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[Quelle: Yahoo! Schlagzeilen - 14.6.2000 17:39 Uhr]
Mosambikaner stirbt nach ausländerfeindlichem Überfall
Familienvater hinterlässt drei kleine Kinder - Drei Rechtsextreme als Tatverdächtige verhaftet.
Dessau (AP) Die ausländerfeindliche Gewalt in Ostdeutschland hat erneut ein Todesopfer gefordert: Ein 39 Jahre alter Mosambikaner erlag am Mittwoch im Städtischen Klinikum von Dessau nach einem Überfall rechtsextremer Schläger seinen schweren Verletzungen. Der seit den 80er Jahren in Deutschland lebende Vater von drei kleinen Kinder war in der Nacht zum Pfingstsonntag von drei 16, 17 und 25 Jahre alten Männern im Dessauer Stadtpark überfallen und niedergeschlagen worden. Politiker und Bürger reagierten mit Bestürzung und dem Ruf nach einer harten Bestrafung.
Polizeisprecher Olav Pitloun sagte, die Täter seien äußerst brutal vorgegangen und hätten auch dann nicht von dem Afrikaner abgelassen, als dieser längst am Boden gelegen habe. Aufmerksame Bürger alarmierten Notarzt und Polizei, die die Tatverdächtigen wenig später festnahm. Bei den Vernehmungen legten die Jugendlichen ein umfassendes Geständnis ab und gaben als Motiv «Hass gegen Fremde» an, wie der Polizeisprecher mitteilte. Gegen die jungen Leute, die aus Wolfen und Bad Liebenwerda stammen und polizeibekannte rechte Schläger sein sollen, wurde Haftbefehl erlassen.
Sachsen-anhaltinische Landespolitiker forderten Aufklärung und konsequentes Handeln gegen Rechtsextremismus. Für Brutalität dieser Art gebe es keine Entschuldigung, auch nicht unter Hinweis auf schwierige soziale Verhältnisse, sagte Ministerpräsident Reinhard Höppner. Der SPD-Politiker räumte ein, dass mit der Arbeit von Ermittlungsbehörden und Justiz allein derartige Rohheiten nicht überwunden werden könnten.
«Wir müssen Gewaltbereitschaft im Keim ersticken» sagte er. Es bedürfe der gemeinsamen Anstrengungen aller Bürger im Kampf gegen rechte und ausländerfeindliche Gesinnung, die den Nährboden für menschenverachtendes Verhalten bilde. Dazu seien Aufklärung, Wachsamkeit und Zivilcourage notwendig. Der Ministerpräsident betonte: «Nur wenn wir gemeinsam die Gewalt ächten und offen rechtsradikalem und ausländerfeindlichem Denken gegenübertreten, können wir derartigen Barbareien begegnen».
Innenminister Manfred Püchel sprach sich für «eine der Brutalität angemessene Strafe» aus. Der sinnlose Totschlag mache nicht nur betroffen, sondern auch fassungslos. «Einen Menschen allein wegen der Hautfarbe totzuschlagen, zeugt von unglaublicher Verrohung». Der Vorfall in Dessau sei «ein trauriges Beispiel, was rechte ausländerfeindliche Gesinnung anrichten kann».
Justizministerin fordert konsequente Ahndung
Justizministerin Karin Schubert sagte, der Tod des Mosambikaners zeige, dass «unsere Politik noch mehr von Informationen und Aufklärung getragen werden muss». Schon in in den Schulen müsse gezielter dagegen vorgegangen werden, «dass Kinder und Jugendliche die unverständliche Fremdenfeindlichkeit ihrer älteren Geschwister, ihrer Eltern und ihrer sonstigen Umgebung übernehmen». Aufgabe der Justiz sei es, «derartige Straftaten konsequent zu ahnden, um das Ansehen Deutschlands gegenüber dem Ausland nicht weiter zu beschädigen».
Die aus Dessau stammende stellvertretende PDS-Landesvorsitzende Andrea Dornbusch stellte die Tat in «eine Folge von Gewalttaten und gegen Ausländer und Andersdenkende seitens Rechtsextremer». Gerade in Ostdeutschland setze sich zunehmend ein Klima von Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit durch.
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