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Kurznachrichten aus Amsterdam
Hier gibt es kurze Meldungen aus Amsterdam, nicht nur zu den geplanten Räumgen und den Aktionstagen. Vielleicht gibt es so einen Überblick, was dort gerade abläuft und was Euch erwartet, wenn Ihr zu der Demo hinfahren wollt.
Aktion gegen Räumung in Restaurant
Am Donnerstagabend, 28. September 2000, protestierte eine Gruppe von etwa 25 Leuten gegen die geplante Räumung der Kalenderpanden. Und zwar taten sie dies im Restaurant "Le Garage" von dem bekannten TV-Koch Joop Braakhekke. Sie hielten eine Rede und verteilten Flugblätter an die Gäste.
Mit der Räumung der Kalenderpanden wird auch die etablierte und kostengünstige Volxküche (Vokü) keinen Platz mehr haben. Die DemonstrantInnen haben die noble "Le Garage" für ihren Protest ausgesucht, da sie nicht über das Geld verfügen, um dort wöchentlich zu essen. In den Kalenderpanden ist das möglich, da eine Mahlzeit in der Vokü nur 4 Gulden kostet.
In den Kalenderpanden gibt es neben der Vokü noch andere Aktivitäten: Konzerte, Radiosendungen, Poesie, Theater u.a. Alles nichtkommerziell und auf Low-Budget-Basis, so dass es unabhängig vom Einkommen möglich ist.
Das alles von diesem kulturellen Freiraum hat viel zum Amsterdammer Zusammmenleben beigetragen. Selbst Bürgermeister Patijn bekräftigt mit seinem Spruch "Keine Kultur ohne Subkultur" diesen Gedanken. Leider handelt die Gemeinde nicht immer nach ihren eigenen Vorsätzen. Sie hat nämlich beschlossen, die Kalenderpanden an den Projektentwickler BAM zu verkaufen, welcher dort Luxusappartements bauen möchte.
Diese Aktion war nur der Anfang für das Aktionswochenende gegen die Räumung der Kalenderpanden, welche vom Samstag, 30. September bis zum Sonntag, 1. Oktober gehen wird.
Quelle: [squat.net] - 29.9.2000
Der Weltmeister im Räumen kommt nach Amsterdam
Am Dienstag, 3. Oktober 2000, sollen James D. Wolfensohn (Präsident der Weltbank) und viele andere prominente Freihandels-Fans im Auditorium der Universität von Amsterdam zusammenkommen.
Dort organisiert das "Amsterdam Institiut for International Development" eine Konferenz mit dem reisserischen Namen "Weltarmut - Eine Herausforderung für die Privatwirtschaft". Wolfensohn soll um 9.00 Uhr sprechen, seine Kollegin Evil Herfkens ist um 10.00 Uhr dran. Auch danach soll das Auditorium noch lange Platz bieten für die Krawattenheinis, die an den Mythos vom "Kapitalismus mit einem sozialen Gesicht" glauben.
Die Weltbank ist durch ihre "Strukturanpassungsprogramme" (SAPs) direkt verantwortlich für die Räumung von Tausenden von Menschen weltweit. Als Beispiel sei die grosse Anzahl von Staudammprojekten genannt, wobei die Bevölkerung unter LEitung der Weltbank vertrieben wird. Grund genug also, um da mal was "Nettes" dagegen zu tun!
Das Programm läuft vom 3. bis zum 6. Oktober und ist eine Initiative der Universität von Amsterdam, der Freien Universität und der Weltbank.
Es ist auch bisher nicht klar, ob diese Konferenz etwas mit der Verschiebung der ab 3. Oktober geplanten Räumungswelle zi tin hat. Informationen über die Initiative "Stank voor Bank" (Gestank für die Bank) und weitere Infos über Wolfensohns Abstecher nach Amsterdam gibt es unter: http://huizen.dds.nl/~stank.
Antifa-Aktion gegen Vlaams Block
Am Sonntag, den 24. September 2000, wollte der Chef vom rechstextremen Vlaams Block aus Belgien, Filip Dewinter, in Amsterdam in einer Live-TV-Show auftreten. Bei der Parkplatzsuche wurde er entdeckt und an seinem Wagen wurden sämtliche Scheiben und auch die Karosse erheblich demoliert. Er musste mit seinem nun nicht mehr so schönen BMW schnell die Flucht ergreifen. Später zeigte das niederländische Fernsehen Aufnahmen von dem angegriffenen Auto, auf dessen Rückbank ein Buch mit dem Titel "Mein Vater Rudolf Hess" lag.
Später zogen etwa 80 bis 100 teilweise vermummte Antifas vor das Studio, wo die TV-Sendung stattfand. Dewinter war schon drin. Das Gebäude war von der Polizei abgeriegelt. Während draussen die DemonstrantInnen Parolen riefen ("Vlaams Block, rotop!"), bewarfen im Studio einige AktivistInnen den Faschisten mit brauner Farbe. Und das alles Live im Fernsehen. Der Lärm der Kundgebung vor dem Haus war auch drinnen sehr gut zu hören. Als einige Hundert Böller gezündet wurden, konnten sie sich drinnen sogar überhaupt nicht mehr unterhalten. Die Bullen versuchten die Antifas abzudrängen. Dabei gab es wohl ein paar Festnahmen. Dewinter stürzte nach der Sendung ziemlich schnell und ängstlich in ein bereitgestelltes Polizeifahrzeug, welches ihn rasch in Sicherheit brachte.
Am Abend fand eine Lärmdemonstration beim Polizeigebäude statt, wo die beiden noch Inhaftierten saßen. Etwa 30 Leute trommelten gegen metallene Masten und Stangen, pfiffen und schrien. Die Bullen liessen sich überhaupt nicht blicken. Nach etwa einer dreiviertel Stunde löste sich die Kundgebung auf.
1, 2, 3 - lasst die Leute frei!!! Alle arrestanten onmiddelijk vrij!
Schlägertrupp in die Flucht geschlagen
Nachdem schon zweimal ein vom Hauseigentümer beauftragter Schlägertrupp einem besetzten Haus im Westen Amsterdams einen Besuch abgestattet und gedroht hatte, wurde beim dritten Erscheinen abends am 22.9.2000 Alarm ausgelöst. Ungefähr 100 UnterstützerInnen trafen innerhalb weniger Minuten ein - der Schlägertrupp war dann schon nicht mehr anwesend.
Schon mal auf den Beinen, radelten die Leute gleich bei dem Hauseigentümer vorbei, um ihm mitzuteilen, dass er solche Aktionen zukünftig zu unterlassen habe. Er wollte natürlich mit dem Trupp nichts zu tun gehabt haben. Die Vielzahl der Leute und seine kaputten Fensterscheiben werden ihm wohl hoffentlich noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben.
Kalenderpanden sind Thema im Bauausschuss
Am Donnerstag, 21.9.2000, fand im Rathaus von Amsterdam eine Sitzung vom Ausschuss Bauen und Wohnen statt, bei dem es um einen Brief ging, den die Kalenderpanden an die Gemeinde geschickt hatte, der aber nicht beantwortet wurde. Vielleicht lag es auch daran, dass der Brief nicht "normal" zugestellt wurde, sondern allen Ratsmitgliedern auf Schmiergelpapier zugeschickt und dem Bürgermeister Patijn mit Brettern auf seine Haustüre geschraubt wurde.
Nun ja, in der Sitzung wurde zwei Stunden diskutiert und die BewohnerInnen der Kalenderpanden bekamen auch die Möglichkeit zum Wort. Doch an dem Verkauf des Gebäudes und der Errichtung von Luxusappartements durch eine Projektentwicklungsgesellschaft wollte die Baubeauftragte nichts mehr ändern. Sie wollte auch noch keine Ahnung davon haben, wieviel die Projektentwicklungsgesellschaft an dem Verkauf der Luxuswohnungen verdient. Eine Wohnung soll wohl für rund 1 Millionen Gulden verkauft werden.
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