Berichte von den Antifa-Demos in Berlin
Am Samstag, den 3.2.2001, fanden in Berlin zwei Antifa-Demos statt. Eine um 14.00 Uhr von der Schönhauser Allee vorbei an dem Wohnsitz vom Nazikader Oliver Schweigert nach Pankow zur Zentrale der 'Republikaner'. Die zweite Demo war um 18.00 Uhr in Hohenschönhausen. Dort wurden in der vergangenen Woche zwei Mosambikaner von Neonazis angegriffen. Eine Gruppe Jugendlicher, die zufällig vorbeikamen, konnten zum Glück die Nazis in die Flucht schlagen.
[Quelle: [A3] - 3.2.2001]
Gewaltorgie der Berliner Polizei bei Antifaschistischer Demonstration des [A3]
Mehr als 800 Menschen folgten am frühen Samstagnachmittag dem Aufruf des Antifaschistischen Aktionsbündnisses III [A3] zu einer Demonstration gegen den Nazi-Kader Oliver Schweigert und die Bundeszentrale der rechtsextremen Republikaner.
Nach der Auftaktkundgebungam S+U-Bahnhof Schönhauser Allee zog die Demonstration in den nördlichen Prenzlauer Berg zur Isländischen Straße 7. Hier wohnt der Nazischläger Oliver Schweigert, eine Schlüsselfigur der militanten rechtsextremen Kameradschaftsszene in Berlin. In Redebeiträgen wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass es für ihn auch künftig keine ruhige Nachbarschaft gibt.
Auf dem weiteren Weg nach Pankow wurde die Demonstration massiv von Einheiten der 2. Bereitschaftspolizeiabteilung der Berliner Polizei (22. und 23. Einsatzhundertschaft) angegriffen. Unter dem Vorwand, vermeintliche Verstöße gegen das Vermummungsverbot ahnden zu wollen, wurden DemonstrationsteilnehmerInnen mit Schlägen und Tritten durch Polizeibeamte traktiert. Im Demonstrationszug befanden sich zu diesem Zeitpunkt auch Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen, unter ihnen Überlebende des Holocaust.
Trotz ständiger Versuche des Versammlungsleitung, beruhigend auf die Situation einzuwirken, wurde weiter von den Einsatzkräften gepöbelt und geprügelt. Es gab zahlreiche Festnahmen und Verletzte auf Seiten der DemonstrationsteilnehmerInnen.
Die Demonstration kam schließlich doch in Pankow an. Auf einer Zwischenkundgebung vor dem Gartenhaus der Villa Garbáty, der derzeitigen Republikaner-Bundeszentrale wurde der Zusammenhang zwischen mordenden Neonazis und staatlichem Rassismus thematisiert.
Unmittelbar nach der Beendigung der Demonstration in der Pankower Breiten Straße kam es zu weiteren Polizeiübergriffen. Augenzeugen bezeichneten das Geschehen als regelrechte Hetzjagd auf ehemalige DemonstrationsteilnehmerInnen. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Eine SprecherIn des Bündnisses erklärte hierzu: "Dass die Demonstration überhaupt in Pankow angekommen ist, ist nur dem besonnenen Verhalten der DemonstrantInnen zu verdanken. Das Verhalten der Berliner Polizei wird auf jeden Fall Konsequenzen haben, gegen den Einsatzleiter wurde bereits Strafanzeige gestellt."
Am Abend fand eine weitere Demonstration in Hohenschönhausen statt, nachdem in der vergangenen Woche zwei Mosambikaner von Neonazis angegriffen wurden. Ca. 100 überwiegend jugendliche TeilnehmerInnen zogen friedlich mit Sprechchören wie "Maulkorb und Leinenzwang - für Neonazis lebenslang!" durch den Plattenbaubezirk.
Berlin, den 3. Februar 2001
[A3]
[Quelle: Stressfaktor - 3.2.2001]
Ein Bericht von der Antifa-Demo in Berlin
Hallo,
zu der Antifa-Demo in Berlin am Samstag, 3.2.2001, kamen trotz der Kälte etwa 1.000 Leute um 14.00 Uhr zum Treffpunkt S-Bhf. Schönhauser Allee. Nach einigen Redebeiträgen ging es dann los. Zuerst in die Isländische Strasse, zum Wohnort vom Nazikader Oliver Schweigert. Dort gab es einen Redebeitrag, damit die AnwohnerInnen mal über die Aktivitäten ihres Nachbarn informiert sind. Die Bullen bildeten an Teilen der Demo ein behelmtes Spalier. Kurz vor dem Einbiegen zurück in die Schönhauser Allee wurde die Demo dann zum ersten Mal angegriffen. Die Bullen (die Einheiten 22 und 23 waren mal wieder anwesend) stürmten in 'Berliner Manier' in die Menge - ohne Grund und mit fliegenden Fäusten. Die Bullen waren richtig in Prügelstimmung und äusserst aggressiv. In der Berliner Strasse filmten dann die Bullen wie bekloppt und zogen eine Person aus der Demo, die sich aufgrund der Kälte die Kapuze etwas weiter ins Gesicht gezogen hatte (Begründung: Vermummung!).
Vor der geschützten REP-Zentrale in Pankow gab es auch noch eine kleine Zwischenkundgebung, bevor es ein paar Meter weiter zum Endpunkt ging. Kaum war die Demo aufgelöst und alle wollten zur nächsten Antifa-Demo nach Hohenschönhausen (18.00 Uhr) oder nach Hause, griffen die Bullen erneut ein. Sie prügelten sich wild durch die Menge und zeigten, was sie von Deeskalation halten. Aber das ist eben in Berlin so! Ob und wieviele Verletzte oder Festnahmen es bei dem Gekloppe gegeben hat, ist nicht klar. Am S-Bahnhof Pankow geriet wohl ein Nazi zwischen die abziehenden Demo-TeilnehmerInnen. Er musste sich dann aber schleunigst aus dem Staub machen. Leider auch wieder ein freudiger Anlass für die "Hüter für Recht und Ordnung" zum Einschreiten.
Kein Fussbreit den Faschisten!
Für einen anständigen Aufstand!
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