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[Quelle: junge Welt - 25.7.2000]
Interview
Wieso waren Sie im Polizeigewahrsam?
jW sprach mit Max S., Zeuge der Blockadeaktion gegen das Berliner Bundeswehr-Gelöbnis am 20. Juli
F: Sie wurden am Rande des Bundeswehrgelöbnisses am vergangenen Donnerstag festgenommen. Warum?
Der Grund war wohl, daß, während ich mit Freunden am Gehweg saß, ein Konvoi der Bundeswehr vorbeifuhr, in dem offensichtlich die Rekruten saßen, die an diesem Tag im Bendlerblock ihr Gelöbnis ablegten. Einige Menschen rannten auf die Straße, um eine Sitzblockade zu errichten.
F: Was geschah dann?
Innerhalb einer Minute sind Polizisten, uniformierte und zivile, zu den Leuten gerannt und begannen, sie von der Fahrbahn zu zerren. Die Demonstranten hatten nicht einmal die Chance, die Blockade selbst zu beenden.
F: Was haben Sie denn gemacht?
Weder ich noch meine Freunde waren auf der Kreuzung. Ich machte vom Bürgersteig aus einige Fotos, wurde aber von einer Beamtin aufgefordert, dies zu unterlassen. Sie drohte mir außerdem, den Apparat zu beschlagnahmen. Kurz darauf wurden wir aufgefordert zu verschwinden. Unsere Ausweise wurden aber vorher von der Polizei eingezogen. Nach einer halben Stunde wurden wir überraschend festgenommen.
F: Wie war die Behandlung im Gewahrsam?
Man fuhr uns zunächst, immer noch in Handschellen, zur Polizeiwache Leopoldstraße. Mitgenommen wurden rund 30 Personen. Gegen 19 Uhr wurden wir in einen Gefangenentransporter verladen und fuhren zur Gefangenensammelstelle Kruppstraße. Einer nach dem anderen wurden wir ins Gebäude geleitet, wo wir uns ausziehen mußten. Gürtel, Schnürsenkel, Schmuck usw. wurden uns abgenommen. Danach konnten wir uns wieder anziehen und wurden jeweils zu zirka acht Personen in eine Zelle geleitet.
F: Konnten Sie einen Anwalt anrufen?
Erst einmal kümmerte sich überhaupt niemand mehr um uns. Auch auf Klingeln meldete sich keiner. Erst nach einer halben Stunde kam ein Beamter. Es wurde uns explizit verwehrt, ein Telefongespräch zu führen, eine Begründung wurde dafür nicht gegeben. Auch Essen und Trinken wurden uns verweigert. Gegen 22.30 Uhr konnten wir dann gehen.
F: Was wird Ihnen denn vorgeworfen?
Von der Polizei wurde mir gegenüber überhaupt nicht angegeben, wieso ich festgenommen worden bin. Es fand auch kein Verhör statt. Erst später habe ich erfahren, daß gegen manche der Blockierer wohl wegen Eingriffs in den Straßenverkehr und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz ermittelt wird. Was schon deswegen lächerlich ist, weil in dem Moment der »Blockade« der Verkehr schon durch die Polizei abgesperrt war. Ich konnte auch beobachten, wie Leute, die weiter entfernt auf einer Parkbank saßen, festgenommen wurden.
F: Was werden Sie jetzt tun?
Ich werde mich mit einem Anwalt besprechen. Danach werde ich entscheiden, ob ich weitere Schritte unternehme.
Interview: Frank Brendle
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