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Quelle: Berliner Morgenpost - 28.11.2001

Jüdische Gemeinde: Keine NPD-Demo durchs Scheunenviertel

Entsetzen in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: Sollte es bei der Genehmigung der von der NPD für Sonnabend angekündigten Demonstration und deren Streckenverlauf bleiben, werden die Neonazis auch durch die Spandauer Vorstadt ziehen. «Das ist ein traditionell jüdischer Bereich», sagte Hendrik Kosche, Referent von Alexander Brenner, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Zwar gehe er davon aus, dass die Route noch geändert werde. Dennoch sei es unsensibel, dass die Innenverwaltung dem Marsch durch das jüdische Viertel überhaupt zugestimmt habe.

«Anlässlich des Shabbat werden sich am Sonnabend Menschen zum Gebet in der Synagoge treffen. Unvorstellbar, wenn sie beim Verlassen des Gebetsraumes Neonazis begegnen», sagte Kosche weiter. Die Jüdische Gemeinde werde den Appell des Bündnisses «Europa gegen Rassismus» unterzeichnen, der dazu aufruft, am Sonnabend zahlreich die gestern im historischen Scheunenviertel wieder eröffnete Wehrmachtsausstellung zu besuchen, um die Polizei so zu zwingen, die Rechtsextremen umzuleiten.

Dass die geplante Aufmarschroute, die vom Bahnhof Friedrichstraße durch die Oranienburger-, die August- und die Torstraße zum Alexanderplatz führen soll, auch dem Bezirksamt Mitte und antifaschistischen Gruppen als nicht hinnehmbare Provokation gilt, liegt daran, dass das Scheunenviertel, jahrhundertelang den Mittelpunkt jüdischen Lebens in Berlin bildete. Seit dem 17. Jahrhundert, als Mordechai Model «vor dem Spandauer Thore» Land erwarb, gilt die Spandauer Vorstadt als Inbegriff des Berliner Stetls - und der jüdischen Totenkultur: Im «Pocket-Park», nahe der NPD-Route, entstand 1672 der erste Friedhof der Jüdischen Gemeinde. Noch heute sind dort etwa 6000 Berliner Juden bestattet.

Eine Entscheidung über eine Routenänderung fällt nach Aussage der Sprecherin des Innensenators, Svenja Schröder-Lomb, «frühestens am Donnerstag». An ein Verbot glaubt sie nicht. Das sei «rechtlich kaum durchzusetzen».

wer/kö

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