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Genua-News: 7.8.2001
Eine kleine Zusammenstellung von einigen Nachrichten zu Genua, die bei indymedia erschienen sind.
Ohnmacht! Was wollen wir?
Berichte über die Gewaltorgien der italienischen Polizei in Genua finden bis in die Massenmedien Gehör. Bundestagsabgeordnete befassen sich mit dem Fall, eine internationale Untersuchung der Ereignisse wird gefordert. Eines ist klar: Die Gefangenen müssen raus. Brutale Misshandlungen und willkürliche Verhaftungen finden noch immer statt. Die Menschen in den Gefängnissen sind psychisch und physisch am Ende.
Ohnmacht! Was wollen wir?
Es ist gut, dass die italienische Regierung und ihr faschistischer Innenminister unter schwerem Beschuss stehen. Doch das kann und darf nicht alles sein. Zu tief sitzen die Erlebnisse aus Genua, zu groß die Wunden, die sie uns angetan haben. Jetzt versuchen sie ihre Hände reinzuwaschen. Lassen wir uns nicht täuschen: Schuldig an diesem ungreifbaren Ausmaß faschistoider Polizeigewalt ist nicht nur die italienische Regierung.
Schuldig ist auch Gerhard Schröder, der nach den Protesten in Göteborg und auch während Genua, forderte "mit aller Härte" gegen DemonstrantInnen vorzugehen. Resultat: 1 Toter, ca. 500 Verletzte, etliche Folterungen, Misshandlungen und Erniedrigungen, die Abschaffung der Menschenwürde und grundsätzlicher Rechte. An seinen Fingern klebt Blut!
Zum ersten Mal seit langem wird das Blut gezeigt und wahrgenommen, welches die Regierungen der kapitalistischen Länder produzieren. Deutlich gemacht an Menschen, die gegen diese Zustände protestieren wollten. Doch tagtäglich gibt es in ganz Europa und auf der ganzen Welt Opfer dieser Politik, des kapitalistischen Wirtschaftsystems und dem damit verbundenen Ausbau eines internationalen Polizeistaats. Flüchtlinge, aus allen Ländern der Welt, die meistens noch weit schlimmere Folterungen und Misshandlungen erfahren mussten als wir Protestierenden von Genua, werden in Europa in einem Lagersystem eingepfercht und ihnen werden grundlegende Rechte verweigert. Auch hier vor unserer Nase. Es gibt nur einen Unterschied: unsere Stimmen werden vernommen, solange wir weiße EU-Bürger sind, haben wir viel Unterstützung und Öffentlichkeit, die Stimmen der Flüchtlinge dagegen werden kaum wahr genommen, sie gehen im gesellschaftlichen Rassismus unter. Deshalb sollte unser Kampf gegen die bestehenden Bedingungen immer auch ein Kampf Schulter an Schulter mit diesen Menschen sein.
Deutsche Polizei misshandelt und tötet genauso skrupellos wie italienische. Das Problem macht nicht an Staatsgrenzen halt. Diese Grenzen gelten nur für uns Menschen. Das Problem, die Gewalt der Polizei und die Unterdrückung und Ausbeutung, kennt keine nationalen Grenzen. Diese Grenzen sind nur ein weiteres Instrument, uns unter Kontrolle zu halten, nur ein weiterer Aspekt der Repression.
Die Medien nennen uns "Globalisierungsgegner", doch wir sind Erdbewohner, Menschen, die sich solidarisieren mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten auf der ganzen Welt. Uns eint der Wunsch nach Selbstbestimmung, unsere Stimmen erheben sich gemeinsam gegen jede Form von Herrschaft. Überall werden Menschen misshandelt, gefoltert, deportiert, eingesperrt, ermordet. Verantwortlich dafür sind die Politiker, die ihre Anweisungen geben. Verantwortlich dafür sind die ausführenden Organe vor Ort. Verantwortlich dafür ist die zügellose Industrie. Verantwortlich dafür sind die Medien, die uns belügen. Verantwortlich dafür sind die Menschen die zusehen und schweigen.
zur erinnerung und zum weitersagen:
am 20. august ist global action day - seid also kreativ und haut auf den putz! jedeR mit seinen/ihren mitteln: jede kleine aktion ist wichtig genauso wie jede große, an diesem tag protestieren wir alle zusammen an verschiedensten orten...
indymedia.de 7.8.2001 - 23:13 Uhr
Warum ein globalactionday am 20. August?
Warum wir zu einem globalen Aktionstag am 20. August aufrufen...
Die Repression gegen die globale antikapitalistische Bewegung hat in Genua für westliche Verhältnisse ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die angegriffene Bewegung ist eine globale. AktivistInnen aus allen Teilen der Welt zeigten in Genua ihre Ablehnung gegenüber einer Politik, für die G8 Treffen stehen. Die Repression gegen die Bewegung beschränkt sich natürlich nicht auf Genua und auch nicht auf die anderen Gipfel. In allen Ländern erfahren AktivistInnen der Bewegung alltäglich, was es heißt, mit den herrschenden Verhältnissen nicht einverstanden zu sein. Auch die Unterdrückung ist somit global.
Unser Widerstand geht weiter!
Warum ein global action-day am 20.August?
Wir wollen uns dem Aufruf zahlreicher Gruppen aus verschiedenen Ländern anschließen und für dem 20.August zu einem globalen Aktionstag aufrufen, zu dem wir vor allem die sich verschärfende massive Repression von staatlicher Seite gegen die globale antikapitalistische Bewegung thematisieren wollen.
Die Repression gegen die globale antikapitalistische Bewegung hat in Genua für westliche Verhältnisse ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die angegriffene Bewegung ist eine globale. AktivistInnen aus allen Teilen der Welt zeigten in Genua ihre Ablehnung gegenüber einer Politik, für die G8 Treffen stehen.
Die Repression gegen die Bewegung beschränkt sich natürlich nicht auf Genua und auch nicht auf die anderen Gipfel. In allen Ländern erfahren AktivistInnen der Bewegung alltäglich, was es heißt, mit den herrschenden Verhältnissen nicht einverstanden zu sein. Auch die Unterdrückung ist somit global.
Ebensowenig liegt die Verantwortung für die unglaublichen Ereignisse in Genua nur beim italienischen Staat. Zahlreiche Politiker aus aller Welt forderten immer wieder zu einem härteren Durchgreifen gegen die AktivistInnen auf, dem ja dann von italienischer Seite voll entsprochen wurde.
Nachdem Bekanntwerden der Polizeigewalt traf sich der deutsche Innenminister Otto Schily mit seinem post-faschistischen italienischen Kollegen Scajola, um den Aufbau einer europäische Spezial-Polizei zur Aufstandsbekämpfung einzuleiten.
Nicht nur die Repression an sich, sondern auch andere Unterdrückungsstrukturen gegen die sich unsere Bewegung richtet, wie z.B. Kapitalismus und Staat agieren global und damit oft effektiver.
Bei der Teilnahme an einem globalen Aktionstag geht es uns außerdem darum zu zeigen, daß unsere Bewegung dezentral agiert und wir wollen damit gleichzeitig lokale Strukturen stärken. Bei gleichzeitigen lokalen Aktionen in aller Welt wird zudem erneut die globale Vernetzung und Solidarität innerhalb der Bewegung sichtbar sowie, daß Widerstand in allen Teilen der Welt stattfindet.
Die lokalen Aktionen haben durch ihre Gleichzeitigkeit außerdem eine größere Öffentlichkeitswirksamkeit, die vielen Aktionen sonst oft verwehrt wird. Dies ist besonders an diesem globalen Aktionstag gegen Repression wichtig, da auch in der breiteren Öffentlichkeit nicht vergessen werden darf, daß immer noch AktivistInnen aus Genua im Gefängnis sitzen. Auf die italienischen Behörden muß weiterhin soviel Druck wie möglich gemacht werden, damit die Leute freigelassen werden.
Mit dem Aktionstag am 20.August wollen wir schließlich auch zeigen, daß wir nicht nur dann unseren massiven Widerstand entfalten, wenn sich die Repräsentanten des kapitalistischen Systems irgendwo treffen.
Organisiert zahlreiche kreative Aktionen zum 20.August und regt andere an dasselbe zu tun!
Freiheit für die Gefangenen in Genua! Smash Capitalism!
indymedia.de 7.8.2001 - 21:41 Uhr
Prügeltraining für Genua
Sheriffs aus Los Angeles trainierten italienische Polizei vor G-8-Gipfel (aus Junge welt) Die italienischen Polizisten, die die Demonstranten während des G-8-Gipfels in Genua brutal zusammengeschlagen haben, wurden vorab von zwei US-Sheriffs aus Los Angeles ausgebildet.
Diese Information enthüllte die kommunistische Tageszeitung Liberazione in ihrer Ausgabe vom Dienstag. Demnach seien 70 Beamte einer Einheit der mobilen Einsatzkräfte ausgewählt und in einem viermonatigen Kurs gesondert ausgebildet worden. Die anderen Männer der mobilen Truppe hätten einen Kurs von einer Woche hinter sich gebracht. Einer von ihnen hat seine Erfahrungen Liberazione anvertraut: "Die beiden Sheriffs aus Los Angeles hatten die Aufgabe, die Männer der Einheit im Gebrauch des amerikanischen Schlagstocks, der aus Aluminium besteht, auszubilden. Die beiden kritisierten offen die Art und Weise, wie die italienische Polizei in den Aufgaben der öffentlichen Ordnung eingesetzt wird.
Nachdem sie uns aufmarschieren gesehen haben sagten sie: Ihr seid zu viele. Bei uns in Los Angeles reicht eine Gruppe von 20 Polizisten aus, um Hunderte von Demonstranten zu zerstreuen, weil wir Gummigeschosse abfeuern dürfen, die verletzen, aber nicht töten." Die nur eine Woche dauernde Ausbildung dagegen habe nach Aussage des anonymen Teilnehmers vor allem in einer Wehrsportübung bestanden: Marschieren, durch eine Feuerwand oder aus einem fahrenden Auto springen. "Es schien mir, als ob wir zu den Kämpfen des Mittelalters zurückgekehrt seien. Mittlerweile erhalten wir nur noch eine militärische Ausbildung. Was für ein Unterschied besteht noch zwischen Polizisten und Soldaten?"
Der Sekretär der Polizeigewerkschaft Siulp, Luigi Notari, warnt bereits seit langem vor einer Militarisierung der Staatspolizei. Anstatt einer zivilen Truppe, die dank entsprechender Ausbildung auch soziale Konflikte zu interpretieren wisse, sei seit einigen Jahren ein Prozeß in Gang, den die hochrangigen Funktionäre als Harmonisierung mit den anderen Polizeikorps - Finanzpolizei, Gefängnispolizei, Bahnpolizei - bezeichneten. "In Wirklichkeit ist dieser Prozeß nichts anderes als eine Harmonisierung der Staatspolizei mit den militärischen Modellen" , meint Notari.
Inzwischen kennt die Hysterie der italienischen Regierung vor befürchteten Ausschreitungen bei internationalen Gipfeltreffen keine Grenzen mehr. Nach den immer ernsthafteren Überlegungen, das Treffen der 180 Staats- und Regierungschefs zum FAO-Gipfel in Rom (5. bis 9. November) eventuell in ein afrikanisches Land zu verlegen, fürchtet die italienische Politik auch Ausschreitungen beim Treffen der Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedsstaaten, die am 26. und 27. September in Neapel zusammenkommen, um über den US- amerikanischen "Raketenschutzschirm" zu diskutieren. Die Grünen und Rifondazione comunista (Kommunistische Neugründung) haben bereits die Streichung des NATO- Treffens gefordert. Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino fürchtet um die Stadt und drängt die Regierung ebenfalls zur Verlegung der Konferenz. "Ich werde die Stadt nicht militärisch abriegeln", sagte die Bürgermeisterin. Das neapolitanische Netzwerk "No Global" bereitet sich indes bereits auf den Protest vor und hat zu einer Massenkundgebung aufgerufen.
indymedia.de 7.8.2001 - 21:22 Uhr
Trauma: Unterstützung für GenuaÜberlebende
Die deutsche Übersetzung des Artikels von Starhawk zum Thema Trauma, Nachsorge, Unterstützung von Opfern der Polizeigewalt.
Vorbemerkung: Manchen mag der folgende Text zu "psychologisierend" erscheinen. In der Tat kümmert er sich um eine Sache, die in der linken, aktionistisch orientierten Szene gern vernachlässigt wird: Nachsorge. Damit ist in diesem speziellen Fall die psychologische Nachsorge gemeint, die der Tatsache Rechnung trägt, daß viele Aktivisten in Genua extremen psychischen Streß zu ertragen hatten. Da der Text in dieser Hinsicht sehr kompetent ist, habe ich ihn übersetzt, obwohl mir die esoterischen Bezüge der Autorin nicht behagen.
Trauma-Unterstützung für Genua-Überlebende
Von Starhawk (http://www.starhawk.org)
Genua war ein Gemetzel. Unsere Freunde und Genossen sind brutal zusammengeschlagen, gefoltert und inhaftiert worden. Manche von ihnen sind so schwer verletzt worden, daß sie sich nie ganz davon erholen werden. Keiner von uns wird in emotionaler oder politischer Hinsicht wieder ganz derselbe sein.
Diejenigen von uns, die es schwersten getroffen hat, brauchen unsere Unterstützung. Und auch die, denen es besser erging, sollten wissen, wie sie mit traumatischen Erlebnissen umgehen und die Symptome des Posttraumatischen Belastungssyndroms (post traumatic stress syndrome / PTSD) erkennen können.
Einige dieser Symptome werden im Folgenden beschrieben. Jedes einzelne von ihnen stellt eine normale menschliche Reaktion auf traumatische Erlebnisse dar, aber ihre Dauer und Intensität können sie zum potentiell lebensbedrohlichen Posttraumatischen Belastungssysndrom bündeln. Wenn du drei Monate nach den Ereignissen immer noch starke Symptome der folgenden Art hast, kann es sein, daß du professionelle Hilfe brauchst. Die Stärke des Traumas hängt von unserer eigenen persönlichen Biographie und dem Grad an Gewalt ab, dem wir ausgesetzt waren. Menschen, die eine von Gewalt bestimmte Kindheit hinter sich haben, oder die schon einmal eine Vergewaltigung, eine schwere Körperverletzung oder Mißbrauch irgendeiner Art über sich ergehen lassen mußten, sind besonders verwundbar.
Einige Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung:
- Deine Ernährungs- und Schlafgewohnheiten ändern sich drastisch. Manche Betroffenen haben keinen Appetit oder sind schlaflos. Andere können mit beidem nicht aufhören.
- Du kannst die schrecklichen Erfahrungen nicht verarbeiten. Sie drehen sich wie ein Karrussell in deinem Kopf.
- Du hast keinen Zugang zu deinen Gefühlen.
- Du bist depressiv, hast an nichts mehr Spaß.
- Du erfährst unkontrollierbare Wutgefühle oder -ausbrüche (Wut ist eine normale Reaktion auf das, was geschehen ist, aber selbstzerstörerische Wut oder Wut, die sich auf die falschen Ziele richtet, könnte ein Symptom sein).
- Du trinkst ungewöhnlich viel Alkohol oder nimmst Drogen, um dich beruhigen oder abzulenken (Selbstmedikation).
- Du leidest an Furcht, ständiger Ängstlichkeit, Panikattacken und Phobien (Angstzustände ohne erkennbaren Bezug zur Realität)
- Du hast Schuldgefühle und bezichtigst dich selbst. Augenzeugen, die nicht selbst zum Opfer wurden, sind möglicherweise für die sogenannte "survivor's guilt" anfällig, d.h. für Schuldgefühle, die aus der Überzeugung entstehen, nicht rechtzeitig eingeschritten zu sein, oder andere nicht vor Verfolgung und Terror geschützt zu haben ("Warum sie und nicht ich?")
- Du spürst überwältigenden Kummer.
- Du kannst kein normales Leben führen, Pläne machen oder Entscheidungen fällen.
- Du schämst dich.
- Du hast Selbstmordgedanken.
Was du tun kannst, um dir selbst zu helfen:
- Setz dich in Verbindung mit deinen Freunden und Bekannten. Kontakt ist wichtig! Isoliere dich nicht selbst!
- Denk daran - was passiert ist, ist nicht dein Fehler. Du brauchst dich nicht zu schämen oder schuldig zu fühlen, obwohl diese Gefühle im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen normal sind. Die Schuld liegt bei denen, die geschlagen, gefoltert und gemordet haben, und bei denen, die die Befehle dazu gaben, nicht bei dir. Du bist mit einer extrem brutalen Situation umgegangen, so gut es eben ging.
- Nach Genua zu gehen, war ein Beweis für deinen Mut, deine Entschlossenheit und deine moralische Integrität. Lass dir nichts anderes einreden. Du kannst stolz auf dich sein!
- Freunde und Familienmitglieder, die mit deiner Situation nicht klarkommen, machen alles möglicherweise noch schlimmer. Du hast das Recht, dich abzugrenzen und nach echter Hilfe Ausschau zu halten.
- Denk daran, daß Menschen die allerschrecklichsten Efahrungen überleben, und daß sie dadurch gestärkt werden. Aber deine eigene Erholung kann zeitaufwendig sein. Kümmer dich jetzt nicht um die Frage, ob du je wieder politisch aktiv sein kannst. Dich zu erholen ist politische Arbeit!
Was du tun kannst, um deine Freunde zu unterstützen:
- Kümmer dich um sie. Kontaktiere sie. Lass sie nicht in Isolation abgleiten. Ich bin besonders um die besorgt, die möglicherweise allein nach Genua gegangen sind, oder die daheim keine Freunde haben. Sie müssen mit Leuten in Kontakt treten, die dort waren und die einen Begriff von dem haben, was dort vorgefallen ist.
- Halte den Kontakt aufrecht. Ruf sie an, frag sie wie es ihnen geht, frag sie danach, ob sie schlafen können. Denk daran, daß manche Menschen glauben, sie seien ok, daß die Trauma-Effekte aber erst später einsetzen. Dein Kontakt wird möglicherweise über Monate gebraucht, nicht nur ein paar Tage lang.
- Hilf ihnen, sich auszusprechen. Sie werden ihre Geschichte erzählen müssen, vielleicht immer und immer wieder. Am besten hören andere zu, die ähnliches erlebt haben und wissen, was los war, aber wenn das nicht möglich ist, sollte jemand zuhören, der die volle Bandbreite ihrer Gefühle akzeptieren kann und ihnen nicht ein Patentrezeopt überstülpt, das die Gefühle einfach wegmacht.
- Kauf für sie ein, koch ihnen was, mach für sie daheim sauber. Erleichtere ihnen Alltagsaktivitäten.
- Begleite sie im Alltag (Behördengänge, Besorgungen).
- Sei ihnen eine Stütze in medizinischen, juristischen oder psychischen Fragen. Hilf ihnen, Termine zu machen und einzuhalten. Geh mit ihnen hin. Hilf ihnen Formulare auszfüllen und Briefe zu schreiben. Hilf ihnen bei der Suche nach geeigneter professioneller Unterstützung.
- Unterstütze sie in beruflichen oder schulischen Angelegenheiten.
- Unterstütze eventuell ihre Familienmitglieder oder Freunde, denen es auch dreckig geht.
- Sei ihnen eine Unterstützung (oder ein Schutz) im Kontakt mit Familienmitgliedern, Beziehungspartnern oder Freunden, die mit der Situation nicht klarkommen und sich wenig hilfreich verhalten. Möglicherweise werden diese Menschen wütend auf dich, wenn du dich so verhältst. Versuche ihnen sanft die Wahrheit über die Vorfälle beizubringen.
- Hilf den Betroffenen dabei, sich Gehör zu verschaffen, aber achte auf ihre Bedürfnisse. Manchen hilft es, ihre Geschichte laut und deutlich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Du kannst die Medien darauf aufmerksam machen oder du kannst sie mit Gruppen von anderen Betroffenen in Verbindung bringen. Für andere hingegen wäre die Veröffentlichung ihrer Geschichte zu stressig oder sogar eine Retraumatisierung. Vielleicht können sie sich anders Gehör verschaffen: Sie können ihre Geschichte niederschreiben, sie können Erlebnisberichte verfassen, die von anderen öffentlich vorgetragen werde, sie können daheim Videos oder Tonbandaufnahmen machen.
- Sei weiter politisch aktiv. Finde Möglichkeiten, durch die deine betroffenen Freunde weiter mit dem Geschehen in Kontakt bleiben können, obwohl sie möglicherweise selbst nicht direkt involviert sind.
- Denk bitte bei all dem daran, daß deine Freunde selbst ihre Erholung vorantreiben müssen. Stülpe ihnen nichts über und behandele sie nicht wie Kinder, sondern hilf ihnen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Internetadressen
Eine andere gute Internetadresse zum Thema Trauma, mit weitern Links und Buchtipps:
http://healingtrauma.protest.net
Wir müssen uns umeinander kümmern. Wenn wir das tun, wird unsere Bewegung wachsen und stärker werden.
Nachbemerkung (M.H.)
Wie man hört, schlägt der deutsche Innenminister eine neue europaweite Spezialpolizei vor, die bei Auseinandersetzungen in der Art von Genua in Aktion treten soll. Sollte diese Spezialpolizei Wirklichkeit werden, würde das nach Lage der Dinge nichts anderes bedeuten, als daß die Hinweise von Starhawk in Zukunft immer wichtiger werden.
indymedia.de 7.8.2001 - 20:55 Uhr
Video zu Genua
30ig minütiges Video für Infoveranstaltungen ist fertig.
Von: AK Kraak & Kanal B
Ein erster Schnellzusammenschnitt von Kanal B und AK Kraak über das Wochenende in Genua ist jetzt fertig und kann für Infoveranstaltungen ausgeliehen werden. Das Video beschreibt in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse in Genua und endet mit dem Einsatz in der Diaz Schule. Ausführlicher Film ist in Arbeit und wird hoffentlich in zwei bis drei Wochen fertig sein. Zu bestellen ist der Schnellschnitt über AK Kraak, Kastanienalle. 77, 10435 Berlin. Tel: 030/44047458 E-Mail: akkraak@squat.net
indymedia.de 7.8.2001 - 20:50 Uhr
Dortmund: Protestkundgebung ital. Konsulat
Rund 150 Menschen demonstrierten heute Morgen lautstark durch die Innenstadt Dortmunds für die sofortige Freilassung der in Genua Verhafteten.
Dortmund, 07.08.01
Wir tragen unseren Protest vor das italienische Konsulat Protestkundgebung für die Freilassung für die in Genua Verhafteten
Sobald der Widerstand anfängt, die herrschende Ordnung im geringsten zu gefährden, gelten für die Staatsmacht ihre eigenen Gesetze nicht mehr. Doch die wirkliche Gewalt geht vom kapitalistischen System aus, für das der G8-Gipfel nur ein Symbol war. Überall auf der Welt sterben Menschen an Hunger, in Kriegen, wegen verseuchter Umwelt und an tödlichen Arbeitsbedingungen, kommen um an den Grenzen der Festung Europa, müssen auf Sozialämtern um jedes Bißchen betteln.... Das ist das tatsächliche Gewaltverhältnis, gegen das sich so viele Menschen wehren.
Rund 150 Menschen demonstrierten heute Morgen lautstark durch die Innenstadt Dortmunds für die sofortige Freilassung der in Genua Verhafteten. Mit nicht zu überhörender Musik und Redebeiträgen ging die Demo vom Hauptbahnhof bis zum italienischen Konsulat. Die Kleidung der DemonstrantInnen war schwarz; mit Zylinder, Anzügen und Alltagskleidung, um die Absurdität von schwarzen T-shirts als Verhaftungsgrund darzustellen und um zu zeigen, dass wir uns eine Farbe nicht vorschreiben lassen.
Vor dem Konsulat durfte nach kurzer Verhandlung eine Delegation von 5 Menschen dort hinein, um mit der stellvertretenden Konsulin zu sprechen. Die Delegation übergab ihr Unterschriftenlisten für die sofortige Freilassung der Gefangenen in Genua. Die Konsulin versprach, diese zusammen mit der Resolution der Gefangenen aus einigen Knästen an das Auswärtige Amt und zuständige Behörden und Verantwortlichen in Italien weiterzuleiten. Sie schien auch tatsächlich bemüht. Immerhin versuchte sie, direkten Telefonkontakt zu einem Gefangenen in Marassi herzustellen, was aber von der Gefängnisleitung abgelehnt wurde.
Wir sind traurig und wütend über den Mord an Carlo Guiliani und über die Gewalt gegen AktivistInnen in Genua. Wir fordern:
- Die sofortige Freilassung der in Genua verhafteten AktivistInnen!
- Die Schuldigen der Misshandlungen müssen zur Verantwortung gezogen werden!
indymedia.de 7.8.2001 - 17:53 Uhr
Genua-Soliaktion in Bremen am 08.08.2001
Soli-Aktion für die noch Genua-Inhaftierten in Bremen
Zum G8-Gipfel in Genua und zu den Gefangenen wird am Tag der nächsten Haftprüfungstermine, dem 8.8.01, in Bremen ein Informationstag mit Aktionen stattfinden. Parallel dazu läuft eine Pressekonferenz - u.a. mit Vertreterinnen des Solibündnisses "Freiheit für die Gefangenen von Genua", dem Anwalt von Gefangenen von Genua, MdB Heidi Lippmann (PDS) und einer (ziemlich lädierten) Augenzeugin der Ereignisse.
Infoveranstaltung und Aktionen: ab 12.00 Uhr am Ostertorsteinweg, vor dem Café Engel
Pressekonferenz: 12.00 Uhr im Lagerhaus (Schildstraße)
indymedia.de 7.8.2001 - 13:58 Uhr
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