Termine | Adressen | Volxküchen | Themen | Links | Kontakt | Startseite
  "Dumm, hässlich und brutal"
Demonstranten stellen sich in Berlin dem Aufmarsch der rechtsextremen NPD entgegen.
Frankfurter Rundschau 27.11.2000


  Keine Lust, der Prügelknabe zu sein
Die Polizei löste wegen 3000 Gegendemonstranten den NPD-Marsch auf.
Tagesspiegel 27.11.2000


  Endstation Alexanderplatz
Tausende von Demonstranten verhinderten am Sonnabend den NPD-Marsch bis zur Neuen Wache. Szenenapplaus für die Polizei.
Berliner Zeitung 27.11.2000


  Polizei machte dem NPD-Spuk ein Ende
1400 Rechtsextreme auf der Straße - 3000 Gegendemonstranten - Vereinzelte Zusammenstöße.
Tagesspiegel 26.11.2000


  Verletzte nach Prügeleien und Steinwürfen
Bei den Auseinandersetzungen während der NPD-Demonstration hat es mehrere Verletzte gegeben.
Berliner Morgenpost 26.11.2000


  Polizei beendet NPD-Zug durch Berlin
Die Polizei hat den NPD-Aufmarsch in Berlin vorzeitig beendet. Nach Angaben einer Polizeisprecherin konnte die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden.
Yahoo! Schlagzeilen 25.11.2000 - 18:06 Uhr


  Herbe Niederlage für NPD in Berlin
Nazi-Aufmarsch durch breiten antifaschistischen Protest gestoppt. Berliner Polizei überfährt linke DemonstrantInnen mit Einsatzfahrzeug.
AAB 25.11.2000 - 17:01 Uhr


  Polizei beendet NPD-Demonstration in Berlin
Wegen massiven Protesten gegen die NPD hat die Polizei am Samstag in Berlin die Demonstration der rechtsextremen Partei beendet.
BerlinOnline 25.11.2000 - 16:01 Uhr


  NPD marschiert in Berlin - Schlägerei in Marzahn
Unter massivem Polizeiaufgebot marschiert die NPD in Berlin.
BerlinOnline 25.11.2000 - 12:20 Uhr



[Quelle: Frankfurter Rundschau 27.11.2000]

"Dumm, hässlich und brutal"

Demonstranten stellen sich in Berlin dem Aufmarsch der rechtsextremen NPD entgegen.

Von Wolfgang Kunath (Berlin)

Rund 3000 Gegendemonstranten haben am Samstag in Berlin den Abbruch eines NPD-Aufmarsches erzwungen. Nach ersten Zwischenfällen löste die Polizei die Veranstaltung auf und verfrachtete die Neonazis teils gewaltsam in Sonderzüge.

In den Szene-Kneipen von Friedrichshain herrschte am Samstagabend Feierstimmung. Die NPD in ihre Schranken zu verweisen - was der Staat nicht schafft, gelang offenbar den Linken. Der Aufmarsch von rund 1500 NPD-Anhängern, die gegen das drohende Verbot ihrer Partei in Berlin demonstrieren wollten - ursprünglich am Brandenburger Tor, was die Behörden aber untersagten -, wurde mittags abgebrochen und aufgelöst. Wegen der vielen Gegendemonstranten, so teilte die Polizei um 15.18 Uhr per Lautsprecher mit, bestehe "Gefahr für die öffentliche Sicherheit sowie Leib und Leben der Teilnehmer".

Auf den NPD-Slogan "Frei, sozial und national" pflegen die Gegner mit dem Spruch "Dumm, hässlich und brutal" zu antworten. Und als wären die Rechten darüber ins Grübeln gekommen, wurde ihr Zug von sechs jungen, durchwegs blonden Transparent-Trägerinnen angeführt. Die selbst aus Bayern und Baden-Württemberg angereisten Rechten hatten sich am Vormittag außerhalb Berlins gesammelt. Via Sonderzug trafen sie am Ostbahnhof ein. Dort hielt ihr Bundesvorstandsmitglied Lennart Aae mit überschnappender Stimme eine anheizende Rede.

Durch die Straße der Pariser Kommune, vorbei am Redaktionsgebäude des früheren SED-Organs Neues Deutschland, dann durch die von den sogenannten Arbeiterpalästen der fünfziger Jahre gesäumte ehemalige Stalin-Allee - die teils blutjungen Rechten werden die ihrer Marschroute innewohnenden Ironien wohl gar nicht bemerkt haben. Von knapp 4000 Polizisten aus mehreren Bundesländern geschützt - und zugleich bewacht wie "ein Gefangenenstrafzug", befand der NPD-Vorsitzende Udo Voigt -, beschimpften sie die am Rande mitlaufenden Linken, die wiederum zurückschimpften.

Vorher hatte sich das Bündnis "Europa gegen Rassismus" am Roten Rathaus versammelt, wo unter anderen Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zu Geschlossenheit gegenüber dem Rechtsradikalismus aufgerufen hatte. Viele der rund 3000 Teilnehmer liefen die paar Schritte hinüber zum Alexanderplatz, um den Zug der Rechten zu erwarten, der dort eine Kundgebung halten sollte. Die wurde der zahlreichen Gegendemonstranten wegen abgeblasen. Die Polizei dirigierte den Zug um. Nahe des Alexanderplatzes eskalierte die Lage: Flaschen, Steine und Leuchtkugeln flogen in die Menge der NPD-Leute. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, verzichtete dann aber darauf, den Rechten weiterhin mit Gewalt den Weg zu bahnen. Der Demonstrationszug wurde in eine breite Gasse zwischen der Hochbahn und einem Geschäftshaus geleitet, und dort stellte dann die Polizei per Lautsprecherdurchsage fest, dass sie nicht mehr in der Lage sei, die Sicherheit zu gewährleisten.


[Quelle: Tagesspiegel 27.11.2000]

Keine Lust, der Prügelknabe zu sein

Die Polizei löste wegen 3000 Gegendemonstranten den NPD-Marsch auf.

Holger Stark

"Kindermörder, Kindermörder", hatten viele der linken Gegendemonstranten am Sonnabend immer wieder gerufen - in Anspielung auf den toten sechsjährigen Joseph aus Sebnitz. Die Rufe klangen anders, als die obligatorischen "Nazis raus"-Parolen bei früheren Aufmärschen. Wütender. Emotionaler. Irgendwann, lag da mit in den Stimmen, ist eine Grenze erreicht. Irgendwann muss Schluss sein.

An diesem Sonnabend war auf dem Alexanderplatz Schluss. Um 15.18 Uhr löste der Einsatzleiter der Polizei die Demonstration der rechtsextremen NPD gegen ein drohendes Verbot der Partei auf. Angesichts der Vielzahl von Gegendemonstranten, die sich vor der Neuen Wache und auf dem Alexanderplatz versammelt hatten, sei die öffentliche Sicherheit nicht mehr zu gewährleisten, teilte der Einsatzleiter den Rechtsextremen mit. Für die war es eine Niederlage ersten Ranges: Erst hatten sie medienwirksam durch das Brandenburger Tor marschieren wollen, sich dann auf eine Route über den Alex bis zur Friedrichstraße runterhandeln lassen. Nun durften sie lediglich einige Kilometer über die triste Karl-Marx-Allee laufen. Auf dem Alex flogen ihnen Flaschen, Steine und Leuchtspurmunition entgegen, an der Leipziger Straße stoppten auf die Straße gelegte Gitter und Holzbalken ihren Weg. Voller Frust ließen sich die etwa 1500 kurzhaarigen Rechten in die S-Bahn bringen. Als sie auf dem Bahnsteig Widerstand leisteten, zogen die Beamten kurzerhand die Knüppel.

Dass zum ersten Mal in diesem Jahr ein NPD-Aufzug gestoppt wurde, lag an mehreren Faktoren. Die Polizei sei wieder einmal zum Prügelknaben zwischen den Lagern geworden, hieß es in einer ersten Stellungnahme der Innenverwaltung am Sonnabend. Das stimmt nur zum Teil: Die Flaschenwürfe waren eine Sache von wenigen Minuten; lediglich vier Polizisten wurden so leicht verletzt, dass sie im Dienst bleiben konnten - viel weniger als bei ähnlichen Veranstaltungen. Die Beamten wollten diesmal nicht zum Prügelknaben werden, und sie wollten nicht die gesamte City-Ost in den Ausnahmezustand versetzen. Etwa 2000 Gegendemonstranten rund um den Alexanderplatz, und weitere 1000 vor der Neuen Wache hätten es der Polizei sehr schwer gemacht, den Rechtsextremen den Weg bis zur Friedrichstraße frei zu räumen. Die öffentliche Sicherheit gelte eben auch für die vielen Unbeteiligten, sagte der Sprecher des Innensenators, Stefan Paris, gestern. "Die Polizei hat sich gut und besonnen verhalten und das ihr zur Verfügung stehende rechtliche Instrumentarium genutzt."

Innerhalb der Polizei gab es durchaus Bedenken gegen einen Abbruch. Es sei eine folgenreiche Entscheidung, 1500 Leuten das Versammlungsrecht zu verweigern, nur, weil sich ihnen andere in den Weg stellten, sagte ein leitender Beamter. Andererseits vermuteten die Polizisten den harten Kern der linken Szene vor der Neuen Wache. Die Polizei hätte es wohl geschafft, den Weg frei zu machen - aber zu einem hohen Preis.

Dass es zu einer solchen Konstellation kam, lag auch daran, dass die Gegendemonstranten diesmal entschlossener waren. Die Initiative "Europa ohne Rassismus" hielt diesmal nicht wie noch im März lediglich Reden von der Bühne herab, während die Rechten einige hundert Meter weiter demonstrierten. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte dazu aufgerufen, dem "rechten Mob" nicht die Stadt zu überlassen - und diesmal ging die Initiative der NPD entgegen. Die 400 Linken, die die NPD in Friedrichshain begleitet hatten, stellten für die Polizei kein großes Problem dar - 3000 Protestierer, davon etwa die Hälfte Autonome, schon. Auch ohne Straßenschlacht mussten die Polizisten alleine 980 Platzverweise erteilen; 37 Demonstranten wurden festgenommen.

Für die Neonazis endete der Tag mit einem weiteren Frust-Erlebnis. 400 der Demoteilnehmer wollten anschließend zu einem Skin-Konzert nach Sachsen-Anhalt fahren. Die Polizei löste das Konzert auf, die 400 Rechten, die aus Berlin kamen, wurden bereits auf den Zufahrtswegen abgefangen.


[Quelle: Berliner Zeitung 27.11.2000]

Endstation Alexanderplatz

Tausende von Demonstranten verhinderten am Sonnabend den NPD-Marsch bis zur Neuen Wache. Szenenapplaus für die Polizei.

Andreas Kopietz und Tobias Miller

Es waren keine Vermummten, keine Bunthaarigen und keine Punks, die dieses Mal das Bild der Gegendemonstration bestimmten - zumindest an der Neuen Wache Unter den Linden. Mehr als tausend Menschen, die meisten nicht älter als 25, aber auch Eltern mit Kindern und Senioren, standen am Sonnabend vor der nationalen Gedenkstätte und blockierten die geplante Marschroute der NPD. Rechtsextreme aus dem gesamten Bundesgebiet wollten vom Ostbahnhof über den Alexanderplatz an der Neuen Wache vorbei zur Friedrichsstraße ziehen und gegen das geplante Parteiverbot demonstrieren. Wegen der rund 4.000 Gegendemonstranten löste die Polizei um 15.30 Uhr die NPD-Demo auf.

Am Nachmittag hatte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) die Bürger zu mehr Zivilcourage aufgefordert. Solche Aufmärsche der Rechten seien nicht eine Frage des Versammlungsrechts, "sondern wir sind zuständig. Überlasst ihnen nicht unsere Straßen und Plätze", sagte er bei einer Kundgebung der Initiative "Europa ohne Rassismus" am Roten Rathaus.

Blondierte Mädchen

Am Vormittag hatten sich die rund 1.400 NPD-Anhänger noch ungestört am Ostbahnhof in Friedrichshain sammeln können. Drei wurden festgenommen, weil sie die Polizeiauflagen nicht einhielten. Nur Fahnen der Bundesländer und 20 NPD-Flaggen durften mitgeführt werden. Trommeln und Uniformen waren verboten. Auch die Zahl der Transparente war beschränkt. Das zentrale Spruchband mit der Zeile "Deutschland kann man nicht verbieten" wurde von fünf Mädchen mit blondgefärbten Haaren getragen. Der Aufzug der Rechten wurde von fast 4.000 Polizeibeamten begleitet.

Fast zeitgleich begann neben dem Roten Rathaus die Gegen-Kundgebung der Initiative "Europa ohne Rassismus". Nach Schätzung der Veranstalter standen rund 3.000 Menschen vor der Bühne. Teilnehmer zeigten sich enttäuscht, dass nach der Großdemonstration am 9. November mit damals 200.000 Menschen nicht mehr gekommen waren. Bis auf die CDU unterstützten alle Parteien die Veranstaltung. Die Kirchen waren vertreten wie auch die Jüdische Gemeinde. Ihr Vorsitzender Andreas Nachama rief wie Thierse zu einem gemeinsamen Vorgehen von Bürgern und Politikern gegen rechte Gewalt auf. Hinter der Bühne wurde zwei jungen Polizisten von einem älteren Herrn vorgeworfen, sie schützten "die Faschisten".

Die Kundgebung am Roten Rathaus war längst beendet, als der NPD-Aufzug den Alexanderplatz gegen kurz vor 15 Uhr erreichte. Er wurde von mehreren hundert Gegendemonstranten flankiert, darunter Autonomen, die sich mit der Polizei Rangeleien lieferten. Es waren aber zahlreiche Menschen darunter, die den Sticker der Großdemonstration vom 9. November an der Jacke trugen: "Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz". Zum Beispiel Brigitte und Hans Holm, 52 und 55 Jahre alt. "Es wäre schöner, wenn noch mehr Menschen direkt am Demo-Zug protestieren würden", sagten sie. Sie hatten den Polizisten an einer Absperrung erklärt, eigentlich zum Möbelhaus zu wollen und wurden durchgelassen. Renate Strand (62), die vom Einkaufen kam, stand schweigend in der Straße der Pariser Kommune und zeigte den Rechten ihren Daumen. Er zeigte nach unten. "Inzwischen protestieren auch mehr ältere Leute", sagte sie. "Aber es müssten noch viel mehr werden." Das fand auch der 33-jährige Lehrer Harald Hahn, der ein Transparent hochhielt, auf dem stand: "Wo sind die Anständigen?" In München seien die Rechten neulich von Gegendemonstranten vertrieben worden, sagte er. "In Berlin können sie ungehindert marschieren." Er hatte Unrecht. Am Alexanderplatz war Endstation für die NPD. Flaschen und Steine flogen, Feuerwerkskörper wurden abgeschossen und Barrikaden gebaut. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein, um die Steinewerfer zurück zu drängen.

Während sich am Alex die Autonomen mit der Polizei rangelten, liefen Hunderte von Menschen auf der Karl-Liebknecht-Straße in Richtung Neue Wache, um den Platz zu besetzen. Selbst wenn man die NPD-Demo am Alexanderplatz hätte durchsetzen können, wäre die Situation spätestens am Straßenengpass vor der Neuen Wache unkontrollierbar gewesen. Daher entschied die Polizei, den Aufzug der Rechten am Alex zu beenden.

Sitzstreik auf dem Bahnsteig

Die Bilanz: 37 Festnahmen auf beiden Seiten, 980 Platzverweise, vier verletzte Polizisten und sechs verletzte Demonstranten. 17 Festnahmen gab es auch am Abend in der Frankfurter Allee, als linke Jugendliche mit einer Kundgebung dem 1992 von Rechten ermordeten Silvio Meier gedachten. Laut Polizei wurden bei Stein- und Flaschenwürfen vier Polizisten verletzt.

Zu dieser Zeit waren die frustrierten NPD-Anhänger längst abgereist. Sie waren in einem S-Bahn-Sonderzug nach Schönefeld transportiert worden. Kurz versuchten die Rechten auf dem Bahnsteig einen Sitzstreik, um ihre festgenommenen "Kameraden" freizupressen. Die Polizisten trugen sie, wenn nötig, in den bereitstehenden Zug. Nachdem die S-Bahn abgefahren war, wurden vier festgenommene NPD-Anhänger unter dem Gejohle der Gegendemonstranten durch den Bahnhof abgeführt. Als kurz darauf die Polizisten den Bahnsteig räumten, bekamen sie Szeneapplaus.

Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hatte es im Vorfeld übrigens als Fehler bezeichnet, "jede NPD-Demonstration mit einer groß angekündigten Gegenkundgebung aufzuwerten".


[Quelle: Tagesspiegel 26.11.2000]

Polizei machte dem NPD-Spuk ein Ende

1400 Rechtsextreme auf der Straße - 3000 Gegendemonstranten - Vereinzelte Zusammenstöße

Um eine Straßenschlacht zwischen Teilnehmern an der NPD-Kundgebung und Gegendemonstranten zu verhindern, hat die Polizei den rechten Aufmarsch gestern Nachmittag um 15.20 Uhr vorzeitig für beendet erklärt. Zuvor war es in der Grunerstraße nahe dem Alexanderplatz zu Zwischenfällen gekommen, nachdem NPD-Sympathisanten und linke Gegendemonstranten aufeinander getroffen waren. Als vereinzelt Steine, Flaschen, Eier und Feuerwerkskörper auf die etwa 1400 Mitglieder der rechtsextremen Szene flogen, setzte die Polizei Wasserwerfer ein und drängte anschließend Hunderte der stadtweit insgesamt 3000 Gegendemonstranten in die Dircksenstraße ab. Auf beiden Seiten soll es durch Wurfgegenstände mehrere Verletzte mit Prellungen und Schürfwunden gegeben haben.

Beendet wurde die von 4000 Polizeibeamten flankierte Kundgebung schließlich mit der Begründung, man habe eine Eskalation der Ausschreitungen im Zuge des späteren Demonstrationsverlaufs an der Neuen Wache abwenden wollen. Dort hatte Udo Voigt, Vorsitzender der rechtsextremen Partei, die den Aufmarsch auf den 36. Jahrestag ihrer Gründung datiert hatte, eine Zwischenkundgebung geplant. Zu der kam es ebenso wenig wie zu einer ersten, die für den Alexanderplatz vorgesehen war. Eine gute Stunde nach Auflösung der Demonstration wurden die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Rechtsextremen, unter ihnen der frühere RAF-Anwalt Horst Mahler, der seit September NPD-Mitglied ist, mit S-Bahn-Sonderzügen nach Schönefeld gefahren, wo sie vormittags mit Bussen angekommen waren.

Begonnen hatte die Veranstaltung, die sich gegen das drohende Verbot der Partei richtet, mit einstündiger Verspätung gegen 13 Uhr am Ostbahnhof. Dort rotteten sich die mehrheitlich zwischen 14 und 25 Jahre alten NPD-Sympathisanten, unter ihnen etliche Mitglieder der Skinhead-Szene, von 10 Uhr an zusammen, um ihrer Gesinnung mit Sprechchören («Deutschland den Deutschen») und auf Transparenten «Deutschland lässt sich von euch nicht verbieten») Ausdruck zu geben.

Die dem Aufmarsch vorangehende Rede des NPD-Bundesvorstandsmitglieds Lennart Aae, dessen Tonfall und Gestik an eine schlechte Hitler-Parodie gemahnte, wurde wiederholt von gellenden Pfiffen der Gegendemonstranten unterbrochen. «Der internationalist-ist-ische Turrrbokapita-ta-ta-lismus», verhaspelte sich der zittrige Funktionär, dessen Argumentation die Demonstrationsteilnehmer weitgehend mit stumpfem Nicken folgten, «wird untergehen.» Der NPD-Vorsitzende Udo Voigt, der sich zuallererst vor dem Untergang seiner Partei ängstigt, räumte im Blick auf das massive Polizeiaufgebot ein, es sei «schon frustrierend, wie ein Gefangenenstrafzug durch die Stadt geführt zu werden.»

Ausländische Korrespondenten, die vor Ort berichteten, versicherten unisono, dass Aufzüge wie diese in ihren Heimatländern argwöhnisch beobachtet werden. «In Norwegen versteht man nicht, warum diese Leute überhaupt demonstrieren dürfen», sagte Ola Johnsrud vom Staatlichen Norwegischen Rundfunk, «sei es nun am Brandenburger Tor, sei es anderswo.» Die junge Französin Genevieve Oger, die für Radio Français über die Demonstration berichtete, zeigte sich erschreckt «über den Hass und die Gewaltbereitschaft der deutschen Rechtsextremisten. Im Vergleich dazu ist der Front national in meiner Heimat fast als harmlos anzusehen, weil er nur verbale Gewalt übt.»

Am Rande der Demonstration zeigte die deutsche Bevölkerung, für die die NPD zu sprechen vorgibt, mehrfach, was sie von den Extremisten hält. Im «Kino International» etwa prangte ein Transparent mit der Aufschrift «Scheiße».


[Quelle: Berliner Morgenpost 26.11.2000]

Verletzte nach Prügeleien und Steinwürfen

Bei den Auseinandersetzungen während der NPD-Demonstration hat es mehrere Verletzte gegeben. Nach ersten Informationen sollen sowohl Anhänger der rechtsextremistischen Partei als auch gewalttätige Gegendemonstranten sowie Polizeibeamte verletzt worden sein. Nähere Angaben über die Anzahl der Betroffenen und die Schwere ihrer Verletzungen konnte die Polizei zunächst nicht machen. Es habe sich jedoch vermutlich vorwiegend um Prellungen und Schürfwunden gehandelt, berichtete ein Behördensprecher. Zu den Blessuren sei es hauptsächlich durch Würfe von Gegenständen sowie bei Rangeleien gekommen.

Es gab sowohl Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten beider Lager, als auch zwischen gewalttätigen Angehörigen autonomer Gruppierungen und der Polizei. Vereinzelt nahmen die Beamten Demonstranten beider Seiten fest. Schon vor Beginn des NPD-Aufzuges musste ein 18-Jähriger aus Kaulsdorf ins Krankenhaus gebracht werden. Der kurzhaarige junge Mann, bekleidet mit Bomberjacke und Springerstiefeln, hatte eine Berliner Landesfahne bei sich. In der Altentreptower Straße wurde er nach Angaben der Polizei von mindestens vier Vermummten attackiert. Die Täter, die im linken Spektrum vermutet werden, sollen zunächst mit einer Leuchtpistole auf den Mann geschossen haben.

Nach Zeugenaussagen fielen sie schließlich über ihn her und schlugen mit kurzen Stöcken auf ihn ein. Er erhielt noch weitere Schläge und Tritte, als er schon am Boden lag. Schließlich entrissen die Angreifer ihm die Fahne und flüchteten. Der 18-Jährige musste Kopfwunden in einem Krankenhaus behandeln lassen.


[Quelle: Yahoo! Schlagzeilen 25.11.2000 - 18:06 Uhr]

Polizei beendet NPD-Zug durch Berlin

Die Polizei hat den NPD-Aufmarsch in Berlin vorzeitig beendet. Nach Angaben einer Polizeisprecherin konnte die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden.

Da sich an der NPD-Marschroute auch Touristen und Schaulustige befanden, verfügte die Polizei das vorzeitige Ende. Nach ihren Angaben hätten Unbeteiligte bei Einsätzen betroffen werden können.

Die Auflösung kam drei Stunden nach Demonstrationsbeginn am Alexanderplatz. Von dort mussten die nach Polizeiangaben rund 1.400 rechten Teilnehmer mit S-Bahnen die Stadt verlassen.

Zuvor war es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Dabei soll es laut Zeugenaussagen auch Festnahmen gegeben haben. Rund 3.000 Menschen hatten parallel gegen rechte Gewalt und den Aufmarsch der rechtsextremen NPD demonstriert. Am Alexanderplatz kam es dabei zu den Auseinandersetzungen.

Die fünfte NPD-Demonstration in Berlin in diesem Jahr war nur unter Auflagen genehmigt worden. So durften die NPD-Anhänger keine Trommeln und Nazi-Symbole mit sich führen.

Mit der Veranstaltung demonstrierte die NPD gegen ein mögliches Verbot ihrer Partei, nachdem Bundesregierung und Bundesrat beschlossen hatten, beim Bundesverfassungsgericht einen Verbotsantrag gegen die NPD zu stellen.

Am Roten Rathaus in Berlin hatten sich rund 3.000 Menschen zu einer Gegenkundgebung versammelt. Die Berliner Initiative "Europa ohne Rassismus" hatte zu der Veranstaltung aufgerufen. Als Redner trat hier Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) auf.

Die Polizei war mit großem Aufgebot in der Innenstadt präsent. Sie hatte nach Angaben einer Sprecherin knapp 4.000 Beamte aus Berlin, anderen Ländern und vom Bundesgrenzschutz im Einsatz. Auch Wasserwerfer und Räumfahrzeuge wurden aufgefahren.


[Quelle: AAB 25.11.2000 - 17:01 Uhr]

Herbe Niederlage für NPD in Berlin

Nazi-Aufmarsch durch breiten antifaschistischen Protest gestoppt. Berliner Polizei überfährt linke DemonstrantInnen mit Einsatzfahrzeug.

Am heutigen Samstag kam es in Berlin-Mitte und -Friedrichshain zu antifaschistischen Kundgebungen, Demonstrationen und Straßenblockaden. Anlaß war ein Aufmarsch der neofaschistischen NPD gegen den drohenden Verbotsantrag.

Die Antifaschistische Aktion Berlin [AAB] hatte zu Protestaktionen aufgerufen, mehrere angemeldete Kundgebungen fanden jedoch wenig Resonanz. Vielmehr säumten Bürgerinnen und Bürger die Wegstrecke der NeoNazi-Partei und sorgten für vielfältigen Protest.

Am Alexanderplatz schließlich kam es zu einer Straßenblockade. Der Polizei gelang es nicht, die Blockade aufzulösen und beendete daraufhin vorzeitig die NPD-Demonstration am S-Bahnhof.

Unter "Mörder, Mörder"-Rufen von Gegendemonstrantinnen und aufgebrachten BürgerInnen wurden die Alt- und Neonazis der NPD auf den Bahnsteig geleitet und mit Sonderzügen der S-Bahn abtransportiert.

Nach bisher unbestätigten Augenzeugenberichten fuhr im Bereich Neue Wache/Humboldt-Universität ein Polizei-Fahrzeug in eine Gruppe linker DemonstrantInnen, über Verletzte liegen gegenwärtig keine Informationen vor.

Bis zur Stunde gab es 22 Festnahmen von GegendemonstrantInnen, teilte der Berliner Ermittlungsausschuß mit, drei Festgenommene hätten zum Teil schwere Verletzungen erlitten.

"Der heutige Tag zeigt, dass antifaschistischer Widerstand nur auf der Straße und direkt vor Ort erfolgreich sein kann. Ohne Polizeipräsenz wäre die NPD garnicht erst losgelaufen!", erklärte eine SpecherIn der Antifaschistischen Aktion Berlin [AAB].

Am Abend findet in Berlin die traditionelle Silvio-Meier-Demo zum Gedenken an den vor acht Jahren von Neonazis ermordeten Hausbesetzer statt. Der Beginn am U-Bahnhof Samariterstraße wurde aufgrund der Anti-Nazi-Proteste auf 18:00 Uhr verlegt.

Antifaschistische Aktion Berlin


[Quelle: BerlinOnline 25.11.2000 - 16:01 Uhr]

Polizei beendet NPD-Demonstration in Berlin

Berlin, 25. November (AFP) - Wegen massiven Protesten gegen die NPD hat die Polizei am Samstag in Berlin die Demonstration der rechtsextremen Partei beendet. Eine große Menschenmenge habe sich den Anhängern der NPD an der Gedenkstätte Neue Wache entgegengestellt, teilte ein Polizeisprecher mit. Auch Passanten und Touristen seien dort unterwegs gewesen. Die Polizei habe daraufhin entschieden, dass sie der NPD den Weg nicht gewaltsam freimachen werde. Die Anhänger der rechtsextremen Partei hatten ursprünglich vom Berliner Bezirk Friedrichshain über den Alexanderplatz und Unter den Linden bis zur Friedrichstraße ziehen wollen, um gegen das geplante Verbot der NPD zu protestieren. Die etwa 1400 Teilnehmer mussten ihren Marsch nun aber am Alexanderplatz beenden. Vor dem Roten Rathaus hatten sich zuvor etwa 3000 Gegendemonstranten versammelt.


[Quelle: BerlinOnline 17.11.2000 - 12:20 Uhr]

NPD marschiert in Berlin - Schlägerei in Marzahn

Berlin (ddp-bln). Unter massivem Polizeiaufgebot marschiert die NPD in Berlin. Tausende Beamte überwachten am Samstag den Beginn des Aufmarsches von rund 1.200 Rechten, der vom Ostbahnhof über den Alexanderplatz und Unter den Linden bis zur Friedrichstraße führen soll. Die Demonstranten haben mehrere Auflagen zu beachten, so dürfen sie nur 20 Fahnen mit sich führen. Das Mitführen von Trommeln und das Tragen von Uniformen ist verboten. Zuvor war es in Marzahn zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Rechten und mehreren Linken gekommen. Nach Polizeiangaben verprügelten vier zur linken Szene gehörende Jugendliche ein NPD-Mitglied. Der Mann soll eine Fahne bei sich gehabt haben. Die Linken schlugen ihn krankenhausreif.

E-Mail an Stressfaktor
E-Mail an den Stressfaktor
Termine | Adressen | Volxküchen | Links | Kontakt | Startseite | Anfang dieser Seite