Dollar). Das sind fast 20
durchschnittliche Monatslöhne, die hier im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten sowieso lächerlich sind und in der Regel keinen ausreichenden und anständigen Lebensstandard ermoeglichen. Wir koennen diese Summe in einer so kurzen Zeit unmöglich zusammentragen.
Es ist unbedingt notwendig, dass Michal Patera einen guten Verteidiger
bekommt, da die polizeiliche und kapitalistische (Un-)Gerechtigkeit klar
voreingenommen ist. Die Kosten werden ungefähr so hoch wie im Fall Vaclav Jez sein. Das Schema ist in beiden Fällen das gleiche, eine neonazistische
Kampfgruppe greift einen bekannten anarchistischen Antifaschisten mit Tötungsabsicht an. Der Genosse kann sich nur durch Einsatz einer Feuerwaffe retten. Anschliessend wird er inhaftiert. Durch haarsträubende Verdrehung der Tatsachen wird ihm dann ein Verfahren angehängt.
Wir bitten alle revolutionären AntifaschistInnen und AnarchistInnen in der ganzen Welt, dem inhaftierten Genossen zu helfen.
Wir, tschechisch-slowakische klassenkämpferische AnarchistInnen und
revolutionäre AntifaschistInnen werden durch die wachsende und äusserst aggressive neonazistische Bewegung bei uns ständig bedrängt. Direkte Zusammenarbeit zwischen PolizistInnen und Neonazis, bis hin zu Mittäterschaft ist keine Ausnahme. Wir befinden uns in einer verzweifelten Lage und werden ohne wirkungsvolle internationale Solidarität mit der Situation nicht klarkommen.
Die Kampagne zur Verteidigung von Michal Patera wird von der Prager
Ortsgruppe der FSA-IAA koordiniert.
Was könnt ihr tun?
- Schreibt solidarische Briefe an Michal;
- schreibt Protestbriefe an die nächste Tschechische Botschaft (in
Österreich:
Penzinger Strasse 11-13, 1140 Wien, Tel.: 01/894 37 41, Fax: 01/894 12 00).
Fordert die Freilassung aus der U-Haft von Michal Patera (geb. 1976),
inhaftiert
am 27. November 98 in Prag, sowie die Rücknahme der Anklage unter §8/1 bis
§ 219 des Strafgesetzbuchs, da er wegen seiner antifaschistischen und
anarchistischen Überzeugung brutal angegriffen und seiner Pistole nur in
einem Akt der Selbstverteidigung eingesetzt hat;
- organisiert Protestkundgebungen;
- organisiert Soli-Konzerte und Geldsammlungen um Mittel für die Kampagne
zur Verteidigung von Michal Patera aufzubringen (Spendenkonto in
Österreich:
620 206 102, Bank Austria, BLZ 20151, lt. auf Revolutionsbräuhof, bitte
Verwendungszweck angeben);
- verteilt diese Information weltweit!
Michals Addresse im Polizeigewahrsam lautet:
Michal Patera (1976), PO BOX 5, CZ-14057 Praha 4, Tschechische
Republik
Prager Adressen und Kantaktinformationen der FSA-IAA:
FSA-Praha, PO BOX 5, CZ-15006 Praha 56, Tschechische Republik
Da die Post der FSA von der Polizei des öfteren kontrolliert und beschlagnahmt wird, ist es ratsam, auch die nachfolgend angegebenen E-Mail-Adressen und Telefonnummern zu nutzen.
Tel. (+0042-2) 900 06 917 (Sekretär für Internationales
der FSA-IAA)
Tel. (+0042-602) 22 47 47 (Hotline)
Tel. (+0042-602) 82 83 61 (alternative Hotline)
E-Mail-Addresse der Kampagne zur Verteidigung von Michal Patera:
som20uj@axpsu.fp.slu.cz
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