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Quelle: Sächsische Zeitung - 16.5.2001
Linker Protest zum Prozess-Auftakt
Verhandlung gegen Bernsdorfer Vietnamesen läuft.
Von Ulli Schönbach
Bewacht von einem starken Polizeiaufgebot und begleitet von Protesten linker Gruppen hat gestern vor dem Landgericht Bautzen der Prozess gegen einen jungen Vietnamesen begonnen. Der 15-Jährige wird beschuldigt, am 9. Dezember 2000 auf dem Weihnachtsmarkt in Bernsdorf zwei 21 und 22 Jahre alte Männer mit einem Messer angegriffen zu haben.
Einer der beiden Männer erlitt durch einen Stich in den Bauch tödliche Verletzungen, der andere wurde schwer verletzt. Bei den beiden Opfern soll es sich um Rechtsradikale handeln. Nach Augenzeugenberichten hatten rechte Jugendliche am Tag der Tat den Vater des Jungen bedroht und beleidigt.
In Teilen der linken Szene gilt der 15-Jährige deshalb als "jemand", der sich "wehrt", wie es in einer gestern verteilten Erklärung hieß. Bereits seit mehreren Wochen wurde im Internet und auf Informationsveranstaltungen für die Demonstration zum Prozessauftakt geworben. Zu den Aufrufern zählten unter anderem der Verein "Opferperspektive Ostsachsen" (Görlitz) und das Dresdner Netzwerk "Kein Mensch ist illegal".
Die 50 überwiegend jungen Leute, die sich gestern Vormittag vor dem Landgericht versammelten, kamen etwa zu gleichen Teilen aus Bautzen, Dresden und Berlin. Auf Spruchbändern forderten sie Freiheit für den Angeklagten und bezeichneten seine Tat als Selbstverteidigung.
Angemeldet worden war die Demonstration durch den Landtagsabgeordneten Uwe Adamczyk (PDS). In einer kurzen Erklärung wies dieser vor allem darauf hin, dass dem Vietnamesen im Fall eines Verurteilung auch die Abschiebung drohe. Nach der Aktion vor Gericht zogen die Demonstranten gegen Mittag etwa 40 Minuten durch die Bautzener Innenstadt.
Da der Prozess auf Grund des Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, war das Gericht selbst gestern hermetisch abgeriegelt. Nur wer dienstlich im Justizgebäude zu tun hatte, kam hinaus oder hinein. Dies wird auch für die kommenden Verhandlungstage bis Freitag gelten, wenn voraussichtlich das Urteil gesprochen wird.
Die Polizei hatte gestern offenbar mit einem größeren Einsatz gerechnet. Sowohl rings um das Gericht als auch an wichtigen Zufahrtsstraßen war sie mit starken Kräften vor Ort. Die Polizeidirektion Bautzen war durch Beamte der Bereitschaftspolizei verstärkt worden.
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