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[Quelle: junge Welt 7.10.99]
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Nach Überfall von Skinheads starb 17jähriger Punker
Sächsische Polizei sieht keinen extremistischen Tathintergrund
In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober griffen rechte Skinheads die Besucher eines Punkkonzerts in Hohenstein-Ernstthal in der Nähe von Chemnitz an. Am Ende starb Patrick, ein 17jähriger Punker, im Zwickauer Krankenhaus an seinen Verletzungen.
Am Freitag, dem 1. Oktober, hatte im ortsansässigen Jugendclub »Off Is« das »Zweite 99er Punkfestival« stattgefunden. Gegen 22 Uhr kam es zu einem Angriff von etwa 25 rechten Skinheads auf den Club. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Polizei, die mehrfach zu Hilfe gerufen worden war, ließ sich nicht blicken. Später zogen mehrere Besucher des Punkkonzerts zur nahegelegenen Diskothek »La Belle«, in die sich die Faschisten zurückgezogen hatten. Es kam zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Punks auf der einen sowie Nazis und Ordnern der Diskothek auf der anderen Seite. In diesem Fall hatte es die ebenso benachrichtigte Polizei eilig, einzugreifen. Es wurden Straßensperren aufgestellt, Personalien festgestellt und eine Reihe von Punks festgenommen.
Nachdem vorläufig Ruhe eingekehrt war, machten sich der 17jährige Patrick und ein Freund zu Fuß auf den Nachhauseweg. Einige Kilometer weiter in dem Ort Oberlungwitz wurden die beiden aus einem blauen Bus heraus angegriffen. Patricks Begleiter wurde verletzt, er selbst wurde später mit schweren Kopfverletzungen am Ortsausgang gefunden. Ein Rettungshubschrauber brachte den Verletzten in das Zwickauer Krankenhaus, wo er wenig später seinen Verletzungen erlag.
Von den Tätern gibt es keine Spur, die Polizei tappt im dunkeln und sieht offenbar keinen Zusammenhang mit dem vorausgegangenen Angriff rechter Skinheads auf das Punkkonzert. Laut »Freie Presse« vom 4. Oktober »wird beim gegenwärtigen Stand der Ermittlungen jedoch nicht von einem extremistischen Tathintergrund ausgegangen«.
Für die »Freie Presse« scheint nicht der Tod eines 17jährigen im Vordergrund zu stehen, sondern die Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus Randgruppen, die mit Politik anscheinend nichts zu tun haben. Sie titelte nach dem 2. Oktober mit »Ein Toter nach Massenschlägerei - Nächtliche Randale in Hohenstein-Ernstthal«, »Punker und Skinheads machen Hohenstein-Ernstthal zum Schlachtfeld« und »Eine Stadt kommt nicht zur Ruhe«. Auch der Oberbürgermeister, Erich Homilius, scheint mit rechtsextremer Gewalt weniger Probleme zu haben als mit dem Jugendclub »Off Is«. So soll er laut »Freie Presse« in der Nacht vor dem Club geäußert haben: »Veranstaltungen, wie jene im Jugendhaus, auf denen die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann, wird es nicht mehr geben.«
Am vergangenen Sonntag fand eine Spontandemo von etwa 150 Personen sächsischer Antifa-Gruppen in Hohenstein-Ernstthal statt.
Benedikt Haas
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