Termine | Adressen | Volxküchen | Themen | Links | Kontakt | Startseite

[Quelle: jan - Jugendantifa Neuruppin - Ende Dezember 2000]

Infos aus Neuruppin

In den letzten Wochen kam es in Neuruppin des öfteren zu Aktionen von Neonazis. Hier ein paar Texte dazu von den Internetseiten der Jugendantifa Neuruppin.


Am Wochenende zogen mal wieder Nazis durch Neuruppin. Diesmal kam es allerdings zu keinen größeren Zwischenfällen wie an den Wochenenden zuvor. Entgegen den Meldungen der Polizei und Presse setzte sich die Gruppe nach [jan]-Beobachtungen aus rund 95 Leuten zusammen. Der Personalienfeststellung konnten sich die meisten schlicht und einfach durch Weglaufen entziehen. Daher, so vermuten wir, rührt die zu niedrig angesetzte Zahl von 50 Nazis her.

Polizisten lösten Ansammlung auf

Rechtsgerichtete Jugendliche erschienen vor Neuruppiner JFZ

Ruppiner Anzeiger - 18.12.2000

NEURUPPIN - Die Polizei hat am Freitagabend eine Ansammlung von rund 50 jüngeren Leuten aufgelöst. Sie wurden ihrer äußeren Erscheinung nach der rechtsgerichteten politischen Szene zugeordnet. Die Personen hatten sich zunächst am Neuruppiner Busbahnhof versammelt. Als Polizisten auftauchten, löste sich die Ansammlung in kleinere Gruppen auf, die zum Jugendfreizeitzentrum (JFZ) an der Karl-Marx-Straße zogen. Hier begann gegen 23:30 Uhr ein Konzert. Die Veranstalter verweigerten den vermutlich rechtsgerichteten Jugendlichen den Zutritt. Nachdem die Gruppe von der Polizei aufgefordert worden war, sich aufzulösen, erntfernten sich die Jugendlichen. Die Beamten beschlagnahmten bei einem jungen Mann einen Schlagstock. Gegen ihn wird laut Polizei Anzeige wegen unerlaubten Waffenbesitzes erstattet.


Mehr Polizei gegen rechts

Ordnungskräfte nach Aufmärschen besorgt um Sicherheit in Neuruppin

Märkische Allgemeine - 22.12.2000

NEURUPPIN - Die Polizei in Neuruppin sorgt sich "ernsthaft um die Sicherheit der Stadt". Grund sind die Zusammenstöße mit der rechten Szene in den vergangenen Wochen. Deshalb ist die Polizei in den Weihnachtstagen und den folgenden Wochen massiv einsatzbereit, teilte der amtierende Schutzbereichsleiter Michael Breitschwerdt gestern mit. Deshalb auch hat sich gestern die Polizei mit zwei Mitgliedern der rechten Szene an einen Tisch gesetzt. Dazu eingeladen waren auch Bürgermeister Otto Theel, Vertreter sozialer Initiativen und die Presse.

Die Vertreter der Jugendvereine sagten ihre Teilnahme unter Protest ab. Begründung: Sie werden sich nicht mit stadtbekannten NPD-Kadern an einen Tisch setzen. Dass es sich bei den geladenen Gästen der rechten Szene um Funktionäre der NPD handelte, bestätigte Breitschwerdt nicht. Dies sei ihm nicht bekannt. Er habe einen rechts orientierten Mann eingeladen, der an den Provokationen im November und Dezember beteiligt gewesen sei. Dieser habe zugesagt, die Botschaft der Polizei in seinen Kreisen bekannt zu geben. Am 18. November, 1. und 15. Dezember waren Gruppen von bis zu 60 "Rechten" wiederholt vor dem Jugendfreizeitzentrum (JFZ), dem Café Hinterhof und dem Jugendwohnprojekt "Mittendrin" aufmarschiert.

Die Treffen rechter Gruppen haben sich in diesem Jahr gehäuft. Klare Konsequenz der Polizei: Man werde nicht länger hinnehmen, dass ein "Drohpotenzial aufgebaut, provoziert und die Jugendarbeit behindert" wird, so Breitschwerdt. Er und seine Kollegen sorgten sich "um das Image von Neuruppin". Bürger würden ebenso verunsichert wie Touristen und Investoren. Der Schutzbereichsleiter: "Die Polizei wird die Sicherheit der Stadt weiterhin besonnen, aber wenn es sein muss, auch mit massivem Kräfteeinsatz gewährleisten" und "nicht mit sich spielen lassen". Bei Störungen jedweder Art würden die Möglichkeiten ausgeschöpft - bis hin zur "Gewahrsamnahme".

Wie viele Polizisten in Neuruppin in diesen Tagen zusammengezogen werden, sagte Breitschwerdt nicht. Er appelierte an die Bürger der Stadt, die Polizei gegen Unruhestifter zu unterstützen.


Keine Räume für rechtsextremistische Gruppen

Gemeinsame Erklärung von Jugendvereinen und Stadt Neuruppin

Jugendarbeitträger und Stadt Neuruppin - gekürzt veröffentlicht in der Märkischen Allgemeinen - 22.12.2000

Die Machtdemonstrationen und Provokationen der Rechtsextremisten in Neuruppin, wie sie sich in den letzten Wochen zeigten, stellen vordergründig Herausforderungen an die Jugendarbeit. Es werden Räume und "Freiräume" für rechts orientierte junge Menschen und Erwachsene in Neuruppin gefordert, ähnlich, wie es im letzten Jahr des "Bunkers" möglich war. Dabei ist davon auszugehen, dass der "Bunker" (besonders nach seiner Schließung) in der rechten Szene, weit über Neuruppin hinaus, einen hohen symbolischen Charakter bekommen hat.

Es ist falsch anzunehmen, dass die rechte Szene durch die von ihnen geforderten Räume und "Freiräume", eventuell sogar durch Jugendarbeit zu steuern wäre. Die Vertreter der offenen Jugendarbeit sind sich einig, dass diese rechte Gruppierung nicht durch sozialpädagogische Konzepte zu erreichen, schon gar nicht zu beeinflußen ist. Die Aufgabe der Jugendarbeit ist es, mit abgestimmten pädagogischen, methodischen und didaktischen Konzepten erreichbare Jugendlichen, insbesondere benachteiligten Jugendlichen eine Alternative zu eventuell normabweichenden Verhaltensweisen zu ermöglichen.

Erzieherisch können in diesem Handlungsfeld nur Konzepte erfolgreich sein, die Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig (mit dem Schwerpunkt im Alter von 12 bis 16 Jahren) erreichen, normabweichendes Verhalten früh erkennen und entsprechende Alternativen und Interventionen anbieten. Die dazu nötigen personellen und materiellen Rahmenbedingungen müssen dem Konzept angemessen zur Verfügung stehen. Eine pädagogische Intervention muss jederzeit möglich und durchsetzbar sein. Das ist mit den verfestigten rechten Gruppierungen, die eng vernetzt und in rechtsextremistischen Strukturen eingebunden sind (zum großen Teil Erwachsene im Alter von 25 bis 30 Jahren), nicht mehr möglich. Deshalb wird es in Neuruppin keine Räume für rechtsextremistische Gruppen geben.

Eine Auseinandersetzung mit diesen Gruppen muss es dennoch, allerdings ausserhalb der Jugendarbeit geben.

Die neue Qualität der Machtdemonstrationen rechter Gruppierungen in Neuruppin, die aus unserer Sicht von rechten Strategen entwickelt wurden und sich darin äußern, dass rechte Gruppen offen und massiv auf die Straße und vor Jugendeinrichtungen der Stadt durch provokantes Auftreten, Gewaltandrohungen, Einschüchterungen und versteckte Gewalt für "Freiräume" rechter Gruppierungen demonstrieren, stellt eine große Herausforderung an alle demokratischen Verantwortungsträger dar. Diese Situation ist insofern zusätzlich dramatisch, weil direkt und indirekt Veranstaltungen bzw. Jugendarbeit der Jugendeinrichtungen massiv behindert werden.

Dieser Zustand darf nicht weiter hingenommen werden, ohne dass alle demokratischen Kräfte dagegen geeignete Interventionsstrategien entwickeln und diese umsetzen. Sich hierbei allein auf die Polizei zu verlassen wird langfristig nicht ausreichen. Vielmehr muss es zur Wahrnehmung der Verantwortung aller Verantwortungsträger gegenüber den organisierten rechten Gruppierungen kommen. Dazu wird es nötig sein, dass sich Stadtverordnete, demokratische Parteien, Gewerkschaften, Gewerbetreibende, Industrie- und Handwerksvereinigungen, Schulen, Kirchen, gesellschaftliche Initiativen und Vereine offensiv gegen Rechtsextremismus in geeigneter Weise zu Wort zu melden.

Unterzeichner:
Otto Theel (Bürgermeister von Neuruppin), Margarete Jungblut (Stadtverwaltung), Wolfgang Freese (Vorsitzender Jugendhilfeausschuss), Eckhard Häßler (Stadtjugendwart), Christian Prehm (Sozialarbeiter), Kerstin Kroll (Sozialpädagogin), Martina Utpott (IJN), Andreas Haake (IJN), Helmut Schindler (IJN), Suzanne Lenz (JFZ), Thomas Plath (JFZ), Uta Pehl (Mobiles Beratungsteam), Wolfgang Rein (Evangelische Kirchengemeinde), Andreas von Essen (Stiftung SPI)


Wieder mal Glasbruch...

Scheiben im Mittendrin gingen zu Bruch

[jan] - 29.12.2000

Wahrscheinlich in der Nacht zum 24.12. wurden im alternativen Jugendklub "Mittendrin" mal wieder eine Scheibe eingeworfen: Im oberen Geschoss wurde ein Fenster mit einem Stein durchworfen.

E-Mail an Stressfaktor
E-Mail an den Stressfaktor
Termine | Adressen | Volxküchen | Links | Kontakt | Startseite | Anfang dieser Seite