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[Quelle: Freie Presse Online 6.10.99]

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Hohenstein-Ernstthal: Sondersitzung des Rates in Sicht

Öffentliche Kritik am Polizeieinsatz wächst

(HÜB) Die Auseinandersetzungen vom Wochenende haben jetzt politische Dimensionen erreicht. Zugleich wächst die Kritik am Einsatz der Polizei in der Krawallnacht. Nach Darstellungen von Jugendhaus-Mitarbeiter Lothar Becker sei die Polizei "am Donnerstag der vergangenen Woche schriftlich vom bevorstehenden Konzert informiert" worden. Das Punk-Konzert sei das fünfte seiner Art gewesen, nennenswerte Zwischenfälle habe es auf früheren Veranstaltungen nicht gegeben.

Im Jugendhaus selbst sorgt man sich um die Zukunft. Wanda Möller beispielsweise gehört dem in diesem Jahr neu gegründeten Kulturverein "Voice of Art" an und organisierte erst vor wenigen Wochen ein zweitägiges Open-Air-Festival auf dem Pfaffenberg. Auch der PDS-Landtagsabgeordnete Uwe Adamczyk spricht sich "für eine Anhörung mit allen Beteiligten vor Ort aus, um die Vorgänge am Wochenende aufzuklären".

In der Bevölkerung - namentlich bei den Anwohnern der Conrad-Clauß-Straße - wächst indes die Angst vor ähnlichen Situationen in der Zukunft. Dietrich Abdank ist einer von ihnen, und er fordert "jetzt schnellstens ein Zeichen von den Hohenstein-Ernstthaler Räten. Es muss eine Sonderratssitzung einberufen werden", sagte er gestern der "Freien Presse". Erste Hauseigentümer, so Abdank, würden sich schon mit dem Gedanken an einen Verkauf ihrer Häuser an der Conrad-Clauß-Straße tragen.

In den Reihen der Ratsfraktionen des Hohenstein-Ernstthaler Rates wächst mittlerweile auch der Aufklärungsbedarf. So wollte sich die CDU-Fraktion noch am Abend zusammensetzen. Nach bisherigen Hinweisen von Ratsmitgliedern will man wohl auf das Veranstaltungsspektrum im Jugendhaus Einfluss nehmen, spricht aber definitiv nicht von einer Schließung. Mittwoch Morgen soll es in der Stadtverwaltung ein klärendes Gespräch mit Jugendhaus, Kreisjugendring und dem Jugendamt geben.


Oberlungwitz: Ein "Appell gegen Gewalt"

Reaktion der GAFUG auf Tod eines Jugendlichen

(JA) Einen "Appell gegen Gewalt" richten Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Gemeinnützigen Aus-, Fortbildungs- und Umschulungsgesellschaft mbH (GAFUG) an die Teilnehmer der verschiedenen Bildungsmaßnahmen genauso wie an alle anderen Jugendlichen. Damit wird konkret auf das Ereignis vom Wochenende reagiert, welches den Tod von Patrick Thürmer, Auszubildender zum Maler im ersten Lehrjahr bei der GAFUG, zur Folge hatte.

In diesem "Appell gegen Gewalt" heißt es unter anderem: "Dass die Menschen unterschiedlich in ihrem Denken, Fühlen und Handeln sind, ist nicht das Übel, es ist natürlich. Unnatürlich ist vielmehr, berechtigte Ansprüche anderer und Andersdenkender zu verletzen, in seinem Verhalten vernünftige und notwendige Maßstäbe unseres Zusammenlebens nicht anzuerkennen und seine zu allein gültigen zu machen. Wir akzeptieren und tolerieren deshalb die verschiedenen Strömungen, wenden uns allerdings konsequent gegen Gewalt."

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