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Hallo Ihr,
es wenden sich an Euch einige Radikalos und Partymonster. Und zwar zwecks Durchbrechung einer antikooperativen Grundhaltung unsererseits in den letzten Jahren. Wir wollen nicht mehr länger allein sein!
Kurz etwas zu dem Aktionskonzept Reclaim the Streets, in dessen Namen wir uns an Euch wenden. Es ist ein Konzept der direkten Aktion und bedeutet eigeninitiatives Handeln ohne Anerkennung bürokratischer Rechtsinstanzen. Das System der Legalität und Illegalität wird bewusst nicht anerkannt, statt dessen individuell direkte Politik ausgeübt. Reclaim the Streets ist aus dem englischen Widerstand gegen Autobahnbau entstanden und findet eben aus diesem Grund direkt auf der Straße statt. Der Verkehr wird gestoppt, die Mobilität der Großstadt unterbrochen, für eine kurze Zeit eine Alternative gelebt. Die Aktionsform selber ist gewaltfrei und aussergewöhnlich lebensfroh - es ist eine Party auf der Straße.
Reclaim the Streets ist ein Konzept, keine Gruppe. Unser Ziel ist, möglichst viele Menschen für diese Aktionsform zu begeistern. Den zeitlich begrenzten Freiraum, den Reclaim the Streets mitten im alltäglichen Stadtwahn entstehen läßt, sollen alle Beteiligten gemeinsam füllen. Hier ist Raum für Kunst, Kultur, Politik, Spiel, Tanz und Kommunikation. Neben radikal emanzipatorischen, grundsätzlich antiautoritären Inhalten, sind besonders für ökologische und verkehrspolitisch oder stadtplanerisch engagierte Gruppen diese Freiräume ein spannendes Forum. Hier wird das Realität, was Ihr ständig abstrakt fordert - eine andere Nutzung des öffentlichen Raums: eine Unterbrechung der Autodominanz und der wirtschaftlichen Hektik des Stadtlebens für spontane soziale Kommunikation und Interaktion.
Vielleicht habt Ihr bereits durch die Medien erfahren, dass die BVG plant, zum 1. August erneut die Fahrpreise zu erhöhen. Wir nehmen diese skandalöse Tatsache zum Anlass, um ein deutliches Zeichen für ein anderes Leben in dieser Stadt zu setzen. Die BVG ist ein Profitunternehmen, das die Preise in den letzten Jahren mehrfach erhöht hat, und dies mit einem grundsätzlich unsozialen Politikstil kombiniert: Weder Arbeitslosentickets, noch Studierendentickets waren zum Beispiel bisher auch nur im Horizont der BVG vorhanden. Wofür bei der BVG jedoch immer Geld vorhanden ist, sind Sicherheitsvorkehrungen. Hunderte Kontrolleure und private Sicherheitsangestellte mit Hunden, sowie vermehrt auch Polizeikräfte, sind täglich angestellt, um die Einhaltung von Recht und Ordnung unter den Fahrgästen zu überwachen. Videoüberwachung auf allen Bahnhöfen und zukünftig auch in allen Fahrzeugen verursachen auf subtile Art weitere Konformität und soziale Ausgrenzung. Für die BVG heisst Service - wer kein Geld für öffentliche Verkehrsmittel hat, ist kriminell, und wer malt oder sprüht, ein Vandale.
Wir sehen das anders. Wir denken, dass Mobilität ein Recht aller ist und kostenlos und zu jeder Zeit zur Verfügung stehen muss. U- und S-Bahnen sind öffentliche Räume, in denen wir gemeinsam am Stadtleben teilhaben, statt einzeln in der Blechdose Auto zu sitzen. Autounfälle sind noch immer Todesursache Nummer eins in den hochentwickelten Ländern. Sie nehmen uns die Luft zum Atmen und den Raum für freie Bewegung. Wir fordern die Verbannung aller Autos aus unserem Lebensraum und statt dessen kostenlose und überwachungsfreie Mobilität durch den öffentlichen Nahverkehr!
Am Wochenende vor der Preiserhöhung am Dienstag, dem 1. August, wollen wir verschiedenste Aktionen zum Thema einer alternativen Stadtnutzung koordinieren. Zahlreiche kleine Aktionen sollen spielerisch die BVG mit Widerspruch konfrontieren, aufklären und die Stadt zum Tanzen bringen. Geplant sind bisher eine Fahrrad-Aktion Critical Mass am Freitag und eine Reclaim the Streets am Samstag. Im Umfeld oder auf diesen Aktionen könnten zahllose andere Aktionen und Events stattfinden. Denkbar wären zum Beispiel veränderte Aufkleber in den Fahrzeugen, Informationsveranstaltungen oder -stände, Straßenblockaden, häufige telefonische Kontaktaufnahme mit der BVG, große Gruppenfahrten, Gestaltung informativer Flugblätter, die Aktionen durch Mobilisierung unterstützen und vieles, vieles mehr. Einfach alles, was Euch zum Thema einfällt.
Wir hoffen, dass Ihr Euch Gedanken macht, wie und was Ihr zu dem Wochenende beitragen könnt und wollt. Wir würden uns freuen, wenn Ihr eventuelle Aktionen über e-mail mit uns koordiniert. Etwa eine Woche vor dem Aktionswochenende treffen wir uns alle auf einem offenen Informations- und Vorbereitungstreffen. Wir würden uns freuen, Euch dort hochmotiviert zu sehen.
Aktionswochenende für Nulltarif und mehr Bewegung im Alltag
Freitag 28. Juli: Critical Mass
Samstag 29. Juli: Reclaim the Streets
Dienstag 1. August: keine BVG-Preiserhöhung!
Offenes Vorbereitungstreffen
Donnerstag 20. Juli, 19 Uhr, Schnarup Thumby,
Scharnweberstr. 38, Friedrichshain
liebe Grüße,
reclaim the streets
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