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Quelle: Infocafé Aachen - 27.9.2000
Kalenderpanden-Newsletter Nr. 4
Teil Vier unseres Dok-Infos ist zugleich das letzte vor den Aktionstagen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch darauf hinweisen, dass wir Rückfragen nur noch bis Freitag mittag beantworten können. Im ersten Teil dieses Infos werden wir uns kurz fassen und auf ein paar Anregungen beschränken, wie möglichst viele Menschen mitmachen können, auch wenn sie keine erfahrenen "Häuserkämpfer" sind. Der zweite Teil enthält, vor allem, was die Anreise, aber auch bestimmte location-tips angeht, ausschliesslich unsere persönlichen Erfahrungen. Die sind sehr subjektiv und erheben nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Mensch sieht sich in Am*dam.
Inhalt:
1) Aktionstage & Demo
2) während Räumungsversuch
3) Anreise
4) "Stadtführung"
1) Aktionstage & Demo
Bis auf einen Treffpunkt - Samstag 12.30 Dam - haben wir über den genauen Ablauf der Aktionstage keine Informationen. Wir gehen aber davon aus, dass diese durch Kreativität und Spontaneität geprägt sein werden und deshalb nicht jetzt schon öffentlich weitere Termine festgelegt werden sollten Infos gibt's vor Ort in den Kalenderpanden selber und abends ab 22 Uhr sicher im "Vrankrijk", Spuistraat 216. Für die Demo regen wir hiermit nochmal einen deutlich sichtbaren internationalen Solidaritätsblock an. Dieser sollte unserer Meinung nach mindestens so kämpferisch-entschlossen wie laut und bunt auftreten und die Bedeutung der Kalenderpanden auch als "internationale Begegnungsstätte" unterstreichen. Die Organisation eines solchen Soli-Blocks würde uns hoffnungslos überfordern. Wir vertrauen aber auch hier auf die nötige Spontaneität und Eigeninitiative der anreisenden Gruppen. Tauscht Euch mit anderen Gruppen aus! Nutzt die Infotafeln in den Kalenderpanden und im Vrankrijk! Fragt in den Kalenderpanden nach, ob und wo ihr euch in die Organisation einbringen könnt! Am Sonntagabend, also nach der Demo, gibt's in den Kalenderpanden ein Konzert.
Der EA wird auch von Deutschen/ deutschsprachigen Menschen besetzt sein. Vorläufiges EA-Telefon: (020) 6790712 - vor Ort auf aktuelle Ankündigungen achten. Unbedingt empfehlen wollen wir das aktuelle Info des EA Amsterdam... http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2000/09/27/956.html Falls nötig: Eure Anwältin ist Margreet Breukelaar, Tel. (020) 6935544. Lasst Euch keinesfalls einen Pflichtverteidiger ("piketadvokaat") aufschwatzen! Das alles gilt auch für...
2) Während eines Räumungsversuchs
Zunächst einmal lässt sich anhand anderer Häuserräumungen sagen, dass egal wo in Amsterdam ihr euch aufhaltet, solange ihr für die Strukturen vor Ort erreichbar seid, ihr auf jeden Fall zeitig genug informiert werdet, um noch zu den Kalenderpanden zu kommen.
Die klassische Variante ist sicher, aus dem Haus heraus ein Eindringen der Bullen zu verhindern. Das wird auch zentraler Bestandteil unserer Aktionen sein. In welcher Art und Weise, mit welchen Mitteln das geschehen soll, liegt vor allem im Ermessen der BewohnerInnen der Kalenderpanden. Das ist also vor Ort zu besprechen.
Wir gehen aber davon aus, dass nicht alle von uns besonders grosse Erfahrungen im Häuserkampf haben und sich auch nicht unbedingt alle eine solche Situation, die - einmal eingegangen - kaum wieder zu verlassen ist, zutrauen. Daher wollen wir Anregungen für den Fall, dass ihr euch nicht im Haus aufhalten wollt, geben.
Eigentlich gibt es nur einen entscheidenden Punkt: Je mehr die Bullen mit ihrer Eigensicherung (und die ihrer Fahrzeuge) beschäftigt sind, desto weniger Kapazitäten bleiben ihnen für die Räumung an sich. Da sei der Kreativität freien Lauf gelassen. Entsprechend sind auch entschlossene Aktionen an anderen Stellen der Stadt, die zwangsläufig Bullenkräfte binden, wünschenswert.
Gängiges Equipment bei Räumungsversuchen sind Farbeier und -beutel jeder Art. Ob das zur Verhinderung einer Räumung ausreicht, sei dahingestellt. Als "gewaltfrei" noch akzeptabel, fällt uns vor allem noch Schmierseife ein. Alles weitere bedarf gerade dann eines verantwortunbgsbewussten Umgangs, falls die Bullen quasi von zwei Seiten belagert sind!
In jedem Fall, egal ob im Haus oder ausserhalb, achtet innerhalb eurer Bezugsgruppen aufeinander! Wer in einem Land, dessen Sprache er/sie nicht mächtig ist, in eine Bedrängnissituation kommt, festgenommen wird, verletzt wird, braucht mehr Beistand als ohnehin.
3) Anreise
Insbesondere raten wir davon ab, mit dem Auto nach A'dam zu kommen! Es gibt keine Parkplätze, die weniger als 4 hfl (ca. 3,60 DM) pro Stunde kosten. Und es gibt auch kaum eine Chance, den Reifenkrallen zu entgehen, die "ausländischen" FalschparkerInnen besonders gerne angehängt werden. In so einem Fall wird's richtig teuer. "Normalerweise" stehen direkt an den Kalenderpanden einige nicht bewirtschaftete Parkflächen zur Verfügung. Von deren Benutzung ist im Rahmen eines Räumungsversuchs entschieden abzuraten!!!
Solltet ihr trotzdem mit dem Auto anreisen: In "Amsterdam-Noord" (Stadtplan!) - und nur dort, egal wie weit ihr sonst an den Stadtrand fahrt! - ist kostenlos Parken. Mit einem bisschen Ortskenntnis (STADTPLAN!!!) und einem bisschen viel Glück - lässt sich's in "Noord" recht nahe nicht nur an den Hauptbahnhof ("Centraal Station") heranfahren, sondern auch einen Parkplatz finden - nur eben auf der anderen Flussseite (der Fluss heisst "'t IJ") - von dort setzt eine kostenlose Fähre, die Tag und Nacht alle 6-10 Minuten fährt, zum Hbf über. Falls ihr dort parkt: KEINERLEI Wertgegenstände sichtbar im Wagen liegen lassen! (Nichts gegen Kriminalität, aber muss euch ja nicht treffen...)
Mit der Bahn lässt sich's in jedem Fall stressfreier anreisen. Ist natürlich teurer... In den Niederlanden gibt's aber verschiedene Angebote, mit denen eine bestimmte Anzahl Personen an bestimmten Tagen sehr günstig Bahnfahren kann. Näheres haben wir leider nicht herausgefunden. Eins dieser Angebote, im Idealfall kombiniert mit einem deutschen Wochenendticket, müsste aber im bezahlbaren Rahmen liegen. Als Aussteigebahnhof bietet sich nur der Hbf ("Amsterdam CS") an.
Ob Auto oder Bahn, vom Hbf zu den Kalenderpanden ist es ein gutes Stück Fussweg - so 30-45 Minuten. Je nach Alter und Befindlichkeit... Falls ihr mit der Strassenbahn (als Haltestelle der Linie 20 bietet sich die "Plantage Doklaan" oder "Plantage Middenlaan" an) oder dem Bus (Linie unbekannt, aussteigen "Wittenburgergracht" oder "Oostenburgergracht") fahren wollt: kauft euch eine "Strippenkaart" (Streifenkarte) - soll es vor allem in Tabakläden geben - bei der pro Fahrtstrecke und Person eine bestimmte Anzahl Streifen entwertet wird. Das ist nicht nur erheblich billiger als Einzelfahrscheine, sondern mit etwas know-how lassen sich die Verkehrsbetriebe damit auch ganz gut bescheissen. Nur wenn ihr echt viel Bus und Straba fahren wollt, kauft euch Tageskarten. Die kosten pro Person 10 hfl für einen Tag und werden mit zunehmender Gültigkeitsdauer relativ preiswerter, 7 Tage kosten 35 hfl. Einmal in den Kalenderpanden oder sonstwo Nähe Innenstadt angekommen, braucht ihr aber eigentlich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr. Ohne Gepäck lässt sich das meiste ganz gut zu Fuss erreichen.
4) Kleine "Stadtführung"
Spätestens jetzt kommt ihr ohne Stadtplan überhaupt nicht mehr weiter. Falls ihr noch immer keinen habt, sollte das das erste sein, was ihr euch in A'dam zulegt! Dann könnt ihr auch gleich die "Jodenbreestraat" suchen und dort den Buchladen "Fort van Sjakoo", Hausnummer 24. Da geht ihr rein, und kauft "Get Lost! - Der coole Reiseführer"... für 14,50 hfl. Eigentlich sind wir gegen Werbung, aber in linken Buchläden kaufen ist immer gut, und ausserdem ist DIESER "Reiseführer" wirklich brauchbar und vor allem deutschsprachig. Solltet ihr dafür kein Geld übrig haben, seid ihr auf unsere bescheidenen Tips angewiesen...
Die Strukturen der Amsterdamer BesetzerInnen reichen zum Überleben für ein paar Tage völlig aus... geschlafen wird in eurem Squat nach Wahl, gegessen in der VoKü der Kalenderpanden und/oder beim Infokafé August, Frederik Hendrikstraat 111... gibt noch andere... getrunken in den Kalenderpanden oder - abends ab 22 Uhr, aber natürlich nicht zu lange an Abenden vor Aktionen... - im "Vrankrijk", Spuistraat 216, den Buchladen haben wir schon erwähnt und in dessen Kellerräumen ist das "ASCII", wo kostenlos im Internet gesurft werden kann... und vieles, vieles mehr, in fast allen Stadtteilen.
Ansonsten: Ein halbwegs preiswerter, zentral gelegener Supermarkt ist "Dirk van den Broek", etwas versteckt zwischen "Fort van Sjakoo" und Waterlooplein gelegen.
Ausserhalb der Kraker-Szene hätten wir noch ein paar Geheimtips anzubieten, die ihr bei längerem Aufenthalt ruhig mal ausprobieren solltet - sind aber alles KEINE linken Läden.
Abendliche Livemusik in "The Last Waterhole", Oudezijds Armsteeg 12 - Bandbreite reicht von Western bis Country... - eine der abgedrehtesten Billighotelbars im Rotlichtviertel, ständig überfüllt mit Kiffer-Touris aus aller Welt (der Vorschlag ist ´n Insider, also nicht unbedingt ernst gemeint).
"Café the Minds", Spuistraat 245, gegenüber vom Vrankrijk - nette Grunge-/Rockkneipe.
"De Hoogte", Nieuwe Hoogstraat 2a, eher durchschnittliche Kneipe, aber tagsüber wirklich gemütliches Café mit kuscheligen Abhängecken.
"Maoz Falafel", z.B. am Rembrandtplein, verkauft für 6 hfl Falafelbällchen im Brot, die Sossen, Salate und Gemüse könnt ihr euch selber drauf schaufeln, und zwar so viel, wie ins Brot geht und so oft ihr wollt - also nicht zu früh vom Brot abbeissen... Wir empfehlen ganz besonders die Möhren, und nehmt nicht zuviel von der unscheinbaren spinatgrünen Sosse...
Empfehlenswerte Museen (ehrlich!) sind das Jüdisch-Historische ("Joods Historisch Museum", J. Daniel Meijerplein 2-4) und das Tropenmuseum, Linnaeusstraat 2. [...und auch das Widerstandsmuseum ("Verzetsmuseum", gegenüber vom Zooeingang, in der Nähe der Kalenderpanden), SF]
Solltet ihr beizeiten ihn den üblichen Deutsch-Touri-Trott verfallen und unbedingt einen Coffeeshop aufsuchen müssen, tut euch wenigstens den Gefallen, ein wenig durch die Gegend zu schlurfen, bis ihr das Gefühl habt, nicht mehr umgeben von Touris oder sonstigen Menschenmassen zu sein. Dann schlurft noch ein bisschen weiter, und nehmt den nächstbesten. Allzu spürbare Qualitäts- und Preisunterschiede gibt's nicht - ausser dass eben in die Tourigegenden nur die "Ausschussware" geliefert wird! Ach ja, kauft NICHTS auf der Strasse!
Und noch so viel mehr zu erzählen. Ne, ehrlich, kauft euch das oben empfohlene Buch!
Viel Spass! (aber den Kampf nicht vergessen)
Mehr Dok-Infos gibt's von uns erstmal nicht. Wir verweisen auf die Homepage der Kalenderpanden,
http://www.kalenderpanden.nl
Squat.net...
http://squat.net
Auf einen erfolgreichen A'dam-Urlaub und bis zur "Siegesfeier" in den Kalenderpanden, spätestens Dienstag abend(?).
infocafe-aachen@gmx.de
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