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Quelle: indymedia - 16.12.2001
Besetzung Soziales Zentrum Berlin
wie sah es drinnen aus
Um dem Bedürfnis nach sofortiger Information bei Indymedia entgegenzukommen, hier mal ein kurzer vorläufiger Bericht von einem der Besetzer.
Zuerst mal, mir - und ich glaube auch allen anderen Beteiligten - hat es Spaß gemacht. Wir sehen die Aktion als vollen Erfolg an, gemessen an dem, was wir vorhatten und was realistisch möglich war.
Wir haben unsere Idee des Sozialen Zentrums in der Berliner Mitte seit längerem recht offen verbreitet, auch wenn sie noch längst nicht die Breite innerhalb der Linken erreicht hat, die wir für nötig halten. Es war darum damit zu rechnen, daß die Polizei früher oder später, möglicherweise eben auch schon vor der Besetzung, unser "Objekt der Begierde" herausfindet. Na und? Es ist ja kein heimliches Projekt, und es ist auch nicht durch Überraschungsbesetzungen durchzusetzen, sondern nur durch eine offensive politische Kampagne, Verhandlungen mit der Gewerkschaft etc.pp.
Insofern war unsere Besetzung von vorneherein als symbolisch anzusehen, als Startschuß für einen öffentliche Kampf um das Haus. Daraus erklärt sich auch, daß die Frage, wie lange wir real drin waren und ob alle Beteiligten festgenommen wurden, zweitrangig war.
Wir wußten vorher, daß die Bullen über Ort und Datum informiert waren. Auch die Gewerkschaft hatte was läuten hören. Sie hatten schon am 7.12., als wir eine öffentliche Veranstaltung zu dem Projekt gemacht haben, mit einer Besetzung gerechnet.
Aus den oben angeschnittenen Gründen sind wir dennoch reingegangen. Und auch, um zu zeigen: Von Bullenpräsenz lassen wir uns unsere Idee schon lange nicht verderben!
Einige sind übers Dach rein, andere unten. Im Haus hatten sich Zivilbullen versteckt und auf uns gewartet, deshalb sind einige von uns auf dem Dach geblieben um dort Transparente aufzuhängen und Megafon-Durchsagen zu machen. Die Bullen waren, trotzdem sie "seit Tagen" auf uns gewartet hatten, relativ konfus und am Anfang etwas nervös - wer weiß, womit sie gerechnet hatten? Jedenfalls waren sie trotz ihrer gründlichen Vorbereitung völlig überrascht davon, daß auch Leute unten in das mit Platten verrammelte Haus reinkamen, und brauchten einen Moment, um zu kapieren, daß das keine Kollegen waren... Der erste Mensch, der von oben übers Dach ins Haus reinging, wurde sofort abgegriffen und gefesselt; die dortigen Zivilbullen haben sich aber dann nicht aufs Dach raus getraut. In dieser Situation hatte ein Ziviler die Knarre gezogen und kurzzeitig einen Menschen bedroht, sich dann aber wieder zurückgezogen. Später haben dann Bullen mit Helmen das Dach eingenommen und die restlichen Leute runtergeholt. Danach hat sich die Situation sehr entspannt. Wir haben die Landesvorsitzende von verdi angerufen und ihr Verhandlungen angeboten, sie wollte aber lieber zum Weihnachtsmarkt(!) gehen. Wir haben längere Zeit zusammen im Treppenhaus verbracht und haben von dort aus mitbekommen, daß auch draußen sehr gute Stimmung war. Auch später in den Wannen und in der Sammelstelle Kruppstraße waren alle total gut drauf, wir haben uns gefreut über die Aktion und über die Resonanz draußen vor dem Haus!
Die Bullen haben absurderweise Anzeigen wegen "Landfriedensbruch" erstattet und uns alle erkennungsdienstlich behandelt (Fingerabdrücke, Fotos). Zwischen 22 Uhr und 0 Uhr 30 sind wir dann alle freigelassen worden und vor der Bullenwache von Leuten mit Tee und was zu essen empfangen worden.
Fazit: Es hat nahezu alles geklappt, was geplant war. Es gab Küche vorm Haus; es gab gute Kontakte zu den Medien, Interviews, Radio-Berichte; es gab einen Lautsprecherwagen, der durch den Kreuzberger Kiez fuhr und Beiträge auf deutsch und türkisch zu der Aktion verbreitete; die Mobilisierung hat im erwarteten Rahmen geklappt (leider war ja die "Groß"Demo sehr schwach besucht, von dort hatten wir uns mehr Leute erhofft); und: wir waren drin!
Wir sehen uns!
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