Köln: Polizeiüberfall auf Buschwindröschen
An die Öffentlichkeit:
Am vergangenen Donnerstag, dem 20. April 2000, sollte im Buschwindröschen auf der Bonner Straße 84 das vereinsinterne Abschiedsfest stattfinden. Der lesbisch-schwule Verein Maria HIV e.V., der sich der HIV Prävention und der Integration an Aids erkrankter Menschen widmet, mußte seinen Treffpunkt in der Südstadt schließen. Das Abschiedsfest endete mit einer wahnwitzigen und gewaltsamen Räumung durch die Kölner Polizei.
Gegen 2.30 Uhr tauchten zwei Polizisten auf und verlangten die Konzession. Zwar konnte eine Nachtkonzession nicht gefunden werden, diese ist für eine geschlossene Veranstaltung jedoch auch nicht erforderlich. Noch während der Verhandlungen an der Theke haben ca. 50-70 Polizisten (mit 27 Streifenwagen und fünf Polizeihunden ohne Maulkorb!) ohne Vorwarnung das Buschwindröschen gestürmt, wobei die Gäste brutal aus dem Lokal gezerrt und zum Teil geschlagen wurden. Dabei fielen schwulen- und lesbenfeindliche Sätze wie "Komm raus Du schwule Sau!". Gäste wurden auf den Boden geschleudert und mit den Hunden bedroht. Fünf wurden mit auf dem Rücken gefesselten Händen zum Waidmarkt mitgenommen. Während des Transports wurden sie weiter bedroht und beschimpft. Dabei fielen unter anderem folgende Aussprüche: "Wir stehen auf blonde arische Jungs wie Dich", "Wir können Dir auch das Nasenbein brechen" und (auf die Frage hin, was das drohende Herumspielen mit dem Gummiknüppel soll) "Den kann ich Dir auch hinten rein schieben, das würde Dir doch gefallen, so wie Du aussiehst".
Im Gefängnis wurde einer Frau gedroht, dass die männlichen Kollegen geholt würden, wenn sie sich nicht freiwillig für eine Leibesvisitation entkleidet. Eine andere Frau mußte nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet die Nacht in der kalten Arrestzelle verbringen. Das Recht auf ein Telefonat wurde allen verweigert. Ein Mann mit Kopfverletzung mußte in der Zelle zwei Stunden auf einen Arzt warten.
Zwischen 7 und 8 Uhr morgens wurden die fünf entlassen, erst jetzt wurden ihnen die Gründe für die Gefangennahme mitgeteilt: Platzverweise sowie in einem Fall Widerstand gegen Polizeibeamte.
Dieser brutale Einsatz bedarf natürlich einer Rechtfertigung durch die Polizei. Im Polizeibericht an die Presse wurde darum behauptet, die beiden Polizisten seien im Lokal festgehalten und bedrängt worden und mußten deshalb "gerettet" werden. Das ist gelogen. Die beiden Beamten konnten jederzeit ein- und ausgehen. Die Gäste waren friedlich. Bis zum Eintreffen der Verstärkung haben Vereinsmitglieder mit dem einen Beamten gesprochen. Die Räumung erfolgte dann völlig überraschend und ohne Vorwarnung.
Köln, den 2. Mai 2000
Maria HIV e.V. Bonner Straße 84 50677 Telephon: Köln 830 4214
|