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Text: Initiative 8. März
Quelle: indymedia - 20.2.2002

9. März: Demo zum Weltfrauentag in Duisburg

Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März findet am 9. März 2002 eine Demonstration in Duisburg statt. Gleichberechtigung umsetzen. Soziale Gleichheit schaffen. Weltweit! Samstag, 09.03.2002, 12 Uhr Johannismarkt, Duisburg-Marxloh Wegbeschreibung und mehr unter http://www.antifakomitee.de

Im Anschluss an die Demonstration: Veranstaltung mit Musik und Redebeiträgen Sophie-Scholl-Kollegschule (voraussichtlich) August-Bebel-Platz, Duisburg-Marxloh

Aufruf:

Gleichberechtigung umsetzen. Soziale Gleichheit schaffen. Weltweit!

Historischer Hintergrund des 8.März


Die symbolische Bedeutung des 8. März ist auf die Streiks der amerikanischen Tabak- und Textilarbeiterinnen im Jahre 1908 zurückzuführen. Diese kämpften für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Um ein Bündnis mit den Gewerkschaften zu verhindern, schlossen Aufseher auf Befehl der Fabrikbesitzer die Frauen in den Fabriken ein. Während dieser Aktion brach ein Feuer aus, bei dem 129 Frauen verbrannten. In den darauffolgenden Jahren fanden in europäischen und amerikanischen Ländern verschiedene Veranstaltungen und Aktionen statt, deren Intention es war für die Interessen und die Gleichberechtigung der Frauen einzutreten und gegen Unterdrückung, Ausbeutung sowie imperialistische Kriege Widerstand zu leisten. Der erste internationale Frauentag wurde am 8. März 1911 deklariert. Im Verlauf der Jahre wurde dieser Tag von immer mehr Frauenrechtsbewegungen auf dem europäischen Festland begangen. Frauen ließen die Kampfansage gegen das kapitalistische System verlauten und postulierten eine Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts auf allen Ebenen des Zusammenlebens. Nach über 90 Jahren ist die Situation der Frauen immer noch verheerend schlecht auf der Welt.

Frauen in Europa

Obwohl die damalige deutsche Frauenbewegung einige Rechte einbrachte, sind diese zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus abgeschafft worden. Durch die Weiterentwicklung des Kapitalismus wurde die weibliche Arbeitskraft in die Verwertungslogik systematisch einbezogen und wurde so ins gesellschaftliche Leben eingebunden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Frauen der, auf biologistischen Grundsätzen beruhenden geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung in der Familie nicht mehr nachkommen müssten, oder dass eine Umverteilung der Arbeit stattgefunden hätte, Frauen werden doppelt belastet. Die Doppelbelastung drückt sich darin aus, dass Frauen ohne Bezahlung die ihnen von der Gesellschaft aufgezwungenen Pflichten ausführen müssen und auch in der Berufswelt Stärke beweisen müssen. In Gesetzestexten oder sonstigen staatlichen Publikationen sind heutzutage der Gleichberechtigung der Frauen formal keine Grenzen mehr gesetzt, es hapert nur anderen Umsetzung!! So wurde z. B. in den EU-Richtlinien beschlossen, dass mehr Arbeitsplätze für Frauen geschaffen werden sollten, doch wurden keine finanziellen Mittel für die Gleichstellung der Frau zur Verfügung gestellt. Die bundesdeutsche Regierung sieht in der geschlechtsspezifischen Verfolgung keinen Asylgrund. Patriarchale Strukturen unserer westlichen Gesellschaft finden ihren Ausdruck latent und subtil in Denk- und Verhaltensmustern. Exemplarisch könnten da Frauen in Führungspositionen genannt werden, die von ihren männlichen Kollegen abgelehnt werden, da in dem Hirngespinnst der weiblichen Natur keine führenden Positionen enthalten sind, sehr wohl aber in der männlichen.

Die Situation der Frauen in den unterdrückten Ländern

In den meisten Ländern der Welt hingegen fehlen oft schon die rechtlichen Grundlagen, welche eine Gleichberechtigung der Frau herbeiführen könnten. Nicht zu vergessen die traditionellen Hürden gegen die Frauen ankämpfen müssen. Zusammenfassend müssen sie also gegen Sexismus, Rassismus und die Unterdrückung ihrer Klasse vorgehen. Die meisten dieser Art patriarchal- strukturierten Länder berauben Frauen jeglichen Rechts auf Selbstbestimmung. Die Männer dort betrachten Frauen als ihr persönliches Eigentum ohne ihnen auch nur die geringsten bzw. grundlegendsten Rechte irgendwelcher Art zu zusprechen, sprich u.a. kein Recht auf eine angemessene medizinische Versorgung oder Bildung. Dies führt zu einer ökonomischen wie auch psychischen Abhängigkeit der Frau vom Mann. Dadurch kommt dem Mann eine gewisse Allmachtstellung zu, die er auch so ausnutzt. Er hat die freie Auswahl an Sanktionsmöglichkeiten, die Anwendung finden, falls frau nicht den Vorstellungen des Mannes entsprechend ihre Dienste verrichtet. Diese Strafen überspannen von psychischer Gewaltanwendung bis hin zu sexueller Gewaltanwendung alles was ein krankes Männerhirn sich nur ausdenken kann. Da auch in solchen Ländern die kapitalistische Verwertungslogik greift, es u.a. also auch aus ökonomischen Gründen erforderlich ist, dass Frauen vermehrt arbeiten, arbeiten sie noch eher für einen Hungerlohn unter sowie so schon menschenverachtenden Umständen. Diese Arbeit würde ihnen jedoch auch nicht die Möglichkeit bringen eine eigene Existenz aufzubauen. Frauen, in diesen Teilen der Erde haben mit offensiveren, und auch offensichtlicheren patriarchalen Strukturen zu kämpfen (im Gegensatz zu denen in der westlichen Welt, diese sind subtiler, da auf formaler Ebene Gleichberechtigungsparagraphen formuliert werden), die starke Stützen in patriarchal- religiösen Traditionen finden. An dieser Stelle muss auch auf die weibliche Beschneidung eingegangen werden, die es Frauen zumeist unmöglich macht Lust an Sex zu empfinden, denn bei diesem abartigen Akt werden Mädchen und jungen Frauen ohne Betäubung und unter lebensbedrohlichen Umständen, die Clitoris und die Schamlippen herausgeschnitten. Diesem als Initiationsritual angepriesenen Verstümmelungsakt werden tagtäglich 6000 Mädchen und junge Frauen unterzogen. Die gewaltsame Entmachtung der Frau über ihren eigenen Körper bestimmen zu können wird nicht nur anhand des krassen Beispiels der weiblichen Beschneidung deutlich, sondern auch durch die Bevormundung ob eine Frau ein Kind austragen will oder nicht. Die so geschehene Unmündigkeitsmachung in dem ihr eigensten Bereich könnte eine Erklärung dafür sein, warum Frauen sich auch auf anderen Gebieten unterdrücken ließen, denn die tiefste Erniedrigung ist in dem Moment erreicht, wenn einer Person das Recht über ihren Körper bzw. sich selbst zu verfügen, genommen wurde.

Frauenrechte als Kriegslegitimation

Der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001, und der darauf begründete amerikanische "Feldzug gegen den Terror", dessen Ausführung auch durch menschenverachtende Behandlung von Frauen in Afghanistan begründet wurde, war nur eine fadenscheinige Begründung, um zum einen personelle Störfaktoren im Nahen Osten auszuschalten und zum Anderen eine sehr prägnante geo-strategische Position einzunehmen auf einem imperialistischen Spielbrett. Es ging weitestgehend nur um eine Sicherung der Wege zu natürlichen Ressourcen, deren zunehmende Prägnanz im globalen Wettstreit um die Vormachtstellung nicht ignoriert werden darf. Insbesondere für Frauen bedeutet Krieg bzw. ein kriegsähnlicher Zustand immer auch Vergewaltigungen, sexuelle Folter, halt eine durch und durch menschenverachtende Behandlung. Die Legitimation für den Krieg, die von den USA bzw. der Nato angebracht wurde, dass in Afghanistan Menschen- bzw. Frauenrechte nicht beachtet wurden, ist bei logischer Betrachtung natürlich nur eine Ausflucht. Selbstverständlich negiert keineR die Situation, die dort vorgeherrscht hat, dennoch war diese den Machthabern sehr viel länger bekannt als sie uns glauben machen wollen. Nichtsdestotrotz war dieses völlig egal. Es wurde erst wieder aktuell nachdem mensch dessen Eignung als Hetze gegen die Taliban benutzen konnte und dann dieses Land einem Bombenhagel unterziehen konnte. Auch mit der Implementierung der neuen Übergangsregierung wird die Lage der Frau nicht besser werden. So waren auf der Konferenz zur neuen Staatsführung in Bonn nur zwei afghanische Frauen anwesend. Dass die Situation der Frauen in Afghanistan ohne Belang für die NATO war/ ist, wird dann noch offensichtlicher wenn mensch bedenkt, dass in Afghanistan sehr wohl eine demokratische Frauenorganisation schon seit mehreren Jahren aktiv ist.

Für eine freie Gesellschaft

Nur durch die Abschaffung von geschlechtsspezifischen Stereotypen und der männlichen Entmachtung kann es gelingen, Menschen ihre eigenen Identitäten finden und leben zu lassen. Das heißt eine aktive Teilnahme der Frauen an den Kämpfen gegen patriarchale Strukturen und Geschlechtsstereotypen. Männer müssen als potentielle Unterdrücker gesehen werden, dennoch ist es nicht unser Ziel einen isolierten anti-patriarchalen Kampf zu führen. Denn die Gesellschaft ist nicht nur in Geschlechter, sondern u.a. auch in Rassen und Klassen unterteilt (durch ökonomische Verhältnisse und Zuordnungen gespalten). Deshalb gilt es zeitgleich gegen kapitalistische und patriarchale Logiken Widerstand zu leisten. Eine gesamtgesellschaftliche Befreiung kann nur gelingen wenn sich alle revolutionären (gesellschaftlichen) Kräfte vereinen.

Gegen die menschenverachtende Behandlung von Frauen!
Gegen Machos und Konsorten!
Gegen imperialistische Kriege!
Solidarität mit den Frauen auf der ganzen Welt!
Für eine Gesellschaft jenseits von Sexismus, Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung!
Es lebe der 8. März, der Weltfrauentag!


organisiert von: Initiative 8. März (ATIF NRW, Göcmen Emekciler Dernegi Duisburg, Bolsevik Partizan, Antifaschistisches Komitee Duisburg, Red Community NRW, Junge Linke Wesel)

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