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Quelle: Phantom 02/2001
Rundbrief für Subkultur, Spass und Widerstand aus Berlin-Friedrichshain.

"Das war auch das erste mal, daß ein Haus wieder eine Geschichte macht..."

Interview mit 'nem Entrepotdok-Besetzer

Kannst Du Dich mal kurz vorstellen?

Ja, ich bin Stefan*, komme aus Amsterdam. Ich habe im Entrepotdok/Kalenderpanden gelebt und gearbeitet. Es ist am 31. Oktober geräumt worden und es wurde im November '96 besetzt. Von 3 Tagen abgesehen war es 4 Jahre besetzt gewesen, wovon es die letzten 2 1/2 Jahre eine wichtige öffentliche Funktion übernommen hat. Auch die Leute, die da gewohnt haben, es waren insgesamt 15 Leute und wie es so geht mit einem grossen Haus in Amsterdam auch immer viele Gäste, haben immer probiert, dass das unterstützt wird, was wir hier mit unserem Haus gemacht haben, dass Leute Ideen mitnehmen können, in andere Städte und Orte. Und so Informationen was los ist mit der Besetzerbewegung, die es in Europa noch gibt. Die Vokü, in der ich die letzten 1 1/2 Jahre Koch war, und das Kino in der Nacht das ist der Anfang gewesen als die Sache mehr publik wurde.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Entrepotdok und Kalendepanden - ich hab das nie verstanden?

Naja, Entrepotdok ist eigentlich die ganze Straße, die ganze Seite entlang des Wassers, Kalenderpanden ist nur ein kleiner Teil vom Entrepotdok. Im Entrepotdok wohnen etwa 1000 Leute drin. Der letzte Teil - 12 alte Packhäuser - die waren dann leer gewesen und es war immer noch offen. Der andere Teil war schon in den 80er Jahren Sozialwohnbau geworden. Auch viele alte Besetzer sind aus der Innenstadt ins Entrepotdok gezogen. '89 war's fertig. Der letzte Teil vom Kalenderpanden war noch lange Zeit eine Werkstatt gewesen und danach war es für 3-4 Jahre leer und teilweise vermietet an jemanden, der da total viel Scheisse gelagert hat. Das wurde dann besetzt wo es schon für 3 Jahre total leer war, ohne Fenster und mit etwa 2000 Tauben, die da 4 Jahre gelebt haben. Das war total schlecht und es war auch keine Heizung oder Wasser im Haus.

Was habt ihr den ganzen Tag gemacht, als das Entrepotdok noch besetzt war?

Ja, also 2-3 mal pro Woche war eine Veranstaltung oder ein Konzert - meistens Konzert, meistens Punkkonzert, und Bar. Das war eigentlich Alltag von den meisten Leuten, da mitzuhelfen. So im letzten Jahr war es auch ziemlich viel. Da haben wir so eine Kampagne gemacht für die Eigentümer, die Gemeinde Amsterdam, die schon, als wir es besetzt haben planten, Appartments draus zu machen, und so 1 1/2 Jahre vor der Räumung haben wir schon mit einer Kampagne angefangen. Davor hatten noch nicht viele Leute davon gehört, nur in der Szene wegen Konzerten usw. aber die Geschichte hinterher und was wir damit wollen... Wir wollen eigentlich so einen Freiraum in der Innenstadt haben. Dort ist noch eine Kneipe, das Vrankrijk, aber ansonsten, so kleine Bühnen für unbekanntere gibt es überhaupt nicht mehr in der Innenstadt. Und das war so von uns aus im Zusammenhang mit billigem Wohnen, denn die Mietpreise gehen seit dem letzten Jahr absolut hoch in Amsterdam. Und wir haben dann eine Kampagne gemacht und da war auch klar, dass mehr Leute daran interessiert waren und auch Medien vorbeikamen. So haben wir eine Mediengruppe aufgestellt, eine Demo gemacht und bei dem Eigentümer - der Gemeinde - auch mehrmals Aktionen gemacht.

Wie haben die normalen Leute das aufgenommen?

Das dauert so ein halbes Jahr - da haben wir Aktionen gemacht (zeimlich klein und auch nicht so direkt krass, so freundlich, eigene Medien und auch mit 2-3 Leuten von unseren normalen Medien dabei, und auch so 'nem Pressebericht, wo die Geschichte 2-3 mal in der Zeitung stand) und dann war erstmal die Demo. Wir dachten uns, wann war die letzte Demo in Amsterdam? es war schon lange her - '97 oder so. Da waren 400 Leute da, wirklich viele für Holland. Und wir dachten dann ok, wieviele Leute werden dann zu einer Entrepotdok-Demo kommen? Nun waren dann etwa 2000 Leute, die seit 10 Jahren oder so nicht mehr bei so einer Demo gewesen waren, so Altbesetzer, Leute mit Kindern und so. Und dann dachten wir: "he, das ist wirklich viel!" und das hat uns auch gut getan. Und auch Leute aus Frankreich, Spanien, Deutschland waren vorbeigekommen und auch sehr viel übers Internet, was hier auch ein bisschen das erste Mal gewesen ist, dass ein besetztes Haus mehr öffentlich macht, was sie sind und was sie wollen.

In ganz Amsterdam und auch in ganz Holland im Prinzip ist es ziemlich anders als in Deutschlan - die Besetzer sind meistens sehr pragmatisch und das andere ist Politik und "das braucht viel Energie und das dauert zu lang und macht am Ende auch nichts. Räumung kommt immer - so oder so". Das war auch seit langer Zeit das erste Mal, dass wieder ein Haus eine Geschichte macht und mehrere Sachen dabei in Verbindung stellt. Nicht die Weltprobleme aber was so in Amsterdam los ist, was wir mit mehr Freiräumen wollen. Die Gemeinde hat nach der ersten Demo eine Politik gemacht, die die "Freiräume" durch die Politik definierte. Aber es ist ziemlich schnell klargeworden, dass das nur für Künstler geht, Arbeitsraum in dem du nicht wohnen darfst - das gab es eigentlich ziemlich viel am Ende. Nur wenn du Künstler bist, kannst du das vielleicht machen, aber vor Leuten, die so ankommen in der Stadt, ohne finanziell was klar zu haben, ist eigentlich kein Platz in der Stadt. Die Stadt ist etwas auf uns zugegangen, um das ganze ein bisschen zu depolitisieren, aber damit war auch die Geschichte vom Kalenderpanden ziemlich weit verbreitet. Dann haben wir viele Leute erreicht und auch rüberbringen können, was wir eigentlich wollen und was die Gemeinde sagt, was sie für uns machen will, aber das sie nicht macht - im Gegenteil eigentlich.

Was bleibt davon noch über nach der Räumung?

Das Kalenderpanden ist eigentlich ziemlich vorbei. Aber es ist für die Szene in Amsterdam mehr klar geworden, dass es wirklich nur noch sehr wenig gibt. Dass es wirklich eine Touristenfabrik geworden ist. In den 90er Jahren ist es wirklich schwierig geworden, etwas zu ändern oder überhaupt noch etwas zu behalten. Damit sind viele Leute auch ein bisschen mehr politisiert. Und dann haben im Dezember und auch zu Weihnachten schon wieder neue Gruppen damit angefangen Häuser zu besetzen.

Erfolgreich?

Ja, Planet Hollywood ist Eigentum von Bruce Willis und Sylvester Stallone, war eine sehr gute Besetzung gewesen. Mit 50 Leuten und auch viel Medien. Es war ein Jahr leer und davor ein total ekelhaftes Geschäft mitten in der Innenstadt. Es hat direkt damit angefangen, alternative Medien aufzubauen, nach 6 Tagen schon ein Live-Fernsehprogramm von der eigenen Szene, aber es ist zwei Tage vor Weihnachten geräumt worden. Plötzlich - da war ein Krawall gewesen am Ende vom Entrepotdok - und die Polizei war wirklich total überrascht, die Politiker haben gesagt, "hey, das ist wirklich krass, soviel Gewalt, seit 12 Jahren nicht mehr passiert in Amsterdam - so müssen wir das vielleicht nicht mehr ankündigen". Das sagen sie. Sie haben dem Kalenderpanden auch nicht vorher gesagt, "so, wir kommen morgen räumen", aber sie haben einem nachher gesagt, "wir machen unseren eigenen Plan und räumen wann wir wollen", und das ist dann vielleicht ein Beispiel davon.

Und am 2. Weihnachtstag ist ein Hotel in der Innenstadt besetzt worden und es ist immer noch besetzt und vielleicht erfolgreich. Die ersten 2-3 Wochen ist es bei uns immer ziemlich unklar wie es läuft. Es geht dann zwischen Polizei und Eigentümer und es ist sehr davon abhängig, was der Eigentümer für Pläne hat, was wir auch nicht vorher wissen können. Und weiter haben wir auch schon Pläne, das haben wir auch gesagt - ok, Kalenderpanden, wenn es auf diesem Weg ist.

Die Politik ist für uns unmöglich. Da ist überhaupt kein politischer Willen etwas zurückzugeben, also machen wir es selbst. Wir wollen in der nächsten Zeit auch wieder etwas besetzen, was im gleichen Verhältnis ist, wie das Kalenderpanden. Z.B. der Eigentümer wieder die Gemeinde, wieder ein grosses Haus mit einer Geschichte. Wieder nach vorn denken. Ok, es war schon der dritte wirklich grosse Raum, der dieses Jahr geräumt wurde und es kommt nichts von ihnen, sondern wir müssen das selbst machen. Und dann ist auch so ein Angebot gekommen, beim Kalenderpanden. Sie haben beim Kalenderpanden 3-4 Monate vorher auch ein Angebot gemacht, dass einige Leute dann einen Arbeitsplatz mieten können, irgendwo an der anderen Seite vom Wasser, in the middle of nowhere eigentlich, am Rande der Stadt, total nicht erreichbar, und dort könnten wir dann Kunst machen. Aber wir waren nicht wirklich Künstler dort. So war das nicht interessant für uns - da gibt es Leute, die das sehr interessant finden - aber für uns ist das zu weit weg. Es ist überhaupt nicht mehr interessant um da etwas publik zu machen, es ist nur mit dem Auto zu erreichen... naja.

Ja, und am Abend vor der Räumung sind 1500 Leute vorbeigekommen, auch viele alte Leute, auch Leute, die das erste Mal kamen, was auch komisch war, weil ziemlich viele Leute überhaupt noch nie im Entrepotdok gewesen waren, aber die Geschichte im Internet verfolgt haben und dann dachten, "hey, es wird geräumt, es ist noch ein fest das letzte Mal". Sie kamen einzeln oder zu zweit. Meist so Einzelgänger kamen da so vorbei und sagten so, "ich kenn es nur vom Internet und ich wollte mal vorbeikommen". Ziemlich nette Leute eigentlich und oft von der anderen Seite von Holland. Es war komisch. Neue Medien.

Unterscheidet sich die Besetzerszene in Amsterdam oder Holland allgemein von den Resten der Besetzerszene in Berlin?

Ja uns nein, es ist eine andere Geschichte, denk ich. Z.B. Anfang der 90er wars in Berlin sehr spannend. In dieser Zeit war es in Amsterdam fast vorbei. Da war wirklich nichts mehr. Es waren sehr wenig Leute überhaupt interessiert, wenn eine Besetzung war, war's total unpolitisch, es war nur für billig wohnen mit ein oder zwei Freunden, und ok, wenn wir geräumt werden, dann gehen wir oder schmeissen vielleicht noch eine Farbbombe auf die Polizei und das war es dann. Und Ende der 90er ist es ein bisschen anders in Amsterdam. Mehr Leute dabei, weil es so total teuer ist. In Berlin ist es ein anderes Verhältnis in den 90er Jahren gewesen, ich denke, dass es in Amsterdam pragmatischer ist. Nicht so sehr mit Diskussionen und politischen Fraktionen. Viel reden über so 'ne Sachen is schon interessant... aber das ist in Amsterdam denk ich auch nicht mehr so. Das war auch so in den 80er Jahren.

Was ich so mitgekriegt hab, also diese sonntäglichen Besetzungen, das fand ich dann schon übelst cool, als ich dann in Amsterdam...

Das ist natürlich ein grosser Unterschied, dass es noch immer möglich ist in Amsterdam etwas zu besetzen. Das ist nicht so, dass wenn es eine Besetzung gibt oder wenn eine Demo ist hier in Berlin, dann ist es wirklich sooooo viel krasser. So viel... total genervt, total viel Polizei und es ist glaub ich schwer, deine Stimme zu erheben. Und auch die Medien sind total krass hier. Gegen! Gegen Bewegeung, gegen Antifa, gegen... In Holland ist es noch immer so, z.B. war vor 5 Monaten so ein "Vlaams Block"-Typ in Amsterdam vorbeigekommen und er war Gast in einer Talkshow. Es war ziemlich gewalttätig - er wurde verprügelt und sein Auto zerstört. Wenn das in Deutschland passiert wäre, wär das wirklich "Booooah, Attentat auf Politiker" oder so. In Holland war die allgemeine Meinung in der Presse, "Ja, die Antifa hat eine Propagandashow von einem rechten Politiker verhindert". Das war eigentlich total klar, auch was die Idee war. Und das sit total anders in Berlin. Wenn ihr etwas macht - gezeichnet als ANTIFA, dann geht die Polizei voll rauf, das ist mit Besetzungen auch so.

In Holland kannst du mit 15 Leuten eine Etage besetzen und wenn es wirklich leer ist - das muss klar sein - dann kommen zwei POlizisten vorbei und du sagst "Ok, wir sind 'Besetzungsgruppe' Ost oder West oder Süd" - da sind 5 Besetzungskreise in Amsterdam - "und wir haben das besetzt". Die wollen dann immer reingucken, ob es wirklich leer ist. Ja, dann gehen die rein und machen eine Meldung, und sagen immer, "wenn etwas ist, könnt ihr vorbeikommen", dann sagen wir "ok, vielleicht, aber wir denken nicht". Und von diesem Moment an, wo die POlizei dringewesen ist und gesehen hat, dass es leer ist, dann können sie wieder weggehen und dann haben wir eigentlich nicht mehr so viel mit der Polizei zu tun. Dann muss vom Eigentümer eine Anklage kommen, dass er eine Prüfung machen kann, dass er das Haus noch im letzten Jahr benutzt hat, für Vermietung oder etwas anderes, und dann kommt die Polizei meistens zurück wenn der Eigentümer sagt, dass es noch im Gebrauch gewesen ist. Der Offizier von der Justiz hat schon ein neues Gesetz gemacht, dass es dann keine legale aber eine illegale Besetzung ist. In Amsterdam ist es wieder so, dass du gegen diese Aussage der Justiz Widerspruch einlegen und sagen kannst, "nene, es ist nicht so, wir haben auch geprüft und es wurde nicht gebraucht" und es sind z.B. 15 Leute in der Strasse, die da schon wohnen, 2-5 Jahre, und dann sagen, "he, es war nicht in Gebrauch", und damit, gegenüber dem anderen, kannes auch passieren, dass der Richter sagt: "Ok, die Besetzer können bleiben, es ist eine Lüge gewesen, dass es im letzten Jahr in Gebrauch war". Und das ist so seit '94. Davor war es anders. Da war es eigentlich ein bisschen mehr offen. Auch dadurch unsicherer.

Überschneidet sich die Besetzerszene mit Jugendsubkulturen?

Immer noch. Auch in Amsterdam, z.B. die Technoszene Anfang der 90er Jahre. Und natürlich immer noch die Punkszene, die da dabei ist und auf der anderen Seite Künstlergruppen. Das ist aber auch abhängig davon, was das für Kultur ist, was für Künstler dabei sind, aber die Besetzerszene ist noch immer ziemlich gemischt. Auch die Leute, die in den legalisierten Häusern etwas machen. Es ist nicht so direkt politisch, aber es ist immer so ein direkter Kontakt mit dem Neuen, das so in Amsterdam passiert. Aber es geht ziemlich schnell, dass, wenn etwas neues entdeckt wird, es ziemlich schnell ein Erfolg wird, ein Erfolg auch finanziell, und damit das subkulturelle Eigene auch ziemlich schnell wieder weggeht und dass eine banale Karrikatur davon wird.

Und so die Punkszene in Amsterdam oder auch in Holland, was ist mit der? Was gibt's da für Bands, wie sind da die Leute druff?

Ja, da ist eigentlich nicht mehr so viel. Es sind immer noch Bands, aber es sind weniger alte Knackerbands - die sind auch immer politisch - und ziemlich viele junge Leute, die viel Punk oder Grunge, HC oder auch SX, was dann ein bisschen durcheinander geht. Es sind mehr die internationalen Punkbands und auch Punx, die nach Holland kommen, so in Amsterdam stranden, dass da überhaupt ein bisschen eine PunkSZENE ist. Das gibt es in anderen Städten überhaupt nicht. Nur in Amsterdam eigentlich.

Also in Amsterdam ist das, weil da die ganzen polnischen oder spanischen Punkers hinkommen...?

Ja, stimmt, und aus Deutschland, aus England... Mitte der 90er kamen viele Leute aus Polen, Tschechien, Ostblock überhaupt, Anfang der 90er auch viele Leute aus Jugoslawien, auch Musiker, nicht nur Punx. Viele sagen, es ist zu krass hier in diesem Ort - weg hier! Auch wegen dem Krieg, aber auch in Polen oder Tschechien ist es total krass, wenn du Punk bist. Es ist viel konservativer. So "ok, ich will Punk sein, aber nicht hier, das ist unmöglich und gefährlich!" Die sind dann in Masterdam ein bisschen ausgechillt. Hier ist es lockerer und du kannst eigentlich machen, was du willst und auch etwas mehr atmen - frei atmen.

Aber ich denk, hier in Berlin ist es noch viel grösser eigentlich. Auch von den Bands denk ich. Z.B. als ich letzte Woche in der Köpi vorbeigekommen bin, da war so ein Punkkonzert, da waren voll viele Leute... am Dienstag oder so. In Amsterdam sind Punkkonzerte meist am Wochenende, denn wenn es eine Band gibt, kommen auch viele Leute von ausserhalb nach Amsterdam. Das sind sehr wenige. Und wenn dann eine Band aus Deutschland oder England oder Amerika kommt, ist das wirklich schlimm. Damit ist klar, dass da nicht so viel Punk ist.

Nochmal zurück zum Entrepotdok. Zum Ende vom Entrepotdok. Hast du noch so einen Ausblick, wie's weitergeht in Amsterdam?

Ääääääähm, ich denke, es wird immer schwerer, noch Häuser zu finden. Es ist legal in Amsterdam zu besetzen, aber das Problem ist, dass kaum noch Leerstand ist und das hat was mit dem Markt zu tun. Alle Spekulanten machen jetzt Kohle. Alle Leute wollen jetzt in Amsterdam wohnen - das war Ende der 80er auch total anders, da wollten viele Leute aus Amsterdam weg - es war auch viel mehr Leerstand. Und das ist jetzt vorbei oder du musst wirklich raus an den Rand von Amsterdam. Da kannst du vielleicht etwas machen, aber wirklich eine lebendige Szene aufbauen ist schwer da. Ich weiss nicht so genau wie das wird. Nach der Räumung vom Entrepotdok ist die Polizei auch ein bisschen krasser drauf. "Fucking, Steine, Flaschen,Feuer", das hat sie ein bisschen geschockt. Drei Wochen danach war eine Polizeinachricht zu der Gemeinde, davon haben wir auch eine bekommen, das war, was sie von der Räumung gedacht haben - die waren so schockiert. Die haben teilweise 'nen Gehörschaden von dem Feuerwerk bekommen. Die Polizisten meinten nur noch "oooooh, oh, oh, ach und weh". Aber wir haben immer gesagt, "hey, wenn es eine Räumung gibt, gehen wir nicht freiwillig weg und es soll auch nicht so eine Räumung werden, wie das in den letzten 10 Jahren gewesen ist". Es war eigentlich klar, es war keine Überraschung, aber sie verkaufen es so. Und ich weiss nicht, wie die Zukunft aussieht, wie die Polizei da abgeht, wie die nächste Besetzung, wie die nächste Räumungswelle - zweimal pro Jahr ist so eine Räumungswelle - wie das dann abgeht... weiss nicht.

Die andere Seite ist auch, dass in Amsterdam ziemlich viel "wild" besetzt wird, von unorganisierten Besetzern. Das ist ziemlich gross geworden. Da waren so zwei Blöcke von etwa 50 Leuten besetzt, die nach dem Entrepotdok abgeräumt wurden. Da war auch Stimmungsmache von den Medien. "Eh, das sind nur Ausländer", das sind zum Beispiel sehr viele spanische, italienische oder englische Punks, die irgendwo wohnen wollen. Die sind geräumt worden und dann gab es so eine Hezte gegen Ausländer. Das war bisschen krass.

Haste noch 'n Schlusswort... an die Berliner?

An die Berliner...ja...

...oder an die Friedrichshainer?

Ja, das muss ein bisschen so bleiben hier, es ist jetzt vielleicht noch möglich irgendwo einen Raum zu erobern - oder wenigstens nichts zu verlieren, dass es nicht allzusehr Privateigentum wird.

Danke für das Interview

Inti by DRECK

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