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[Quelle: Aulin (Autonome Linke Neumünster) - 15.01.2001]

Elmshorn: Anti-Nazi-Demo

Nazikundgebung in Elmshorn und die Polizei dreht völlig durch!

Am Samstag, den 13.01.01, wollten Nazis aus dem Umfeld der "freien Nationalisten" erneut durch Elmshorn marschieren. Im Vorfeld wurde ihnen allerdings die Demo verboten und nur eine stationäre Kundgebung auf einer Kreuzung in einem Elmshorner "Hochhausviertel" genehmigt.

Das Elmshorner "Bündnis gegen Neonazis" rief zu einer Gegendemo auf. Diese begann um 11.00 Uhr in der Innenstadt und zog in Richtung der Nazis. Ursprüglich sollte die Gegenkundgebung dann rund 100 Meter von den Nazis entfernt stattfinden. Die Polizei verlegte den Ort zweimal nach hinten, so dass die Entfernung zwischen Nazis und Antifakundgebung schließlich rund 500m betrug. Der Demoanmelder, die Gewerkschaft ÖTV, protestierte dagegen nicht oder nur unzureichend.

Eine Gruppe von rund 50 AntifaschistInnen, die meisten von ihnen SchülerInnen, entfernten sich von der Kundgebung. Sie wurden nach rund 200 Metern von BGS- und örtlichen Polizeieinheiten, z.T. eingekesselt und z.T. brutal angegriffen (schubsen in Dornenhecken, Treten und Angriff durch Polizei-Hunde).

Damit war endgültig dafür gesorgt, dass die Nazis ihre Kundgebung in Ruhe durchführen konnten. Gegen 14.00 Uhr wurden die rund 150 Nazis mit städtischen Bussen aus Pinneberg nach Elmshorn gebracht. In einer rund 1,5 Stunden dauernden Kundgebung redeten Peter Borchert (Sprecher des Club 88) und Anmelder Christian Worch. Auch der Naziliedermacher Andre Lüders spielte drei Lieder, damit die "Kameraden" wenigstens etwas von der Kundgebung hatten, wenn ihre Reden schon wegen den Absperrungen fast keiner mitbekam. In dieser Rede nannte Peter Borchert die BRD einen "faschistischen Polizeistaat", mensch stelle sich vor, was passieren würde, wenn dies auf einer linken Kundgebung gesagt wurden wäre.

Gegen 15.15 Uhr wurden die Nazis wieder nach Pinneberg eskortiert. Die festgenommenen AntifaschistInnen, mindestens 50 Menschen, waren inzwischen ins Polizeirevier in der Molkestraße gebracht worden. Es waren ausnahmslos unabhängige AntifaschistInnen, die sich um die Freilassung der AntifaschistInnen kümmerten, VertreterInnen des bürgerliche Teils des Bündnisses suchte mensch vergeblich.

In dieser Polizeiwache fragte ein Antifaschist den Polizisten in der Wache nach dem Verbleib einer Genossin, da sich diese nicht mehr meldete. Der Polizist antwortete, dass er sie hier nicht sehen könne (Eingangsbereich der Wache) und deshalb nicht wisse, ob sie sich in Haft befindet. Er sei sich auch nicht sicher, ob es überhaupt Gefangene gäbe, da seine Kollegen diese auch durch die Hintertür reinbringen könnten, die er nicht einsehen könne. Später stellte sich heraus, dass sie sich sehr wohl in Gewahrsam befand.

Des weiteren sprach das Bündnis bis 15.00 Uhr lediglich von einer Festnahme, um die Dimensionen des Einsatzes zu verschleiern. In Wahrheit waren bis dahin mindestens 66 Menschen (Polizeiangaben) festgenommen. Die Brutalität des Einsatzes verschwieg das Bündnis völlig. Dies machte es der Presse natürlich einfach, ihre Unterscheidung von "guten" und "bösen" AntifaschistInnen fortzusetzen.

Zum Polizeieinsatz lässt sich sagen, das z.B. selbst viele Polizisten ihr Unverständnis über die Ingewahrsamnahme von SchülerInnen äußerten, die sich weit weg vom Platz der Nazis befanden und diesen wegen den Absperrgittern und der Wasserwerfer auch nie erreicht hätten. Laut Presseangaben wurde ein Mensch von einem Polizeihund gebissen. Mehrere Menschen, u.a. ein achtzehnjähriger Schüler aus Neumünster, mussten sich auf der Wache nackt ausziehen.

Auch vor dem Polizeirevier, wo AntifaschistInnen auf die Freilassung der AntifaschistInnen warteten, verhielt sich die Polizei weiter sinnlos provokativ. So tauchten plötzlich BGS-Einheiten vor der Wache auf und forderten die AntifaschistInnen auf, den Platz zu räumen. Trotz verbalem Protest drängten sie sie rund 100 Meter die Straße runter. Erst gegen 17.30 Uhr, über 2 Stunden nachdem die Nazis Elmshorn verlassen hatten, wurden die letzten Antifas freigelassen.

Der Polizeieinsatz verfolgte einzig und allein den Zweck, v.a. junge AntifaschistInnen einzuschüchtern und von weiterer Teilnahme an antifaschistischen Aktionen abzuhalten. Wir erwarten vom Elmshorner Bündnis gegen Neonazis, dass es sich gegen den sinnlosen und brutalen Einsatz ausspricht und nicht diesen auch noch unterstützt und natürlich von der Staatsanwaltschaft die Einstellung aller Verfahren gegen AntifaschistInnen.

Antifaschismus ist nicht kriminell, sondern selbstverständlich!

Aulin (Autonome Linke Neumünster)
0173-15 99 244
http://members.tripod.de/antifanms/aulin

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