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[Quelle: http://seite1.web.de - 27.7.2000 18:02 Uhr]
Schönbohm trifft den «nationalen Widerstand»
Brandenburger Innenminister diskutiert mit rechten Jugendlichen - Aber die finden das sinnlos.
Von AP-Korrespondent Sven Kästner
Cottbus (AP) «Hier marschiert der nationale Widerstand», und zwar in Gestalt des 17-jährigen Ronny. Nach einem fragenden «Ist der Alte schon drin?» schiebt sich der Gerüstbauerlehrling zwanzig Minuten zu spät durch die Tür des Cottbusser Jugendklubs «Flash 29». Drinnen ist an diesem Donnerstagnachmittag das Gespräch zwischen rechten Jugendlichen und dem Brandenburger Innenminister Jörg Schönbohm bereits im Gange. «Na klar hab' ich das T-Shirt heute extra angezogen», antwortet Ronny auf die Frage nach dem markigen Spruch auf seinem Bauch. «Da hat er aber nüscht zu gesagt.»
«Überhaupt hat er immer abgeblockt, wenn wir mal richtig reden wollten», schimpft René, nachdem der Minister wieder weg ist. Während des Gesprächs mussten Journalisten vor der Tür warten, Schönbohm wollte mit den Jugendlichen alleine sein. «Sonst trauen die sich nicht zu sprechen», erläutert der CDU-Landtagsabgeordnete Burkhard Schöps, der das Treffen organisiert hat. Erst im Anschluss informiert Schönbohm über seine Unterhaltung.
Doch so öffentlichkeitsscheu sind die Jungmänner gar nicht. «Das ist doch sinnlos, was der macht», sagt Martin nach der Runde mit dem Minister, «Das wird immer Ärger geben, wenn einer von uns auf Linke trifft». Der stämmige Kellnerlehrling hält nichts von Schönbohms Vorschlag, ein Fußballturnier zwischen Linken und Rechten zu organisieren. «Gibt nur Ärger. Weiß auch nicht warum, ist aber so», erklärt der 18-Jährige. «Da wird immer gesoffen, und dann geht's halt irgendwann los», ergänzt Ronny, der inzwischen eine Bierflasche vor die provokante Aufschrift auf seinem Bauch hält.
Schönbohm äußert Verständnis für die Ängste der Jugendlichen. «Sie leben in Vorurteilen, und die müssen wir aufbrechen», erklärt der CDU-Politiker. «Zum Beispiel Du, erzähl doch mal, was Du vorhin gesagt hast», fordert er von Martin. «Naja, dass ich mich eben kaum noch in die Altstadt traue», brummelt der. Die Linken erzählen solche Geschichten genau anders herum. «Sehen Sie, und aus dieser Spirale müssen wir raus», sagt Schönbohm.
Zu viele Ausländer bei Energie Cottbus
Doch die Linken sind nur einer der Feinde. «Ausländer sind mir egal, solange sie sich ruhig verhalten, sag ich mal», erklärt René. Das scheint in Cottbus häufig nicht der Fall, wie er gleich am Beispiel der russischen Türsteher einer Diskothek erläutert. «Wenn denen ein Gesicht nicht passt, schlagen sie gleich zu.» Die Begeisterung über den Bundesliga-Aufstieg des 1. FC Energie Cottbus können Martin und seine Freunde ebenfalls nicht nachvollziehen. «Vom Verein bin ich noch Fan, aber mit einzelnen Spielern kann ich mich nicht identifizieren. Da stehen ja elf Spieler mit 13 verschiedenen Nationalitäten auf dem Platz, von denen kann ich mir noch nicht mal die Vornamen merken», sagt Ronny.
Schönbohm erzählt nach seinem Besuch, er habe die Jugendlichen gefragt, wer überhaupt Ausländer kenne. «Es kam heraus: Keiner.» Jetzt will der Minister Erwachsene finden, die den Jugendlichen ihre Vorurteile nehmen. Mittlerweile aber bescheinigen mehrere Studien den neuen Ländern eine latente Ausländerfeindlichkeit. Erst am Donnerstag hatte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse beklagt, dass Fremdenhass bei einem beträchtlichen Teil der Ostdeutschen selbstverständlicher Teil des Alltagsbewusstseins sei.
Schönbohm hatte den Cottbuser Klub schon einmal kurz vor der Landtagswahl im Juli 1999 besucht und war damals einigermaßen erschüttert über die Meinungen der Jugendlichen zu Ausländern. Daran habe sich nichts geändert, sagt er jetzt. «Es wäre auch blauäugig zu glauben, dass dies in einem Jahr geschieht.» Dann begibt er sich für eine Partie Tischtennis ins Hinterzimmer des Klubs. Nach wenigen Minuten steht es 11:4 für einen der Jugendlichen. Jörg Schönbohm hat verloren.
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