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Quelle: indymedia - 6.12.2001
Der Union Jack - kein Laden wie jeder andere
Naziladen in Potsdam!
Der Union Jack in der Karl-Liebknecht-Strasse (Potsdam-Babelsberg) ist ein Klamottenladen, in dem sich Nazis und ihre SympathisantInnen die Klinke in die Hand geben. Und dies aus mehreren Gründen: Zum einen wegen des Inhabers, Danny Prange, zum anderen auf Grund des Sortiments.
Danny Prange war in der militanten Neonaziorganisation "Nationalistische Front (NF)" tätig und fungierte bei deren Nachfolgeorganisation "Direkte Aktion Mitteldeutschland /JF" als Stützpunktleiter für den Bereich Beelitz /Michendorf. Dabei hatte er nicht nur die parteipolitische Organisierung vor Ort im Auge, sondern beteiligte sich selbst an militanten Aktionen, wie etwa dem Überfall auf das damals besetzte "Archiv" in der Leipziger Straße in Potsdam. Neun Faschisten, u.a. Danny Prange, stürmten am 30.04.1994 das Haus und verletzten die Anwesenden mit Luftdruckpistolen und Schlagwerkzeugen. Ideologisch hat er sich nicht von seiner Vergangenheit gelöst, auch wenn er heute als normaler Geschäftsmann auftreten möchte. Dieser Eindruck hält nur dem ersten Blick stand: Von einschlägigen Nazi-CDs (u.a. "Blue Eyed Devils", "Landser") bis zu T-Shirts mit offen faschistischen und rassistischen Inhalten ist alles zu haben, größtenteils unterm Ladentisch oder auf Bestellung. Dabei ist er darauf bedacht, in der gerade noch legalen Grauzone zu agieren und sich so strafrechtlichen Konsequenzen zu entziehen. So schafft er sich den idealen Freiraum für seine politischen Aktivitäten, von denen er auch seinen Lebensunterhalt bestreitet.
Der Grossteil des Angebots ist an den aktuellen Katalog des "Hatesounds" Versandes in Werder angelehnt. Bei "Hatesounds" handelt es sich um das Nachfolgeprojekt der Berlin-Brandenburger Sektion von "Blood and Honour (B&H)", Teil eines internationalen militanten Neonazinetzwerkes. Das Interesse vieler Neonaziaktivisten besteht nach wie vor darin, rechte deutsche Jugendliche, die in der rassistischen Alltagskultur groß geworden sind, zu politisieren. Dabei handeln sie frei nach dem Motto Ian Stuarts, dem Begründer von "Blood and Honour": "Musik ist das ideale Mittel, Jugendliche den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden". Denn Rechtsradikalismus stellt v.a. im Osten zuerst eine Kulturbewegung mit Tendenzen zu einer sozialen Bewegung dar, die eine organisierte politische Komponente hat, und nicht umgekehrt. Aus Sicht der Nazis ist diese politische Strategie also logisch und durchaus erfolgreich. Nicht vergessen werden sollte, dass im Konzept der "National Befreiten Zonen" des "National Demokratischen Hochschulbundes" (Hochschulverband der NPD) der Aufbau einer eigenen Infrastruktur (z.B. Läden oder Tattoo-Shops) als wesentliche Komponente genannt wird, um kulturelle Hegemonie zu erzeugen und finanziell unabhängig zu sein. Durch das Internet ist es zwar heute sehr viel einfacher geworden, an einschlägiges rechtes Propagandamaterial zu kommen. Trotzdem sind Läden wie der Union Jack wichtige Anlaufpunkte, die dem Potential, das noch nicht enger eingebunden ist, Adressen vermitteln und Kontakte ermöglichen.
...and now?
Wir als Antifagruppe wollen eine emanzipierte, antirassistische Jugendkultur fördern, da wir dies langfristig als einzige effektive Methode ansehen, gegen Nazis vorzugehen. Denn wir denken, dass der sogenannte Antifa-Sommer, der letztes Jahr über unsere Fernsehbildschirme flimmerte, nicht erreicht konnte, was "versprochen" wurde. Die Maßnahmen gegen Nazis waren zum einen oberflächlich und kaum erfolgreich, zum anderen hat sich an dem rassistischen Konsens in der Gesellschaft nichts geändert. Der Antifa-Sommer reiht sich in ein gesellschaftliches Klima ein, das sich durch ein neues nationales Selbstbewusstsein und eine immer unbefangenere Äußerung antisemitischer Ressentiments in der Öffentlichkeit auszeichnet In beeindruckender Geschwindigkeit hat es Deutschland in den letzten 10 Jahren geschafft, sich durch die Integration der Vergangenheit der Grauen des Holocaust zu entledigen, um nun als "normalisierter", voll anerkannter militärischer Bündnispartner seine Soldaten in den Krieg zu schicken.
Zivilgesellschaftliche und staatliche Strukturen wollen zwar gegen militante Rechtsextremisten vorgehen wollen, weil diese das staatliche Gewaltmonopol in Frage stellen und den Ruf Deutschlands schädigen. Ursachen und zu Grunde liegende Denkmuster, die denen des "Normalbürgers" ähneln, werden jedoch nicht bekämpft. Denn die Gesellschaft basiert u.a. auf autoritären Verhaltensmustern und rassistischen Ausgrenzungsmechanismen; letztere äußern sich nicht nur beim Stammtischgespräch, sondern auch in institutionalisierter Form, z.B. in der Asylgesetzgebung und dem neuen Sicherheitswahn. Somit ist die Zielsetzung des Antifa-Sommers logisch darauf begrenzt, oberflächlich das Image Deutschlands aufzubessern und ein effektives "buisness as usual" zu ermöglichen, das nicht von "Extremisten jeglicher Couleur" gestört wird.
Ein spezielles Problem im Osten, gerade auch in Brandenburg, besteht im weit verbreiteten Alltagsrassismus der Bevölkerung (z.B. sprechen sich 60 % der befragten BrandenburgerInnen gegen ein Flüchtlingsheim in ihrem Ort aus) und dem Fehlen einer "effektiven" Zivilgesellschaft, die das Naziproblem selbst in die Hand nehmen könnte (?). Unzählige verbale und körperliche Übergriffe gegen alles "Nichtdeutsche" (z.B. der rassistische Angriff auf eine Nigerianerin am 07.11.2001 im Potsdamer Sterncenter) sprechen eine deutliche Sprache.
Wenn sich jedoch Menschen entschlossen gegen Nazis und ihre Propaganda engagieren, ist hierzulande nach wie vor von linken "Polithooligans" die Rede. So wurden bei einem Angriff von Nazis auf ein besetztes Haus in der Breitscheidstraße am 25.08.2001 nicht die BewohnerInnen geschützt, sondern im Gegenteil das Haus brutal geräumt und alle dort Anwesenden festgenommen.
Get up - stand up!
Wir können und wollen uns nicht auf staatliche Antifaschisten und ihre Programme verlassen - sie stellen für uns eher ein Teil des Problems als einen Teil der Lösung dar. Wer selbst Rassismus propagiert und institutionalisiert und nicht trotz, sondern wegen Auschwitz in den Krieg zieht, hat mit unserer Gegnerschaft zu rechnen.
Uns reicht es nicht, auf Nazis und ihre Hetze mit hilfloser Betroffenheit zu reagieren, wir treten ihnen offensiv entgegen - egal wo, egal wann. Anstelle von leeren Phrasen setzen wir auf eine selbstorganisierte antifaschistischen Jugendbewegung, die sich gegen jede Form von Ausbeutung und Unterdrückung engagiert.
DEMO gegen den Union Jack am 15.12.01 um 13.00 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg in Potsdam
Deutschland, du kotzt uns an! Smash the Union Jack - Join your local Antifa!
http://aapo.antifa.net
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