Wipe out WEF!
Lassen wir den Gipfel platzen!
Vom 1. bis 3. Juli treffen sich in der Mozartstadt an der Salzach über 1000 (vor allem europäische) »global leaders« aus Politik und Wirtschaft, um im »privaten Rahmen« darüber zu beraten, wie sie ihre Unterdrückung und Ausbeutung noch effizienter und profitorientierter umsetzen können. Bei dem diesjährigen Treffen sollen Themen wie die EU-Osterweiterung oder die Migrationsbewegung diskutiert werden. Schon in den letzten fünf Jahren fand in Salzburg alljährlich der "Mittel- und Osteuropagipfel" des WEF (World Economic Forum/Weltwirtschaftsforum) statt. Für die heurige Zusammenkunft von WirtschaftsvertreterInnen und PolitikerInnen hat sich der WEF etwas neues ausgedacht: diese wird als gesamteuropäischer Wirtschaftsgipfel vorbereitet. Der WEF-Gipfel in Salzburg ist ein weiterer Versuch, die erkämpften sozialen und politischen Rechte zugunsten der Aktionsfreiheit der KapitaleignerInnen zu minimieren. Die letzten derartigen Gipfeltreffen haben gezeigt, dass eine kritische Öffentlichkeit (und Presse) dabei nicht erwünscht wird, weder innerhalb noch ausserhalb der Konferenzzentren. All jene, die mit ihrer Anwesenheit und Stimme gegen diese Treffen auftreten, sind mit einer enormen polizeilichen Repression konfrontiert. Die Staatsgewalt schützt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln (legale wie illegale) die Wirtschaftsbosse und PolitikerInnen und versucht jede Kritik an diesen Zusammentreffen im Keim zu ersticken. Das wird in Salzburg nicht anders sein. Doch mit unserem unüberhörbaren Widerstand werden wir auch in Salzburg die Herrschenden konfrontieren.
Nun haben sich einige autonome Gruppen aus Österreich zusammengeschlossen,
um die Aktionen gegen den WEF-Gipfel in Salzburg vorzubereiten und zu
koordinieren, sowie die Mobilisierung in Österreich und international zu
unterstützen. In vier Punkten wurde eine inhaltliche Grundlage zur
Zusammenarbeit geschaffen und das politische Selbstverständnis formuliert:
Wir lehnen das WEF ab und nehmen eine konfrontative Haltung ihm
gegenüber ein. Es kann nicht reformiert werden, aus diesem Grund werden
wir in keinen Dialog treten - in welcher Art auch immer. Es ist unser Ziel
das WEF abzuschaffen und dessen Zusammenkünfte zu verhindern. Das WEF ist
jedoch nur eine konkrete Institution des kapitalistischen
Ausbeutungssystems, das wir grundlegend ablehnen. Unser Protest endet
nicht mit einer Zerschlagung des WEF, sondern gilt dem Kapitalismus als
Gesamten. Dieser kann nicht zivilisiert werden, seine eigene innere Logik
und Gesetzmäßigkeit bedingt zusammen mit anderen Unterdrückungsformen wie
Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus etc. die Ungerechtigkeit
in dieser Welt.
Unsere Aktion richtet sich gegen die Kategorisierung,
Marginalisierung und Ausgrenzung von Menschen und sozialer Gruppen, unser
Ziel ist eine Gesellschaft, die orientiert ist an den Bedürfnissen aller
Menschen und nicht am Profit für wenige. Unser Protest beinhaltet das Ziel
eines gleichberechtigten Zugangs zu Ressourcen und Information. Wir
versuchen in unserem Agieren und unserer Organisationsform bereits unsere
herrschaftsfreie Utopie zu leben. Wir stellen uns gegen eine Gesellschaft,
die auf Hierarchie und Herrschaft fußt. Der Staat als Rahmen
kapitalistischen Agierens lehnen wir genauso ab wie die neue
Institutionalisierung der kapitalistischen Ausbeutung durch
Weltwirtschaftsforum, Internationalen Währungsfonds, Weltbank oder
Welthandelsorganisation. Unsere Antwort darauf ist unser Protest, ist das
eigene Agieren. Wir verlassen uns nicht auf Parteien oder eine Lobby,
sondern formulieren unsere Kritik eigenständig, gemeinsam und
unüberhörbar. Wie diese Kritik und der Protest im konkreten aussieht,
liegt an jenen, die ihn formulieren. Beim gemeinsamen Widerstand sollen
die unterschiedlichen Zugänge teilhaben können, die verschiedensten
Aktionsformen nebeneinander Platz finden und der Kreativität keine Grenzen
gesetzt sein.
Der Protest gegen den WEF-Gipfel in Salzburg steht nicht alleine,
sondern versteht sich als Teil des globalen Widerstandes gegen
Unterdrückung und Ausbeutung. Unsere Solidarität gilt allen Unterdrückten,
die die herrschenden Widersprüche nicht kritiklos hinnehmen wollen, gilt
all jenen die ihre eigene Kraft erkennen und sich als emanzipativer
Widerstand organisieren. Wir sehen uns selbst als Teil der herrschenden
Widersprüche, müssen daher unsere eigenen Positionen ständig hinterfragen.
Unsere Aktion ist die Reaktion auf die herrschenden Verhältnisse, die
logische und notwendige Antwort auf die herrschende Politik und die
Politik der Herrschenden.
Seit mehr als einem Jahr wird Österreich von einer
rechts-reaktionären Koalition regiert, in der auch eine Partei vertreten
ist, die nicht nur eine undifferenzierte Haltung zur faschistischen
Vergangenheit Österreichs hat, sondern auch aktuell mit rassistischer
Propaganda und Politik einzelne Gesellschaftsgruppen ausgrenzt. Gegen die
Beteiligung der FPÖ an der Regierung und die damit verbundene Politik wird
in Österreich seit einem Jahr Widerstand geleistet. Auch der WEF-Gipfel in
Salzburg wird von österreichischen Regierung dazu benutzt werden, sich als
gleichberechtigte politische Partnerin auf der internationalen Bühne zu
profilieren. Unser Protest gegen den WEF-Gipfel soll daher verbunden
werden mit unserem Auftreten gegen die österreichische Bundesregierung,
gegen jegliche rassistische und sexistische Politik und gegen den
neoliberalen Grundkonsens dieser Gesellschaft.
Wipe out WEF!
Anti-WEF-Koordination Österreich, März 2001
Die Anti-WEF-Koordination will mit diesem Aufruf einen Anstoß zur
Auseinandersetzung mit dem WEF-Gipfel in Salzburg geben und zum Protest
gegen diesen Gipfel aufrufen. Unser Ziel ist die Initiierung eines
Prozesses, der zum Ziel hat, den Widerstand gegen den WEF-Gipfel in
Salzburg vorzubereiten. Wir wollen dafür eine Koordinationsplattform
bieten und die gemeinsame Vernetzung unterstützen.
Ab Donnerstag, 28.06.2001, werden Info-Point und Platz für kreative
Tätigkeiten/Vorbereitung für die Aktionen bereitstehen. Am Samstag sollen
tagsüber Workshops (Sani, Rechtshilfe, etc.) und am Abend ein grosses Fest
stattfinden. Der Sonntag wird ein Aktionstag mit Demo, zivilem Ungehorsam,
etc. Wir sehen uns nur als ein Teil des Widerstandes und freuen uns auf
bunten, vielfältigen und vor allem lauten Protest im sonst so "stillen
Örtchen" Salzburg.
Kontakt:
antiwef.ibk@reflex.at
http://www.antiwef.org
antiwef-salzburg-subscribe@egroups.de - Mailinglist
Links:
http://www.weforum.org/whatwedo.nsf/documents/what+we+do?Open (offizielle
WEF-site)
http://www.geocities.com/pwdyson/wef_orgs.htm
http://www.bermuda.ch/reitschule/anti-wto/english/index.shtml
http://davos.indymedia.org/
http://www.s11.org/s14/s11.html
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