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[Quelle: junge Welt - 10.7.2000]
Interview
Trotz Verletzung in Haft? junge Welt sprach mit Clemens G.
Clemens G. ist einer der inhaftierten Teilnehmer der 1.-Mai-Demonstration
F: Nach der revolutionären 1.-Mai-Demonstration wurden Sie in Berlin-Kreuzberg festgenommen. Warum?
Mir wird vorgeworfen, Polizisten mit Steinen beworfen zu haben. Der konkrete Vorwurf in der Anklageschrift lautet schwerer Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt.
F: Was passierte dann?
Ich bin in die Justizvollzugsanstalt Moabit eingewiesen worden. Es war schlimm. Jeder Tag ist ähnlich: Du verbringst 23 Stunden am Tag in der Zelle und bekommst eine Stunde Hofgang.
F: Sie hatten von der Festnahme zahlreiche Verletzungen. Wie hat man sich um Sie in der JVA gekümmert?
Ich wurde gleich am ersten Tag dem Arzt im Gefängnis vorgestellt. Dieser röntgte meinen Kopf und meine Rippen. Er stellte nichts fest. Nach meiner Entlassung habe ich wegen starker Schmerzen einen zweiten Arzt aufgesucht. Dieser Arzt röntgte mich ein zweites Mal und stellte fest, daß zwei meiner Rippen gebrochen waren.
F: Warum wurden Sie vor Ihrer Verhandlung aus der JVA Moabit entlassen?
Ich bin am 22.Mai durch eine Kaution von 30000 DM entlassen worden. Mit der Auflage, mich dreimal die Woche zu melden. Ich schätze, daß die gute Arbeit meines Anwaltes und die Solidaritätsarbeit dazu beigetragen haben. Ohne die Unterstützung wäre es niemals möglich gewesen, die Kaution von 30000 DM zu stellen.
F: Worin bestand diese Solidaritätsarbeit?
Gleich nach dem 1. Mai bildete sich ein »Solidaritätskreis für die Gefangenen des 1. Mai«. Der organisierte eine Knastkundgebung mit mehreren hundert Teilnehmern. Auch diese Veranstaltung wurde von der Polizei angegriffen. Es folgten zwei unangemeldete Soliaktionen vor der JVA Moabit. Des weiteren fand eine gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit statt, die meinen Fall bekanntmachte.
F: Was wird in nächster Zeit auf Sie zukommen?
Es wird einen Prozeß gegen mich geben. Werde ich verurteilt, kann dies für mich unter Umständen ein Jahr Gefängnis bedeuten.
F: Was passiert mit den Polizisten, die Sie bei der Festnahme verprügelt haben?
Mein Anwalt wird Anzeige gegen unbekannte und mittlerweile bekannte Polizeibeamte stellen. Jedoch ist zu erwarten, daß die Anzeigen eingestellt werden.
Interview: Rainer Duncker
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