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Am 9.2.2001 wurde die Wagenburg erneut vertrieben - diesmal vom Bethaniendamm in Kreuzberg.
per E-Mail - 10.2.2001
Neues von Laster und Hänger
Die Laster- und Hängerburg befindet sich seit 26.11.00 auf der Suche nach einem neuen Platz für Ihre alternative Wohnkultur. Die Schikanen seitens der Polizei gingen immer weiter zurück; zuletzt konnten sogar 7 Fahrzeuge gemeinsam in der kleinen Sackgasse am Bethaniendamm genau auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte parken. Seit dieser Frieden in der Presse dokumentiert wird, scheinen einige Politiker sofort dagegen aktiv werden zu müssen. Am Donnerstag dem 8.2. erschien ein Streifenwagen und erklärte der erstbesten Person die in einem Fahrzeug anzutreffen war, daß die Fahrzeuge hier bis Freitag, 20 Uhr verschwinden müßten, andernfalls würden die Fahrzeuge abgeschleppt werden. Dieses Vorgehen verwundert, schließlich ist eine mündlich Anordnung gegenüber einer (!) Person nicht ausreichend, um 7 Fahrzeughalter zu informieren. Was wäre denn, wenn sich diese nicht untereinander kennen würden? Schließlich handelt es sich hier um vorschriftsmäßig geparkte, zugelassene Fahrzeuge auf öffentlichen Straßenland.
Am Freitag erschienen dann um 16 Uhr vier Wannen mit Beamten, welche die anwesenden FahrzeughalterInnen belästigten und sich unrechtmäßig Zutritt zu einigen Fahrzeugen verschafften. Jetzt war plötzlich die Rede von einer Räumung bis 18 Uhr. Kurz vorher gab dann der Einsatzleiter einen Stapel Kopien an eine Halterin, mit der Bitte um Verteilung. Hierin wurde nun schriftlich das Verlassen des Platzes bis 20 Uhr verfügt.
Da dieser Platz eh nicht eine Besetzung wert war, zogen die Fahrzeuge kurz vor 20 Uhr von dannen, um sich in der Nachbarschaft verteilt abzuparken. Nur der Gemeinschaftsanhänger (in dem auch Mittwochs die mobile VoKü UNSCHLAGBAR* stattfindet), verblieb auf dem Platz. Da mittlerweile eine beachtliche Anzahl UnterstützerInnen aufgelaufen war, wurde eine Spontandemo angemeldet, in der der Anhänger mit Muskelkraft über Oranien- und Adalbertstraße auf das Gelände des autonomen Kulturprojektes Köpenicker Str. 137 geschoben und gezogen wurde. Der bunte Aufzug aus ca. 100 Demonstrantinnen wurde von der Polizei zurückhaltend beobachtet. Der Wagen erreichte sicher die Köpi und versorgte anschließend DemonstrantInnen und Partygäste mit Getränken. Im Anschluß gab es dennoch zwei Festnahmen von Menschen auf dem Heimweg, wg. flotter Sprüche gegen Zivis.
* UNSCHLAGBAR - die rollende Vokü. Essen und Trinken, wo es uns gefällt. Jeden Mittwoch um 20 Uhr. Aktuelle Standortinfo unter 0179 610 56 47.
Sandra Wagenrad - 9.2.2001
Laster & Hängerburg heute vom Bethaniendamm geräumt
Fünf Wochen standen 10 Wagen der Laster&Hänger in der kleinen Sackgasse neben der Kirche am Bethanien. Nachdem die Bullen in den letzten Tagen immer wieder die Kennzeichen der LKWs aufgeschrieben und Lagepläne angelegt hatten, wurde heute morgen den BewohnerInnen mitgeteilt, sie hätten bis heute abend 20 Uhr die Fläche zu verlassen, da ansonsten nach ASOG die Fahrzeuge beschlagnahmt werden sollten. Daraufhin mobilisierten die BewohnerInnen sowohl Presse als auch UnterstützerInnen.
Am Nachmittag tauchten dann auch ein paar Streifenwagen und Bullis auf, nebst zahlreichen Zivis, die sich großzügig über geltendes Recht hinwegsetzten, indem sie in zwei LKWs von Bewohnern eindrangen, die gerade bei der Arbeit waren. Der Einsatzleiter der Schutzpolizei streitet ab, dies gesehen zu haben. Inzwischen hatten die Bullen über die Presse wohl mitbekommen, daß sich die BewohnerInnen auf die Räumung vorbereiteten. Plötzlich hieß es, das Ultimatum würde schon um 18 Uhr ablaufen. Es gelang dann doch kurzfristig einigen Menschen von der Presse und aus der Szene zum vorverlegten Zeitpunkt da zu sein, bis es hieß, die Deadline sei doch 20 Uhr. Jetzt erst lag auch das Schriftstück vor, nach dem das Bezirksamt Mitte die "Zwangsräumung angeordnet" hat.
Die von L&H genutzte Fläche ist öffentlicher Parkplatz, auf dem zugelassene Fahrzeuge geparkt waren. Eigentlich hätten sie da bis in alle Ewigkeit stehen dürfen, schließlich darf jede(r) "Bürger" ein zugelassenes Fahrzeug parken so lange er oder sie will. Auf den Nachweis, daß in den Wagen "gelagert und genächtigt" wird, haben Polizei und Verwaltung verzichtet. So erstreckte sich die "Zwangsräumung" auch auf einen PKW, einen offenen Anhänger und einen VW-Bus - die wohl definitiv nicht zum "Nächtigen, Lagern und Niederlassen zum Alkoholverzehr" da geparkt waren, wie es in dem Wisch der Verwaltung heißt. Von einem "illegalen Abstellen von Fahrzeugen" kann wohl kaum die Rede sein.
Kurz vor 20 Uhr meldete eine Bewohnerin dann eine spontane Demonstration an, an der dann etwa 70 UnterstützerInnen teilnahmen. Dabei wurde der Gemeinschaftswagen von Hand durch die Mariannenstraße, die Oranienstraße und die Adalbertstraße bis zur Köpi geschoben, wo die Demo beendet wurde. Die LKWs sind jetzt im Stadtgebiet verstreut.
Nach der Demo kam es zu zwei Festnahmen durch Zivis. Einem Mann wird Beleidigung und Widerstand vorgeworfen. Er befindet sich zur Stunde noch auf der Bullenwache in der Kochstraße. Seine Begleiterin wurde von den Zivis vom Fahrrad gerissen, ihr wird ebenfalls Beleidigung vorgeworfen, ist aber im Moment wieder in "Freiheit" - naja, so frei mensch in diesem beknackten Herrschaftsystem eben sein kann.
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