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[Quelle: Freie Presse Online 4.10.99]
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HOHENSTEIN-ERNSTTHAL: Spur führt in Skinheadszene
Polizei und BGS riegelte die Stadt ab.
(HÜB/fis). Nach dem Tod eines 17-Jährigen in Oberlungwitz hat die Chemnitzer Mordkommission wegen Verdachts auf Totschlag die Ermittlungen aufgenommen, aber noch keine Täter gefasst. Der Jugendliche aus der Punker-Szene hatte in der Nacht von Freitag auf Sonnabend an einem Festival in Hohenstein-Ernstthal teilgenommen. Am Sonnabend früh wurde er am Ortsausgang von Oberlungwitz mit schweren Kopfverletzungen gefunden. Wenige Stunden später erlag er seinen Verletzungen.
Eine Spur führt in die Skinhead-Szene. Denn in der besagten Nacht war Skinheads gekommen. Anschließend hatten die Punker Autos demoliert, Wohnungsfenster eingeschlagen und versucht, eine Discothek zu stürmen.
Die Massenschlägerei in der Freitagnacht hat offenbar noch nicht ihr endgültiges Ende gefunden. Nach Polizeiangaben haben 150 offenbar Linksextreme in der Stadt Schmierereien hinterlassen. Ein Großaufgebot der Polizei löste die Gruppe, die nach Aussagen aus dem Jugendhaus "Off is" zur Antifa in Sachsen-Anhalt zu zählen ist, in den Nachtstunden auf.
Seit Montag Morgen ist eine Firma von der Stadt beauftragt, den Schaden, der an den Häusern entstanden ist, zu ermitteln.
"21 Gebäude wurden mit den Schriftzügen versehen", bilanziert man am Montag Morgen in der Stadtverwaltung. Zwar sei noch nicht klar, wer generell für den Schaden aufkommt, doch sollten die Hauseigentümer auf jeden Fall die Vorgänge anzeigen. Auch zivile Polizisten waren am Montag in der Stadt unterwegs und haben die Schmierereien dokumentiert. Auf welche Weise die Schäden beseitigt werden können, ist selbst für Fachleute aus der Malerbranche noch nicht vollkommen klar. So soll am Dienstag zumindest eine Oberlungwitzer Firma testweise versuchen, ob die Spuren an Rat- und Stadthaus mit Spezialmaterialien wirkungsvoll beseitigt werden können.
Auch im Jugendhaus gab es zunächst eine Bestandsaufnahme. "Konzerte an den Wochenenden wird es vorerst nicht geben", sagt Jugendhaus-Chefin Heidi Urban, macht aber gleichzeitig auf ein Problem aufmerksam. "Das Haus kann nur durch solche Konzerte (das Punk-Festival war das fünfte seiner Art) existieren." Die Einnahmen sicherten im Jahr etwa 15.000 Mark. Dringend nötige Eigenmittel, um die Zuschüsse aus der Stadt- und Landkreiskasse zu bekommen. Im Rathaus selbst hütete man sich am Montag vor voreiligen Schlüssen: "Wir werden mit den Betreibern erstmal reden", sagte Oberbürgermeister Erich Homilius.
Für die massive Gegenreaktion aus der linksextremen Szene gibt es aus dem hiesigen Jugendhaus einen ersten Erklärungsversuch: "Die Krawalle wurden durch einen Überfall der rechten Szene auf das Jugendhaus Freitagnacht ausgelöst. Hier gab es die ersten Verletzten schon 22 Uhr", sagte am Montag Jugendhaus-Chefin Heidi Urban der "Freien Presse" und wirft der Polizei vor "viel zu spät reagiert" zu haben. "Unsere Leute haben schon bei dem Überfall auf das Jugendhaus mehrfach in der Hohenstein-Ernstthaler Polizeidienststelle angerufen." Erst später seien die Punks zur Discothek "La belle" gezogen und hätten dort versucht, das Haus zu stürmen.
Kritik am nächtlichen Polizeieinsatz übt auch Uwe Adamzcy, PDS-Landtagsabgeordneter und Sprecher für antifaschistische Politik der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag. "Ich werde auf jedenfall eine Anhörung vor Ort in Gang setzen, um die Vorfälle der Freitagnacht und die Rolle der Polizei aufzuklären", kündigte er am Montag an.
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