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Quelle: indymedia - 16.10.2002
Rigaer 94 - eine Nachbereitung zum 4.9.
Versuch einer Nachbereitung der am 4.9.2002 nicht wirklich verhinderten Teilräumung der Rigaer 94. Die kombinierte Nach- und Vorbereitungsveranstaltung findet am Freitag, 18. Oktober 2002 um 20.00 Uhr im X-B-Liebig statt.
"Großmäuligkeit is' eine uns'rer Macken...
...aber manchmal kriegen wir auch was gebacken."
Am 4.9.2002 wurde der Räumungstitel für die Erdgeschossräume in der Rigaer 94 (Berlin) mittels einer Anhäufung blöder Bullen vollstreckt. Den Verlauf dieses Tages hatten sich einige anders vorgestellt. Wir auch. Ziel war das entschlossene Agieren gegen diese Räumung, Ziel war, sie als politisch nicht durchsetzbar zu gestalten, Ziel war, zu zeigen, dass Widerstand möglich ist und erfolgreich sein kann. Passivität und Pessimismus sollten auf's Korn genommen werden. In den Gesprächen nach der Räumung hatten wir eher das Gefühl, dass das genaue Gegenteil erreicht wurde. Schauen wir uns also noch mal an, was am 4.9. (nicht) passierte.
Die Nacht zum 4.9. war abgesehen von einigen besoffenen Punks vor dem XB-Liebig relativ ruhig. Die Bullen patrouillierten alle 5-10 durch den Kiez, hielten sich ansonsten aber merklich zurück. Erst um 4.15 Uhr wurden die Kreuzungen um die Rigaer 94 mit jeweils 2-3 Wannen zugestellt, Personenkontrollen wurden errichtet, die Bullen ließen niemand mehr zur 94 durch. Es war recht schnell absehbar, dass der gute und richtige Plan,, die Kreuzung mittels Barrikade oder was wissen wir wie zuzumachen, nicht aufgehen wird. Zu früh zu viele Bullen am falschen Ort - zu wenig Leute von uns. Erst relativ spät, zwischen 5.30 und 6.00 Uhr, sammelten sich so zwischen 200 und 300 Leute, standen vor den Absperrungen der Bullen rum oder waren (eher vereinzelt) in den umliegenden Straßen unterwegs.
was können wir besser machen - teil 1
Der Informationsfluss war zu dieser Zeit und allgemein ziemlich schlecht. Das Radio musste wegen anrückender Peilwagen aufhören zu senden. Als es auf Sendung war fehlten leider die Radios in den Fenstern an entscheidenden Kreuzungen - schade schade. Der Infopunkt war nicht besonders gut organisiert, mobile Infoteams mit Megaphon o.ä. fehlten. Es entstanden ständig Gerüchte, z.B. über insgesamt wahrscheinlich 10 Spontandemos mit unterschiedlichster Orten und Zeiten, von denen letztlich nur ca. 3 stattfanden. Wir denken, dass das alles besser organisierbar ist und werden uns das nächste Mal darum bemühen.
was können wir besser machen - teil 2
Das sich am 4.9. die Wut über die Räumung der Kadterschmiede in erster Linie in entschlossenem Herumstehen äußerte, selbst dann, wenn sich Greiftrupps der Bullen gemächlich ihren Weg durch die Leute bahnten, liegt allerdings nicht nur am schlechten Informationsfluss. Mit perfekter Infostruktur wäre der Tag unserer Einschätzung nach leider nicht großartig anders verlaufen. Bezugsgruppen scheinen total aus der Mode gekommen zu sein. Das Maß an Unorganisiertheit überraschte uns dann doch ein wenig, kaum eineR hatte sich anscheinend Gedanken gemacht, was in einer (absehbaren) Situation, daß die Bullen Teile des Kiezes dichtmachen, sinnvoll und angemessen ist. Es gab einige nette Ausnahmen - ein ziviles Polizeifahrzeug, ein Bagger und ein paar Papiercontainer brannten, es gab 2-4 Barrikaden in den umliegenden Straßen und an den Bullenketten ein paar Durchbruchversuche - all das erreichte jedoch nicht das erhoffte Ausmaß.
Zum Teil wurde kritisiert, dass in der Mobilisierung kein Plan B für den am 4.9. eingetretenen Fall präsentiert wurde. Das kann mensch natürlich kritisieren, andererseits ist es ziemlich nahelegend, was in einer solchen Situation zu tun ist: die Bullen nerven wo es geht. Das muß nicht unbedingt auf jedem Flugblatt stehen. Insgesamt ist also einiges eher schiefgegangen, ein bisschen was hat geklappt
wir werden nicht alles anders, aber vieles besser machen
Nach der Räumung ist vor der Räumung. Demnächst, im November oder Dezember, wird es um die Räumung von 5 der 20 Wohnungen in der Rigaer94 gehen. Wir werden erneut versuchen, diese zu verhindern. Wir denken weiterhin, dass das möglich ist, wir denken immer noch, dass Aktionen gegen die Räumung am besten auf der Straße stattfinden.
Wir rufen euch hiermit auf, mit uns an toll fiesen Konzepten zu feilen, uns bei den Vorbereitungen der Aktionen gegen die Räumung zu unterstützen, zu überlegen, welche Aktionen ihr sinnvoll findet. Der Vorbereitungskreis war beim letzten Mal tendenziell überlastet, könnte also durchaus größer werden.
Eine kombinierte Nach- und Vorbereitungsveranstaltung findet am
Freitag, dem 18. Oktober
um 20.00 Uhr im XB-liebig (Liebigstr. 34, U5 Frankfurter Tor) statt. In diesem Sinne:
keine räumung der rigaer94
rechtshilfekrams
An alle, die am 4. oder 6.9. eingefahren sind oder sonstwie im Zusammenhang mit der Rigaer94 Streß mit Bullen und Justiz haben: MELDET EUCH BEI UNS. Dieser Streß ist nicht euer individuelles Problem, wir werden (finanzielle) Mittel und Wege finden damit umzugehen.
rigaer94@web.de
visdp: n. bereitung, rigaer str. 91, 10247 berlin
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