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Quelle: junge Welt - 27.11.2001

Gegen das Verdrängen

Heute wird in Berlin die überarbeitete Ausstellung zu Wehrmachtsverbrechen eröffnet

Bereits vor der heutigen Eröffnung der überarbeiteten Fassung der Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944« sorgt das Projekt erneut für heftige Proteste rechtskonservativer und neofaschistischer Gruppen. Die Vorsitzende des »Bundes der Vertriebenen«, Erika Steinbach (CDU), äußerte am Wochenende in Berlin die »Befürchtung«, daß auch die neue Ausstellung »zu tendenziös« ausfallen könnte. Schon ihre Vorgängerin sei »im Stile typischer Verhetzungsmethoden« aufgebaut gewesen. Die NPD hat für das kommende Wochenende eine Demonstration gegen die Ausstellung angekündigt, zu der 6000 Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem Ausland erwartet werden. Verschiedene Antifa-Gruppen haben Aktionen gegen den Nazi-Aufmarsch angekündigt. Ziel sei es zu verhindern, daß NPD-Anhänger durch das alte jüdische Scheunenviertel und in der Nähe des neuen Centrum Judaicum ihren »braunen Ungeist« verbreiteten, heißt es in einer Erklärung des Bundes der Antifaschisten. Die PDS hat angekündigt, daß sie ihren Landesparteitag am Sonnabend für die Teilnahme an antifaschistischen Aktionen unterbrechen wird.

Die erste Wehrmachtsausstellung, die von 1995 an in 33 deutschen Städten gezeigt und dabei regelmäßig von Kundgebungen und sogar Brandanschlägen rechter Gruppen begleitet worden war, wurde im November 1999 nach Kritik an Fehlern bei der Verwendung von Bildmaterial zurückgezogen. Eine vom Initiator der Ausstellung, Jan Philipp Reemtsma vom Hamburger Institut für Sozialforschung, berufene Historikerkommission bestätigte Ende vergangen Jahres, daß die Ausstellung zwar sachliche Fehler enthalte, wies aber den auch aus CDU-Kreisen erhobenen Vorwurf der Geschichtsfälschung energisch zurück und empfahl eine überarbeitete Neuauflage. Ausgangspunkt der völlig neu konzipierten Ausstellung sind Fragen zum Kriegs- und Völkerrecht. Die Dimensionen des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion werden an sechs Themenkomplexen verdeutlicht: Völkermord, Hungerpolitik, Partisanenkrieg, Kriegsgefangene, Repressalien und Deportation. Darüber hinaus wird die öffentliche Diskussion um die Rolle der Wehrmacht von 1945 bis heute dokumentiert.

Reemtsma räumte am vergangenen Wochenende erneut ein, daß die alte Ausstellung »zu plakativ und in Teilen mißverständlich« gewesen sei. Auch die neue Ausstellung wolle aber den »Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht als einen Feldzug, der in der Moderne ohne Präzedenz war«zeigen. An der These, »daß die Wehrmacht als Institution an der Planung und Durchführung eines beispiellosen Rassen- und Vernichtungskriegs umfassend beteiligt war«, halte man dabei ausdrücklich fest, so Reemtsma.

(AP/ddp/jW)

* Die Ausstellung ist ab Mittwoch täglich (außer montags) von 10-18 Uhr im KunstWerk, Auguststraße 69, Berlin-Mitte, zu besichtigen

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