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[Quelle: www.der-erste-mai.de - 12.5.2000]
1.Mai 2000
ein Erlebnisbericht
Ganz im Zeichen des 1.Mai-Mottos, erst nach Hellersdorf und dann zur Revoluzzionären, habe auch ich meinen Tag verbracht. Die 1200 NPD-Sucker sind leider nicht übertrieben gewesen. Die NPD argumentierte für den Kundgebungsstandort auch mit dem Willen wieder einmal die Basis aufsuchen zu wollen! Der polizeiliche Schutz der doitschen Veranstaltung lief so ziemlich hervorragend. Die Nazis waren nur von wenigen Protestanten umgeben, sangen die Hymne, Heimatlieder und SA-Liedergut ab. Die Polizei war massiv präsent, ein Herannahen für AntiFA-Gruppen fast unmöglich. Die Braunköppe liefen relaxt durch unsere Reihen, ohne daß ihnen auch nur im Ansatz die Knie weich wurden. Die Polizei war aber stellenweise zu langsam, so daß mehrmalig Protestanten und Nazi-Trupp direkt nebeneinander liefen. Ausschreitung gab es keine, nur immer wieder verbale Pöbeleien, alles zu ruhig, aber eben unter Sonne nach zehrendem Warten. Irgendwann als die Braunköppe in Sicherheit waren, durfte man dann auch wieder die Öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.
Ziemlich kaputt wollte ich des Abends noch zum Auftritt eines Freundes zum Mariannenplatz, leider kam ich zu spät. Erst jetzt entschied ich mich auf die Revoluzzionäre zu gehen. Die Demonstration war noch nach 19 Uhr sehr ruhig, es erstaunte mich und ließ mich weiter verweilen. Bis 20:10 habe ich den Zug genossen, dann verpisste ich mich, keine Minute zu früh. Man wollte mich als Einzelperson schon vor Beendigung der Demo nicht gehen lassen. Ich sagte:"Ich möchte die Demonstration verlassen, solange sie noch friedlich ist." Darauf das PIG:"Was wollen Sie denn, die Demo ist doch friedlich. Ich lasse Sie hier nicht raus!" Zum O-Platz solle ich gehen, bin ich aber nicht. Ich bin bei erster Gelegenheit aus der Demo regelrecht ausgebrochen, so sah ich auch die Kesselbildungsaktion. Mehrere Linien aus Polizeigerät bildeten sich bis zum Moritzplatz, darunter rasten nun schon Wasserwerfer, Wannen und Räumfahrzeuge. Jeder Linienbildung galt es für mich zuvorzukommen. Dabei habe ich auch einen zivil anmutenden Lieferwagen gesehen; erst rasend, bremste er hart und ein halbes Dutzend schwarz Vermummte, bewaffnet mit dicken Polizeiknüppeln sprangen heraus - echt keine Ahnung was das für welche waren. Allein durch Schnelligkeit und doitsches Auftreten konnte ich Kreuzberg verlassen. Dann sah ich den Hubschrauber kreisen und das Meer von Blaulicht... Die Demo war kurz nach 20 Uhr friedlich & noch nicht vorrüber und schon präsentierte sich der Polizeistaat in seinem ganzen Glanz. Bullen haben Heinrich-Heine-Straße in Berlin-Mitte zugemacht. Personen, die aufgrund ihrer Kleidung zum linken Spektrum zugeordnet wurden, durften nicht passieren. Weiter wurde U2-Märkisches Museum, sowie U2-Mohrenstrasse unter polizeiliche Kontrolle gestellt. Als erstes aber wurde U8-Moritzplatz dichtgemacht. Wer nach hause gehen wollte, konnte es nicht!
--> Der Widerstandskämpfer Copy gehört zu dem 30-köpfigen neutralen Demo-Beobachtungsteam. Von ihm existiert ein Leserbrief zu Lasten der Polizei, gedruckt im ND, es handelt sich um die Kopie des Briefs an Herrn Innensenator Werthebach (CDU).
unbekannt
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