Von Multi Casa beflügelt…

Auf dem alten Güterbahnhofsgelände im Duisburger Zentrum soll ein Einkaufsparadies der Superlative entstehen. Das Oberhausener Centr. ist dagegen eine Klitsche. Werden die Visionen von Jürgen Dressler, Planungsdezernent von Duisburg und Berufsvisionär, wahr, dann klingeln die Kassen bei Handel und Gewerbe, aber auch wieder die vom Stadtkämmerer. Die Arbeitslosigkeit sinkt rapide und die Stadt wird wieder einer glorreichen Zukunft entgegengehen.

Im Moment sieht es damit eher düster aus. Geht man einmal durch die Duisburger Innenstadt, so ist unschwer zu erkennen, daß es Duisburg nicht an Einkaufsflächen fehlt. So stehen z.B. an der Beekstraße ganze Kaufhäuser leer, aber auch auf der Königstraße finden sich immer mehr leerstehende Geschäfte. Kommt jetzt noch das Super-Einkaufszentrum Multi Casa hinzu, wird dem übrigen innerstädtischen Handel weitere Kaufkraft abgezogen. Folge: noch mehr Leerstände durch Pleiten und Umzüge ins Multi Casa, um nicht unter zu gehen. Und das nicht nur aus der City, sondern auch aus den Stadtteilen wie Rheinhausen, Homberg, Wanheimerort, Hamborn, usw. Viele Menschen werden sich ins Auto setzen und ins Multi Casa fahren, die Geschäfte im Nahbereich müssen schließen, Arbeitsplätze gehen verloren, die Stadtteile stehen vor einer neuen Strukturverschlechterung und veröden noch mehr.

Oberhausen wird sich den Bau des Multi Casa nicht kampflos gefallen lassen. So wird bereits eine Vergrößerung des CentrO. angekündigt. Düsseldorf plant ähnliches, Dortmund, Essen und andere Städte auch. Doch woher soll die Kaufkraft kommen? Von Einkaufstouristen aus der europäischen Region? Kommen noch mal so viele nach Duisburg wie bereits nach Oberhausen? Wohl kaum. Wahrscheinlich wird sich die harte Verdrängungskonkurrenz weiter zuspitzen. Bereits jetzt haben im CentrO. manche Läden schon den dritten Inhaber, Restaurants haben Pleite gemacht. Kaufkraft wird durch solche Zentren vor allem umgeschichtet und anders verteilt, jedenfalls nicht mehr stark vermehrt.

Neue Arbeitsplätze?

Im CentrO. führte der WDR unlängst eine Umfrage bei den Beschäftigten durch. Nur wenige hatten ein festes Arbeitsverhältnis: einige Wachmänner, die leitenden Angestellten und noch ein paar weitere. Fast alle anderen jobben auf 630-Mark-Basis. Das droht auch Multi Casa. Der Druck in Richtung verlängerter Ladenöffnungszeiten wird enorm zunehmen, der übrige Handel wird mitziehen müssen. Erhält Multi Casa Ausnahmegenehmigungen, ergeben sich Konkurrenzvorteile. Und qualifizierte Ausbildungsplätze werden mit der Lupe zu suchen sein.

Keine Kosten?

Angeblich kostet Multi Casa die Stadt keinen Pfennig. Das meinen jedenfalls OB Zieling und Beigeordneter Dressler. Aber in der Projektgruppe saß auch die städtische GEBAG. Die Erschließungskosten wird die öffentliche Hand weitgehend übernehmen müssen. Außerdem ist der Vertrag mit seinen Verpflichtungen für die verschiedenen Akteure der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt.

Geheimpolitik

Multi Casa wurde hinter verschlossenen Türen auf Spitzenebene projektiert, verhandelt und besiegelt. Es war nicht im Rat, von Öffentlichkeitsbeteiligung ganz zu schweigen. Wenn es, wie letztens angekündigt, noch in den Rat kommt, gibt es nichts wesentliches mehr zu entscheiden.

Es bleiben jede Menge offene Fragen: Was wurde TrizecHahn an öffentlichen Leistungen zugesagt? Welche Steuerbefreiungen und für wie lange? Wer bezahlt das Grundstück der Bahn-AG? Was ist mit den enormen Kosten, die sich für eine Verkehrsanbindung abzeichnen? Wie sieht das Verkehrskonzept überhaupt aus, angefangen bei der Baustellenlogistik? Mit welchen zusätzlichen Auto- und PKW- Lawinen muß gerechnet werden? Inwiefern wird die Lokale Agenda 21 bei der Durchführung dieses Projektes berücksichtigt? Wird mit Multi Casa weiter öffentlicher Raum privatisiert, und durch Wachdienste von "unerwünschten" Menschen freigehalten?

Im Moment zeichnet sich ein weiterer sozial- und stadtzerstörender Koloß ab. Durch fadenscheinige Argumentationen von neuen Arbeitsplätzen wird jede Kritik abgebügelt. Erfahrungen in der eigenen Stadt mit anderen Großprojekten wie "Les Miserables" werden unter den Tisch fallen gelassen. Erfahrungen, die hinter der Stadtgrenze gemacht worden sind, wie z.B. mit dem Oberhausener CentrO., werden erst recht nicht wahrgenommen. Auch bei dem aktuellen Vorschlag der Jungen Union, die Jugendorganisationen der Parteien an der Planung zu beteiligen, geht es nicht mehr um die grundsätzliche Frage, ob ein Multi Casa überhaupt ein sinnvoller Beitrag zur Duisburger Stadtentwicklung ist, sondern darum, Minimalforderungen und Reförmchen an das Multi Casa-Projekt als solches anzubringen.

 

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