|
Genua-News: 1.8.2001
Eine kleine Zusammenstellung von einigen Nachrichten zu Genua, die bei indymedia erschienen sind.
anwälte aus genua brauchen unsere berichte
die anwälte die sich in genua um die aufdeckung der polizeiaktionen während des G8 kümmern, und die allen anzeigen nachgehen, brauchen dringend unsere augenzeugenberichte. von allen leuten, die an den demos teilgenommen haben. außerdem alle photos, videos und sonstige daten.
Von: kanalB
ich habe drei von den legal observers vor ort kennengelernt als ich in genua war. die haben mir jetzt geschrieben und um hilfe gebeten. sie glauben zwar nicht daß die sachen jetzt gleich aufgeklärt werden aber früher oder später wird die wahrheit ans licht kommen, so drücken sie sich aus. also: setzt euch alle hin und schreibt euren augenzeugenbericht. am besten auf englisch. wenn das nicht geht dann auf deutsch. wir sammeln die und kümmern uns um ne übersetzung der deutschen augenzeugenberichte ins italienische oder ins englische. kann jemand übersetzungsarbeit übernehmen? bitte einfach melden.
eMail: wir@kanalB.de
Homepage: http://www.kanalB.de/spezial-genua2001
indymedia.de 1.8.2001 - 15:25 Uhr
Augenzeugenbericht Genua, 13.-22.7.
deutsche Uebersetzung von meinem Augenzeugenbericht "I was in Genoa"
Augenzeugenbericht, 13.-22.7.
Ich war in Genua.
Was ich gesehen habe war Faschismus. Ich danke Gott dass ich weder verletzt noch verhaftet wurde!
Ich war die meiste zeit im IMC in der Via Cesare Battista. Dieser Platz war sehr nar zur "kriegszone" (ein paar hundert meter). Wir rochen die ganze Zeit ueber Traenengas, manchmal mussten wir die Fenster schliessen (und ich habe gehoert, dass der ort, wo der G8 stattfand, Pallazzo Ducale, auch gelegentlich voll von Traenengas war, so dass die ihre Verhandlungen unterbrechen mussten...).
Ich kam nach Genua eine Woche vorher, es gab keine Probleme beim Grenzuebergang (wir nahmen kleine Strassen, an der Grenze fragte mensch uns wohin wir wollten und wir sagten: Como, und sie sagten uns: viel Spass in Genua, und liessen uns fahren...)
Wir kamen an im CSO Terra di Nessuno, einem kleinen sozialen Zentrum im Nordwesten der Stadt. Dort gab es zuvor ein Treffen zum Plan Colombia (es waren auch Leute aus Lateinamerika dabei)
Am Samstag Morgen fuhren wir zur Via Cesare Battista (IMC/ GSF).
Samstag/ Sontag 14./15.7. gab es ein kleines Treffen von "Peoples' Global Action". Wir sprachen ueber die naechste PGA Konferenz in Cochabamba/ Bolivien und darueber wie wir mit der zunehmenden Polizeigewalt bei Grpfeltreffen umgehen sollen. Leute aus Finland berichteten ueber Goetheborg (wir hatten nie gedacht dass Genua die absolute Spitze der Polizeigewalt werden wuerde, die wir jeh erlebt hatten) wir sprachen ueber eine Consulta in Europa, die wir in naechster Zeit durchfuehren wollen. Das Treffen war zu spaet angekuendigt, wir waren nicht viele Leute, wir beschlossen, keine Entscheidungen zu faellen sondern nur Vorschlaege zu machen...
Die naechsten Tage gab es staendig Treffen, in der Via C.Battista und auch im Konvergenzzentrum an der piazza Martin Luther King, direkt am Meer (es war sehr schoen staendig das Mehr vor sich zu haben!)
Dann Manu Chau Konzert, er spielte nicht fuer Geld, er spielte fuer 'uns', fuer 'Genua'...
Donnerstag 19.7., der MigrantInnen-Marsch, ca. 50tausend Leute auf der Strasse, bunt, friedlich, keine Polizei-Riots, meine Gruppe machte Bodypainting und wir hatten ein grosses Transparent 'united colours of resistance'. Wir bewegten uns nahe der 'No-Border-Karawane', einer Gruppe aus Oesterreich die schon seit mehreren Wochen unterwegs war -- ich sa sie das letzte Mal in Salzburg, auf der Demo gegen das Welt-Wirtschafts-Forum. Nach Genua wurde diese Karawane auf ihrem Heimweg gestoppt und alle TeilnehmerInnen wurden festgenommen, was soll ich sagen: Warum?
Freitag 20.7.: Ich hab die Demo nur fuer wenige stunden 'genossen', ich war mit einer Frau und ihrem Hund zusammen und wir konnten uns nicht zusehr dem Traenengas naehern wegen dem Hund. Wir kamen zu spaet zum Statrpunkt vom Pinken Marsch den wir mitmachen wollten. Wir gingen durch die Strassen staendig Traenengasgeruch in der Luft, ueberall brennende Autos, eingeschlagene Schaufenster usw. Was ich spaeter gehoert habe war dass es sehr viele 'Agents Provocateurs' gegeben hat, Polizei getarnt als DemonstrantInnen die Schaufenster von kleinen Geschaeften einschlagen und Riot-Polizei mit Pflastersteinen und Molotovs angreifen, das wurde dokumentiert durch Videoaufnahmen, Photos und Augenzeugenberichte, Samstag abend gab es einen Film darueber im italienischen Fernsehen, aber mehr dazu spaeter...
Ich hab mich wie im Krieg gefuehlt, nirgendwo ein Bereich wo mensch sich sicher fuehlen konnte, ueberall Traenengas, ueberall Riot-Polizei. Wir versuchten aus der Kriegszone herauszukommen aber staendig mussten wir umdrehen wegen neuen Traenengasangriffen. Wir fanden eine Stelle auf einem Huegel von der aus wir etwas sehen konnten was unten abging. Wir sahen Traenengasattacken, brennende Autos und endlos viele Riot-Polizei (zuerst dachte ich es waere nicht gut kleine Autos anzuzuenden aber im nachhinein wurde mir klar dass das oft die einzige Moeglichkeit war Riot-Polizei von ihren Angriffen zu hindern). Schliesslich machten wir einen ziemlich langen Umweg bis wir an der V. Cesara Battista (IMC) ankamen wo wir uns erstmal sicher fuehlten...
Samstag 21.7.: Ich machte keinen Schritt weg von der V. Cesare Battista. Aber was ich dort erlebt habe war genug. Weil die webseite von Indymedia zeitweise down war (mag eine attacke der Gegenseite gewesen sein) haben wir einen Dispatch (Infotisch) auf der Strasse organisiert .Spaeter hatten wir auch eine Box rausgestellt ueber die das Indymedia-Radio Lief, wo es permanent Augenzeugenberichte von der Strasse gab. Ich war mehr oder weniger die ganze Zeit am Dispatch bis in die Nacht als die Schule gestuermt wurde. Wir bekamen hier die Infos was unten in der Stadt passierte. Staendig kreisten die fetten Militaerhubschrauber im Tiefflug ueber uns. Wir rochen das Traenengas von den Riots die nur wenige hundert meter von uns entfernt waren.
Mittags stuerzten Autos (2?) mit rasender Geschwindigkeit durch unsere Strasse die voll von Leuten war. Leute vom (Genoa Social Forum) bekamen angst und sagten uns dass wir dringendsd den Dispatch zurueck ins Gebaeude bringen....
Einige Momente spaeter beruhigte sich die Situation wieder , wir trugen den Dispatch wieder auf die Strasse aber diesmal in den Hof der gegenueberliegenden Diaz-Schule. Wir machten mit unserer Arbeit weiter, die Demo war inzwischen etwas weiter entfernt und die Hubschrauber kreisten nicht mehr so oft ueber uns...
Die Nacht brach ein. Es war immer noch Traenengas in der Luft, aber wir fuehlten uns sicher, was ein GROSSER FEHLER war. Gegen 23 uhr kamen nochmals Autos durch die Menge gerast. Flaschen flogen hinterher. Wir versuchten die Leute zu beruhigen, die Flaschen warfen.
Gegen Mitternacht fing das Geschreie an: Riot Police: Rette sich wer kann! Ich war noch am Dispatch vor der Diaz-Schule. Und die Frau mit dem Hund war auch noch bei mir. Aber ich hatte alles um mich herum vergessen und rannte ueber die Strasse zum IMC (ein paar Momente spaeter fuehlte ich: warum hab ich die Frau nicht an der Hand mitgenommen?).
Die Polizei stuermte auch 'unser' Gebaeude (GSF/ IMC) Ich war im dritten Stock (IMC) und ich konnte Hoeren wie die Tueren eingeschlagen wurden, Stockwerk fuer Stockwerk, das war nicht wirklich ein gutes Gefuehl...
Dan kamen sie -- wir alle raus aus den Zimmern, om Gang an der Wand sitzen. Nicht Sprechen! (Nebenbei bemerkte ich dass die Polizei normale Strassenkleider trugen unter ihren Uniformen, weiss nicht ob dieses Detail irgendwie von Bedeutung ist...) Spaeter durften wir sprechen, manche fragten die Polizei nach Zigaretten (und bekamen auch welche) usw. Dann irgendwann gingen sie (Es war eine Abgeordnete im Haus und jede menge Presse).
Aber was ich dann sah werde ich nie vergessen. Sofort nachdem die Polizei weg war stuerzten wir an die Fenster um zu sehen was draussen abging. Wir sahen die Polizei die Diaz-Schule abriegeln, wir sahen wie einE VerletzteR nach dem/der anderen rausgetragen wurde, wir hoerten geschrei und Schlaege. Viele von uns, mich eingeschlossen, begannen zu weinen, und schrien "Assassini!" (Moerder!). Es waren so viele Leute in der Schule, viele Freunde von uns, und die haben sie geschlagen und geschlagen, es war so viel Blut auf dem Boden danach, wir waren danach alle traumatisiert. Das war reiner Faschismus......
Am naechsten Tag waren wir gezwungen Genua fluchtartig zu verlassen. Sonntag mittag fuerchteten Leute vom GSF eine neue Polizeiattacke. Wir packten schnellst unser Zeug und fuhren nach Mailand. Dort machten wir mit EA (Ermittlungs-Ausschuss) Arbeit weiter. Am Sonntag Nachmittag gab es eine 'kleine' Demo gegen die Polizeigewalt in Genua und gegen die Berlusconi-Regierung -- wie in vielen anderen Italienischen Staedten. Es waren etwa 10 bis 15 Tausend Leute auf der Strasse, hauptsaechlich aus Mailand. Ich fuehlte wie wuterfuellt die Leute waren: "ASSASSINI -- FINI E BERLUSCONI - I VERI ASSASSINI!", Fini und Berlusconi, die wahren Moerder! Ich trug eine schwarze Armbinde als zeichen der Trauer fuer den ermordeten und fuer die verletzten Leute (gegenwaertig wissen wir wenig ueber die Leute ueber den erschossenen Carlo hinaus, es gibt Geruechte, dass noch eine Frau angeschossen wurde, und 2 Leute von der Diaz-Schule schwebten zu dem Zeitpunkt noch in Lebensgefahr) Ich trag sie immer noch die Armbinde und wenn mich Leute danach fragen erzaehle ich ihnen ueber Genua...
so weit meinerseits -- aber fuer euch alle, die ihr in Genua ward, schreibt, was ihr erlebt habt und postet es zu de.indymedia.org und zu http://italy.indymedia.org!
indymedia.de 1.8.2001 - 15:10 Uhr
Noch 49 G8-GegnerInnen im Knast
Up-Date ueber die noch verbliebenen 49 Gefangenen in den 5 Knaesten Pontedecimo, Marassi, Voghera, Pavia und Alessandria mit Anschrift usw.
Von: EA-Mailand/Genua
EA-Genova/Milano informiert 31.7., 19.00 UHR
Noch 49 G8-GegnerInnen im Knast
Hallo, seid herzlichst gegruesst vom Grenzcamp, hier ein kleiner up-date von der Situation der noch Inhaftierten. Wir haben hier in Milano/Genova einen EA-Service aufgebaut, um die Gefangenen und die Verletzten in den Krankenhaeusern vor Ort zu unterstuetzen.
Insgesamt sitzten noch 49 Gefangene im Knast. 22 Deutsche, 17 OesterreicherInnen, 3 Amis, 1 Schwedin, 2 Italiener, 1 Neuseelaender, 2 Slowaken und ein Ire.
Nach dem brutalen Ueberfall auf die Schule DIAZ in Genua sind alle dort Festgenommenen bis auf einen freigelassen worden, insgesamt gibt es 221 Ermittlungsverfahren. Die 25 Personen von der NOBORDER-Karawane sind am Sonntag, den 22.7., die 10 BerlinerInnen am Montag, den 23.7., und der Grossteil der anderen auch am 23.7. festgenommen worden.
2 US-Amerikaner sind am Freitag den 27.7. am Bahnhof Stazione Brignole in Genua festgenommen worden. Sie hatten angeblich schwarze Klamotten an und eine Videocassette mit Inteviews von Augenzeugen in ihren Gepaeck. Sie sind inzwischen wieder freigelassen worden.
Mindestens den 25 Personen von der NOBORDER-Karawane und 10 weiteren aus der BRD mit den 2 Wannen wird § 416 terroristische Organisation "Black Block" (organisatorischer Teil) und § 419 konkrete Beteiligung innerhalb der terr.Organisation an Verwuestungen, Pluenderungen, Zerstoerungen von Eigentum etc. an den Auseindersetzungen in Genua vorgeworfen.
Aus der Anklageschrift geht hervor, dass alle angezeigten Umstaende Indizien ergeben, dass die Angeklagten Mitglieder der Organisation "black block " seien". Angefuehrt wird noch, dass bei den beschlagnahmten Sachen sich angeblich ein Film befindet, auf dem zerstoerte Sachen und Vermummte Leute zu sehen sind.
Bei der Noborderkaravane wurden Helme, nicht funktionstuechtige Gasmasken, schwarze t-shirts und Jonglierkeulen gefunden, die fuer die theaterperformance der gruppe verwendeet wurden. Weiters wurden Kuechenutensilien und Taschenmesser gefunden. Das alles sollen Beweise fuer die Teilname an gewalttaetigen Ausschreitungen sein.
Anderen wird Waffenbesitz, ebenfalls Verwuestungen und Pluenderungen, Bankraub(in einem Fall) etc. vorgeworfen. Fast alle Leute wurden in ihren Fahrzeugen (Reisebusse, PKWs, Wannen) die alle beschlagnahmt worden sind, festgenommmen. Angeblich wurden eine ganze Reihe Sachen dort gefunden von schwarzen Klamotten, Zimmermannshemmern, Eisenrohre, Messer, Ketten bis zu allerlei Werkzeug.
Noch haben wir keine vollstaendige Uebersicht ueber alle konkreten Anklagepunkte aller Gefangenen.
Die Haftbefehle wurden fast alle am 26.7. oder am 27.7. ausgestellt. Die naechsten Haftpruefungstermine sind innerhalb der folgenden 10 Tagen.
Noch haben nicht alle AnwaeltInnen, bzw. AnwaeltInnen ihrer Wahl. Wir arbeiten dran.
Der brutale , faschistische Ueberfall auf die Schule Diaz erzeugte auch in Italien eine Welle der Empoerung. Zeitungen und Medien erzeugten einen starken oeffentlichen Druck. Inzwischen hat die Genuaer Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Polizei erhoben, die die Schule Diaz ueberfallen hat. Die kritische Berichterstattung erstreckte sich fast ausschliesslich auf die Schule, waehrend gleichzeitig eine beispiellose Hetze gegen den sog. imaginaeren "Black Block" betrieben wird. Gerade deshalb ist es notwendig, den oeffentlichen Druck mit der Forderung nach Freilassung aller G8- Gefangenen aufrechtzuerhalten.
Weitere Infos:
1.Alle Personen, die mit einem Einreiseverbot belegt worden sind, koennen innerhalb 30 Tage bei der italienischen Botschaft in Berlin Beschwerde dagegen einlegen.
2. Bei italienischen AnwaeltInnen kann Klage gegen das Vorgehen der Polizeibeamten in der Schule Diaz eingereicht werden (Frist 30 Tage).
3. Alle aus der Schule koennen bei dem deutschen Generalkonsulat in Mailand unter der FAX-Nummer 0039-02-655 42 13 Listen ihrer beschlagnahmten Sachen abgeben. Das Generalkonsulat will sich drum kuemmern.
Mehr Infos unter
EA-Genova/Milano : Tel. 0039-02-670 5185
0039-02-670 7414 1
Mehr Infos ueber die NoBorderNo Nation/Volxtheaterkaraswane:
http://www.no-racism.net/noborder
http://austria.indymedia.org
eMail: ea-genova@gmx.net ,eamilano@email.com
indymedia.de 1.8.2001 - 14:33 Uhr
Einreiseverbote nach Italien bestehen fort!
die pds-bundestagsabgeordnete heidi lippmann ist zur zeit in genua, hat leute im krankenhaus besucht und berichtet, dass die einreiseverbote für deutsche nach italien weiter bestehen
Datum : 1.8.2001
Nr. : 3000
Thema : Genua
Weiterhin Einreiseverbote für Deutsche nach Italien
Heidi Lippmann, Leiterin der AG Internationale Politik der PDS-Bundestagsfraktion hält sich zur Zeit in Genua auf. Nach Besuchen bei zwei Deutschen im Krankenhaus, die bei der brutalen Stürmung der Schule Diaz durch die italienische Polizei schwer verletzt wurden, erklärt Frau Lippmann:
Entgegen Berichten des Auswärtigen Amts werden weiterhin fünfjährige Einreiseverbote gegen Deutsche verhängt, die in Genua festgenommen worden waren und gegen die keinerlei Tatvorwürfe vorliegen.
Heute werden zwei Deutsche aus dem Krankenhaus entlassen, die wegen ihrer schweren Verletzungen mehr als eine Woche stationär behandelt worden sind. Mit den Entlassungspapieren erhalten haben sie gleichzeitig eine Aufforderung das Land zu verlassen und ein fünfjähriges Verbot der Wiedereinreise. Grundlage für die Maßnahme der italienischen Behörden ist laut vorliegender Verfügung der Verdacht der Mitgliedschaft in einer der Gruppen, die während des Gipfels Gewalttaten verübt haben und die daraus abgeleitete Gefahr für die öffentliche Sicherheit.
Die Haftprüfung hatte jedoch bereits in der vergangenen Woche ergeben, dass keine Tatvorwürfe vorliegen, weswegen der Haftbefehl aufgehoben worden war. Mit der jetzt angeordneten Ausweisung und dem Wiedereinreiseverbot wird diese Entscheidung ignoriert und ein bloßer Verdacht zum Straftatbestand erhoben.
Ausreichend für den Verdacht auf Mitgliedschaft im sogenannten schwarzen Block ist für die italienischen Behörden oft bereits das Auffinden von schwarzer Kleidung.
Ich protestiere gegen die Ausweisung und das Einreiseverbot und fordere das Auswärtige Amt auf, bei der italienischen Regierung ihren Protest gegen diese Vorgehensweise geltend zu machen, die in krassem Gegensatz zu rechtsstaatlichen Prinzipien und zum Schengener Abkommen steht.
indymedia.de 1.8.2001 - 12:53 Uhr
Solidaritätsaktionen in Heidelberg zu Carlo
Wir haben in der Nacht zum 27. Juli verschiedene Bankinstitute in Heidelberg mit Steinen massiv angegriffen und beschädigt. Zudem haben wir die Fassaden mit Parolen: G8 is murder, Capitalism Kills, Rache für Carlo... besprüht.
Damit wollen wir auf das massakerähnliche Vorgehen der italienischen Carabinieri während den Aktionen in Genua aufmerksam machen und ihren kapitalistischen Wegbereitern ein Wenig Schaden anrichten.
In diesem Sinne: Rache für Carlo...!!!!
Smash Capitalism - Now...
Widerstand statt Resignation.
indymedia.de 1.8.2001 - 10:49 Uhr
Genua: parlementarische untersuchung ?
Es sieht danach aus dass das Berlusconi-regime nun doch eine parlamentarische untersuchung der ereignisse in Genua zustimmen wird. Und: wie geht es weiter mit uns...
Nach neuntägigem mauern sieht es jetzt danach aus dass das Berlusconi-regime nun doch eine parlamentarische untersuchung der ereignisse in Genua zustimmen wird. Gesternabend brachte sich präsident Ciampi ein und erklärte dass die aufklärung nicht nur aufgabe der exekutive und die justiz sei, sondern auch des parlaments.
Die 3 von Berlusconi entsandten inspektoren haben gestern ihre berichten vorgelegt. Darin ist die rede von polizeiliche "irrtümer" und "versäumnisse". Diese inspektoren haben keine opfer befragt, sondern nur polizisten und dabei festgestellt dass die polizeibeamten sich an zahlreiche übergriffe schuldig machten. Die razzia in der Diaz schule war in ihre augen zwar rechtmäßig aber in machen momenten war die situation außer kontrolle geraten. Auch bei zusammenstößen auf der straße habe man grundlose gewalt seitens der polizei festgestellt.
Die frage ist was diese untersuchung gebracht hat uns was eine eventuelle parlamentarische untersuchung bringen soll. Es ist zur befürchten dass das Berlusconi-regime durch den entstandene druck jetzt versucht ein paar köpfe in der polizeiführung rollen zu lassen und dass er dafür durch sämtliche staatschefs (Schröder!) gelobt wird. Von der regierungsseite war Gianfranco Fini, stellvertretender ministerpräsident von der neo-faschistischen Alleanza Nazionale, politisch verantwortlich für den einsatz der polizei. Es ist nicht zu erwarten dass sein kopf rollt.
Nicht gesprochen wird über die viele zeugenaussagen dass die polizei immer wieder zuliess dass militante aktionen durchgeführt wurden. Sie standen dabei, taten nichts und haben teilweise zugeschaut. Siehe auch den erste Foto bei der situation wobei Carlos ermordet wurde auf die Webseite von La Reppublica:
http://www.repubblica.it/gallerie/online/politica/uccisione/index.html
Es ist deutlich zusehen wie polizisten zuschauen und nicht eingreifen.
Es gibt viele fragen. Wollte dass Berlusconi-regime den krawall ? Eine andere frage ist ob mit alle EU-weite zusammenarbeit von polizeidiensten (Ghöteborg!) dies international gewollt war. Ein versuch um die bewegung zu kriminalisieren und auch zu spalten. Geschwiegen von den einschüchterung von viele menschen um überhaupt auf die straße zu gehen. Wir werden immer mehr und damit auch immer mehr zu eine bedrohung für den mächtigen. Und wenn es gewollt war, was bedeutet dies für die militante gruppen ? War, ist, die strategie falsch ? Wir denken ja. Wir wollen uns nicht distanzieren von militante gruppen, auch nicht wenn wir gewalt ablehnen (Wann distanziert Schröder sich entlich von sichselber und seine G8 freunden). Wobei wir übrigens klar stellen wollen dass das angreifen von tante-emma läden völlig daneben ist! Es ist wichtig um ein vielfallt von gruppen und aktionsformen zu kombinieren, aber es ist auch wichtig um immer wieder für überraschungen zu sorgen. Die militante aktionen wurden erwartet und die medien bekamen sie auch, sie wurden reichlich bedient und konnten ihre bilder produzieren. Bleibt die frage ob die bewegung und ihre inhalte genau soviel aufmerksamkeit bekommen hätte ohne militante aktionen. Militante aktionen können dabei helfen, in Genua hätte es ohne wahrscheinlich auch funktioniert. Die polizei hätte nach unsere einschätzung so oder so ihre brutalität demonstriert und wir waren auch mit zuviele um ignoriert zu werden.
Und nun ? Nicht nur militante gruppen müssen sich ihre strategie und vorgehensweise überdenken und durchdiskutieren. Wie geht es weiter ? Wir denken dass neben die aktionen während gipfeltreffen von G8, EU, WTO usw. wir noch viel mehr lokal agieren müssen. Die No-Border aktionen begrüßen wir. Wir denken das diese aktionen wichtig sind. Wir bestimmen wann, wo und wie! Für viele menschen ist die neo-liberale globalisierung immer noch ein abstrakter begriff. Nach Genua hat sich dass zwar verbessert aber wir müssen dies weiter intensivieren und ausbauen, z.B. durch ein vielfalt von aktionen und aktionsformen in die städten, wobei die inhalte auch gut vermittelbar sein müssen (aber dass sollte für sich sprechen). Wir können z.B. der WTO gipfel in Qatar (november 2001) auch als chance sehen. Der geplante global action day, die während diesen gipfel stattfinden wird, gibt uns die gelegenheit um überall aufzutauchen, unerwartet. Es entstehen dadurch auch möglichkeiten um überraschende neue aktionen auszuführen ohne 20.000 polizisten die notwendigerweise, auch wenn es nur zur rechtfertigung für die immense kosten wäre, etwas tun müssen. Die idee (Global Action Day) ist natürlich nicht neu, 1. Mai, Global Action Day gegen ExxonMobil ( Siehe auch: http://www.stopglobalwarming.de.vu ) sind nur 2 von viele die es schon gab. Aber die weltweite aktionstage sind noch ausbaufähig.
Zurück nach Genua und Berlusconi:
Wo nach der installierung von der ÖVP-FPÖ regierung in Österreich noch große sprüche durch die andere EU staatshäuptlinge gekloppft wurden, die allerdings nicht lange anhielten, wurden Fini und Berlusconi mit offene armen empfangen. Eine allianz zwischen neo-faschisten und ein medien-magnat, und dass auch noch in ein EU staat, ist ein horror-szenario dass um widerstand schreit.
Wir dürfen uns auf gar kein fall einlullen lassen durch untersuchen über dass vorgehen von staatsorganen durch andere staatsorganen!
Lass uns den druck erhöhen durch weitere solidaritätsaktionen!
Termine solidaritätsaktionen Genua:
Solidarität mit Gefangenen und Verletzten von Göteborg und Genua! Zwei Wochen nach dem Mord an Carlo Giuliani: Kein Vergeben, kein Vergessen! Demonstration am Freitag, 3.August 2001. Auftakt: 20.30 Uhr im Klenzepark, Elefantenbrunnen, Ingolstadt
Genua ist überall. Demo am 07.08.2001 zum italienischen Konsulat in Dortmund. Treffpunkt: Dortmund Hauptbahnhof 08:30 Uhr (morgens)!
Berlin 03.08. 20Uhr vor der italienischen Botschaft (Berlin) treffen zum Gedenken an den ermordeten Carlos(mit Kerzen und Transpis etc.) Mahnwache
Hannover 04.08. (näheres hierzu bitte vor Ort erfragen) Mahnwache
Weltweit: 20.08.2001 Global Action Day
indymedia.de 1.8.2001 - 03:16 Uhr
|