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[Quelle: Flugblatt]
Auf nach Hellersdorf!!
Wie so viele andere ostdeutsche Plattenbaubezirke stehen auch Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf für seit Jahren fast unbehelligt stattfindende Naziaktivitäten. So marschierten bereits am 1. Mai 1996 etwa 300 Neonazis durch den Nachbarbezirk Marzahn. In Absprache mit der Polizei verschwieg der damalige PDS-Bürgermeister ihr Vorhaben und verhinderte so antifaschistische Gegenaktionen. Ein dreiviertel Jahr später, am 15. Februar 1997, versuchte die Jugendorganisation der NPD, die JN, erneut einen öffentlichen Aufmarsch in Hellersdorf. Dieser konnte durch eine breitere Öffentlichkeit und militante Angriffe verhindert werden.
Aus Rache griff wenig später der mittlerweile bekannte Nazi-Terrorist Kay Diesner einen PDS-Buchhändler in Berlin-Marzahn mit einer Pumpgun an und verletzte diesen so schwer, dass dieser dabei einen Arm verlor. Die Tat wurde sofort als Aktion eines durchgeknallten Einzelgängers dargestellt, obwohl rechtsextreme Gewalt schon seit Jahren zum prägenden Element vieler Plattenbaubezirke gehört.
Im Jahre 1992 wurde der Vietnamese Nguyen Tu am hellichten Tage in einer belebten Marzahner Einkaufspassage Opfer eines rassistischen Mordanschlages. Für nichtdeutsche und alternative Jugendliche stellen gezielte Angriffe durch Neonazis eine alltägliche Bedrohung dar.
Diese speist sich nicht nur aus der dumpfrassistischen Haltung vieler Jugendlicher, sondern auch und gerade aus den seit Jahren kontinuierlichen Aktivitäten organisierter Strukturen. Schon Anfang der 90er war die inzwischen verbotene FAP in Marzahn und Hellersdorf aktiv.
Nach dem Verbot organisierten sich diese und andere in der jetzigen NPD/JN, durch die sie nun die Möglichkeit hatten, gerade auch zu den Wahlen ihre rassistische Propaganda zu verstärken. So finden seit Jahren öffentlich Infostände, Veranstaltungen und andere Aktionen statt. Auch der Spitzenkandidat der Berliner NPD, Andreas Storr, hat als ehemaliger Bundesvorsitzender der JN in Marzahn gewohnt. Zu diesem Zeitpunkt war der Ortsverband Marzahn/Hellersdorf der JN der grösste in Berlin.
Seit der Verbotswellegegen mehrere neofaschistische Parteien und Organisationen sammelt sich ein anderer Teil der Nazi-Szene in den sogenannten "Freien Kameradschaften". Davon existieren gleich mehrere in den genannten Bezirken, so z.B. die Kameradschaften Kaulsdorf, Mahlsdorf, Hellersdorf, Marzahn und Hohenschönhausen. Diese gehören der militanten Berliner Neonaziszene an und treten in der Öffentlichkeit besonders aggressiv auf. Zum Todestag von Rudolf HEss marschierten 1999 einige Dutzend Faschisten aus dem Kameradschaftsspektrum unangemeldet durch Hellersdorf, bis die Polizei dies beendete. Ebenfalls aus dem Hellersdorfer Ortsteil Mahlsdorf kommt die Berliner Anti-Antifa-Aktivistin Daniela Fröhlich, welche schon als Fotografin auf Berliner Antifa-Demos gesehen wurde.
Auch die AktivistInnen der Berliner Sektion des weltweit agierenden rechtsextremen Skinhead-Netzwerks "Blood & Honour" haben sich insbesondere in dem ehemaligen Ostteil der Stadt organisiert, so haben diese laut einer Anfrage im Abgeordnetenhaus ein eigenes Haus in Marzahn. Seit Ende 1998 tauchen sie mit eigenen Blöcken und Symbolen auf grösseren Aufmärschen auf. Die Berliner Sektion existiert schon seit 1995 und beteiligt sich bundesweit und international an der Organisation von Nazi-Konzerten. Ausserdem vertreibt diese auch eine eigene bundesweite Zeitung, Fascho-CDs und Nazi-Utensilien.
In Verbindung mit den "normalrassistischen" Jugendcliquen ist es möglich, dass die NPD auch ohne bundesweite Mobilisierung einige hundert Neonazis auf die Strasse bringen kann.
Aus den Erfahrungen vom 1.5.98 in Leipzig und 12.3.00 in Kreuzberg denken wir, dass ein dezentrales Konzept auch dieses Mal die sinnvollste Möglichkeit darstellt, den Naziaufmarsch effektiv zu be- oder verhindern. Auf jeden Fall wird Euch an diesem Tag ein Radiosender immer über die neuesten Entwicklungen informieren. Da die von der PDS angemeldeten Gegenkundgebungen bereits verboten wurden, können wir Euch derzeitig keine Treffpunkte empfehlen, ausser ein BürgerInnen-Fest auf dem Alice-Salomon-Platz (U-Bhf. Hellersdorf), welches allerdings von allen in der BVV vertretenen Parteien veranstaltet wird. Da aber auch die Möglichkeit besteht, dass die Berliner NPD an einem Aufmarsch in einer anderen Stadt teilnimmt, solltet Ihr alle flexibel sein und Euch darauf vorbereiten. Die neuesten Informationen und wahrscheinlich auch noch ein paar andere Treffpunkte gibt es auf jeden Fall auf der VV am 29.4.00.
Infos unter Antifa-Infotelefon: 0177-3638242
oder per E-Mail: arbeitsgruppe@netscape.net
Termine:
29.04.00 - 20.00 Uhr VV im Versammlungsraum des Mehringhofes, Gneisenaustr. 2a, Berlin-Kreuzberg
01.05.00 - 10.00-17.00 Uhr Naziaufmarsch in Berlin-Hellerdorf verhindern!
01.05.00 - 18.00 Uhr Revolutionäre 1. Mai-Demo, Oranienplatz, Berlin-Kreuzberg
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