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[Quelle: Broschüre zum Konzept der Gratiszüge]
Aufruf zur Diskussion über einen Gratiszug nach Paris
In Paris wird im Herbst diesen Jahres ein EU-Gipfel stattfinden. Wie schon beim Kölner Gipfel wird es dort um die konkrete Zukunft der Europäischen Union gehen.
Die Gipfel sind die Repräsentations-Höhepunkte der EU. Damit sind sie Symbol für die EU-Politik und stehen für Sozialabbau und wirtschaftliche Liberalisierung im Inneren, Abschottung gegenüber MigrantInnen nach aussen, die wirtschaftliche, politische oder militärische Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen gegenüber Ländern in Osteuropa und im Trikont, die Verwertung der Natur im Europamaßstab (Agenda 2000, Transeuropäische Netze ...) und anderes mehr.
Wir gehen davon aus, dass der europäische Einigungsprozess die Rahmenbedingungen auch für die sozialen Bewegungen verändert hat. Gegen das Europa-Projekt der Herrschenden ist eine internationale Organisierung erforderlich. Als Kristallisationspunkt für eine übergreifende internationale Zusammenarbeit bietet sich der Widerstand gegen die EU-Gipfel an. Ansätze einer derartigen Organisierung sehen wir z.B. im Euromarsch-Bündnis. Allerdings bewegt sich bisher in Deutschland nur wenig, wie auch die linksradikale Mobilisierung gegen den EU-Gipfel in Köln gezeigt hat.
Unser Vorschlag ist, das Gratiszug-Konzept aufzugreifen, das in Frankreich und Italien erfolgreich praktiziert wird. So wollen wir an die Bewegungen in diesen Ländern anknüpfen und die Mobilisierung in Deutschland intensivieren und verbreitern. Folgende Beispiele sollen zeigen, was wir an diesem Konzept interessant finden:
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1.500 Menschen aus Italien fuhren 1997 zum EU-Gipfel nach Amsterdam, ohne zu bezahlen, ohne Kontrollen, ohne Papiere. Der Zug wurde allerdings in Deutschland und in Amsterdam gestoppt. Bezahlt wurde nicht, ob Papiere gezeigt wurden wissen wir nicht.
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Im März 1999 wurde in Frankreich und Italien zu einer europaweiten antirassistischen Demo anlässlich des dritten Jahrestages der Besetzung der St.-Bernhard-Kirche durch die Sans Papiers mobilisiert. Auch hier wurde der Versuch unternommen, aus Italien mit Gratiszügen - ohne zu bezahlen, ohne Kontrollen, ohne Papiere - nach Paris zu fahren. An der Aktion nahmen auch illegal eingereiste albanische Oppositionelle teil. 3.000 Menschen aus Italien und Albanien wurden an der französisch-italienischen Grenze von 2.000 CRS-Bereitschaftspolizisten gestoppt und an der Einreise gehindert.
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Zur Euromarschdemo gegen den EU-Gipfel in Köln reisten 1.200 Menschen aus Frankreich in einem Gratiszug an - ohne Kontrollen, ohne zu bezahlen, ohne Papiere, mit Erfolg. Für diesen Gratiszug wurde in Frankreich ein Jahr lang öffentlich mobilisiert.
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Darüber hinaus wurde das Konzept auch in den Niederlanden und Grossbritannien aufgegriffen, dort wurde für Gratiszüge nach Köln mobilisiert.
An die Gratiszug-Idee wollen wir zum Herbst diesen Jahres anknüpfen,
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weil sie das Europa der inneren und äusseren Grenzen praktisch, zumindest aber symbolisch, in Frage stellt. Das Gratiszugkonzept beachtet die Ausgrenzung von Menschen aufgrund nationaler Zugehörigkeit nicht. Gratiszüge sind ein teil antirassistischer Praxis.
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weil sie das Prinzip von Markt, Preis und Eigentum praktisch in Frage stellt. Damit wird das Prinzip des freien Zugangs zum gesellschaftlichen Reichtum für alle über das Prinzip des kapitalistischen Profits gesetzt.
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Weiter ist das Konzept international ausgerichtet, es wird in anderen Ländern schon praktiziert und wir können Verbindungen schaffen.
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Wichtig ist uns eine öffentliche Mobilisierung. Wir wollen die Forderung nach einem Gratiszug durch eine Kampagne verbreiten und so auch das Bewusstsein für die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und den Widerstand in Europa schärfen.
Wir hoffen auf Interesse und sind für Kommentare, Kritik und Anregungen dankbar.
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